Dienstag, 1. Januar 2013

Et incarnatus… – an Weihnachten kniet man nieder

Refektorium eines Karmels – am Karfreitag nehmen
die Schwestern ihre Mahlzeiten kniend ein
Mit dem Prinzip der „gestuften Feierlichkeit“ kann ich nicht soviel anfangen. Zum einen gibt es, finde ich, keinen Grund, Gott im Gottesdienst etwas vorzuenthalten, mit der Begründung, man hebe es sich für einen anderen Tag auf.

Es mag Umstände geben, unter denen nicht immer alles möglich ist, was man gerne täte (mit nur einem Ministranten etwa kann man der Einzugsprozession nicht Kreuz und Leuchter und Weihrauch vorantragen, da nützt der beste Wille nichts).

Zum anderen aber führt diese ewige Aufsparerei meiner Erfahrung nach bei manchen dazu, daß der Tag, für den sie es aufsparen, niemals anbricht oder auch dazu, daß Dinge selbst an dem Tag, an dem sie eigentlich angezeigt wären, nicht mehr getan werden. (So wird am hiesigen Hause seit einiger Zeit in Pontifikalämtern auch an höchsten Festtagen das Hochgebet nicht mehr gesungen, wie früher immer.)

Um ein aktuelles Beispiel zu nennen: an wenigen Tagen im Jahr sieht das Meßbuch vor, daß alle beim Credo oder beim Ruf vor dem Evangelium knien – wenn es an Pfingsten heißt: Komm, Heiliger Geist… und zur Verkündigung des Herrn und an Weihnachten beim hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden. Das sind sehr wenige Tage in einem ganzen Kirchenjahr. Tage, an denen wir Gelegenheit haben, Gott die Ehre zu geben und unsere Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen, für das Große, das er uns bereitet hat, indem er Mensch wurde, für uns litt und starb, zu unserem Heil.

In der Christmette sank beim Et incarnatus est im lateinischen Credo – plumm! – an der entsprechenden Stelle alles auf die Knie. Damit es sich auch richtig lohnte, verweilte der Chor ein wenig über den Worten. Auch schön. Das Volk sah es, staunte, und blieb vielleicht größtenteils stehen wo es war (ich gucke immer nicht, warum auch?). Zu den Heiligen Messen am ersten Feiertag morgens und abends wurde dann gleich wieder eines dieser Glaubensbekenntnislieder genommen, die mich aus anderen Gründen sowieso gegen den Strich bürsten, also wird nicht gekniet, weil die entsprechende Textzeile gar nicht vorkommt. Hmpft.

Gestern, zum Amt für den Jahresschluß, gab es das große Glaubensbekenntnis, zwar gesprochen, aber doch, und die vorherige Ansage: Wir knien uns nicht nieder, sondern wir verneigen uns! Heilige Mutter Gottes, warum läßt du so etwas zu? Bei einer solchen vorherigen Ansage fehlt es mir dann am entsprechenden „Ungehorsam“, mich an der entsprechenden Stelle doch hinzuknien. Inwieweit das Ungehorsam wäre, darüber könnte man nun viel philosophieren (oder auch nicht), es fiele jedenfalls ins Auge. So konnte man das Faszinosum beobachten, daß diejenigen, die das große Glaubensbekenntnis im Xangbuch mitlasen – es wird ja selten gesprochen, sondern meist gesungen, was irgendwie einfacher auswendig zu bewerkstelligen ist –, mit den Augen die Stelle erreichten, an der es heißt
Zu den folgenden Worten verbeugen sich alle (an Weihnachten und am Hochfest der Verkündigung des Herrn kniet man nieder).
und sich dann nicht niederknieten. .oO(Ja, ist denn nicht Weihnachten?) Als ich aus der Verneigung, die ich an dieser Stelle, auch ohne die Rubrik zu lesen und ohne vorherige Ansage, immer mache, wieder hochkam, hatte ich überdies das Gefühl, außer mir hätte sich auch keiner verneigt. Vielleicht ein wenig mit dem Kopf genickt wie die Wackeldackel? Ich weiß es nicht und will es ehrlich gesagt auch gar nicht wissen. Wenn man sich schon entscheidet, das eine wegzulassen, warum dann nicht ohne weiteres auch das andere, wo man schon mal dabei ist? Die Rücksicht auf den etwas gebrechlichen Herrn Weihbischof em. kann man auch nicht hernehmen, der Herr Weihbischof ist der erste, dem daran läge, daß die anderen, die zum Niederknien in der Lage sind, trotzdem Gott die Ehre geben.

Ich verstehe solche Haltung, ehrlich gesagt, nicht. Zum einen stößt sie die Gläubigen vor den Kopf, denen etwas an der Liturgie und Tradition der Kirche liegt. Zum anderen erleben wir seit einiger Zeit die bewußte Hinwendung vieler Gläubiger zu Formen, in denen die Liturgie oft besonders schön oder alter Tradition entsprechend gefeiert wird. Wohin glaubt man also zu gelangen, wenn man auf bestimmte Formen, Gesten und Ausdrücke der Verehrung bewußt – eben durch vorherige Ansage – verzichtet? Wenn wir nicht knien, obwohl eine Rubrik im Meßbuch dies ausdrücklich vorsieht und es auch der Wunsch vieler ist, sich aus Dankbarkeit für die Gnade der Menschwerdung an diesen Tagen im Jahr hinzuknien? Wie gesagt, es ist mir unverständlich. Wirklich, dieser liturgische Schlendrian treibt mich eines Tages nochmal direkt in eine kleine Kirche am Breitenbachplatz. Vielleicht ist es dort gar nicht so schlecht, an meinem Weg läge sie jedenfalls.

Kommentare:

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Irgendwann kommt der Tag, wo ich in der ordentlichen Form des Römischen Ritus aus der Bank heraus in Richtung Altar brülle, man solle sich bitte an die liturgischen Vorgaben halten.

Ich finde diese Eigenmächtigkeiten diverser Zelebranten zunehmend unerträglich ...

Braut des Lammes hat gesagt…

Hier weiß man noch nicht einmal, wessen Idee das nun wieder war, selbst wenn… Ich finds schon herausfordernd, bei solchen Ansagen und dann später in der Liturgie an der entsprechenden Stelle eine gewisse Gleichmut zu bewahren.

MC hat gesagt…

Am besten gar nicht mehr gucken, was die anderen machen, sondern die "Augen-zu-und-durch"-Taktik. So jedenfalls ist oft meine Erfahrung, sonst haut man sich die eigenen Andacht total kaputt. Kann aber auch daran liegen, dass ich eigentlich immer vorn am Altar rumstehe (knie, husche, fähnchenschwenke) und von daher schon bei kleineren Irritationen anfange hibbelig zu werden.

Zudem hoffe ich auf Vorbildwirkung. Mittlerweile habe ich's geschafft, das Leuten bei der Elevation zu standartisieren, nach'm Agnus Dei knien wir seit geraumer Zeit, jetzt mach ich mich ans Verneigen während des Credos (wenn möglich).

Übrigens meinte eine Bekannte vor einiger Zeit, sie knie beim Hochgebet nur an Ostern. Sonst stehe sie und ihr Pfarrer finde das total in Ordnung.

Admiral hat gesagt…

Ach, geh doch dann lieber in die Graunstrasse statt an den Breitenbachplatz (hat die FSSP eigentlich ein Priorat in Berlin?).

Mich hat es auch gestört, daß in allen Messen zum Credo immer ein Lied genommen wurde, wo es keine Möglichkeit zum hinknien gab.

Zum Thema "gestufte Feierlichkeit" muß ich ein klein wenig wiedersprechen: Hochfeste werden halt anders gefeiert als normale Tage im Jahreskreis. Das betrift Musik, Blumenschmuck, Paramente oder Anzahl der Ministranten. "Gestufte Feierlichkeit" hat meiner Meinung nichts mit den Zelebrations- und Ausführungsanweisungen der Rubriken zu tun.

Gorgasal hat gesagt…

Mal eine ganz dumme Frage: wenn da "an Weihnachten" steht, heisst das dann "am Hochfest Weihnachten", also am 25.12. inklusive Mitternachtsmesse? Oder beinhaltet das die ganze Weihnachtsoktav? (Und kann man das im GL nicht ein wenig klarer formulieren?)

Gorgasal hat gesagt…

@Pro Spe Salutis: manchmal fantasiere ich davon, Redemptionis sacramentum auszudrucken, in Papierflieger zu falten und über die Bänke zum Altar gleiten zu lassen...

Braut des Lammes hat gesagt…

@Admiral, daß es zwingend zusammenhängt wollte ich damit nicht sagen, sondern eher, daß sich bei manchem das eine aus dem anderen ergibt (zuerst kommt die "gestufte Feierlichkeit", dann werden auch die Rubriken nicht mehr eingehalten).

Zum Thema "gestufte Feierlichkeit" bin ich aber tatsächlich anderer Ansicht - ich finde, man sollte, wann immer möglich, so feierlich feiern, wie man nur irgend mit dem, was man hat, kann, Gott zur Ehre. Wenn ich jeden Tag die Möglichkeit habe, das Kreuz vorantragen zu lassen oder zu singen, dann sollte ich das auch tun.

Die FSSP hat leider kein Priorat in Berlin, Graunstraße ist wiederum für mich ziemlich abseitig gelegen. Bei der FSSPX weiß ich indes nicht so richtig, wie da die Rechtslage eigentlich ist.

@MC – ich gucke eigentlich so gut wie nie, was die andern machen, insofern trägst du da Eulen nach Athen. Wenn aber vorher geboten wird, nicht zu knien, brauch ich nicht zu gucken, dann ist es eh klar und die Andacht im Prinzip vorher schon gestört. Es geht um die Geisteshaltung, die dahinter steht, die vor allem Volk aussagt, wir knien nicht. Wenn das einer für sich entscheidet, bitte sehr. Hier aber wird offenkundig auch nicht gewünscht, daß andere knien, die es wollen, indem man ihnen die Möglichkeit dazu explizit nimmt. Und das halte ich für übergriffig

@Gorgosal: ich hätte es auf alle Tage der Oktav bezogen, an denen wir ein Credo singen, genauer steht es aber tatsächlich nicht da.

Anonym hat gesagt…

Ich habe in der Adventszeit ein paar Tage hintereinander die Frühmesse bei den Piusbrüdern besucht und kam einmal hinterher mit einer Dame ins GEspräch, der ich sagte, dass ich normalerweise zu den Petrusbrüdern gehe. Sie zog daraufhin spürbar innerlich die Augenbrauen hoch; ihre distanzierte Antwort lautete: "Wenn die die Neue Messe anerkennen, dann isch des ihr Sach." Da wurde es mir schon ganz anders ...

Anonym hat gesagt…

Die FSSP hat doch St. Adalbert in der Torstraße?

Braut des Lammes hat gesagt…

Echt? Ich dachte, dort ist der Chemin Neuf?

ohne Eigenschaften hat gesagt…

Das stimmt; allerdings wird in der Torstraße allsonntäglich die Messe im außerordentlichen Ritus gehalten. Das geht aber, soweit ich weiß, von einer Laiengruppe aus und steht wohl weder mit dem Chemin Neuf noch mit den Petrusbrüdern in besonders enger Verbindung. Allerdings liegen zur Zeit der Messe die Schriften von P. Ramm über den außerordentlichen Ritus aus; davon hat sich der Anonymus möglicherweise narren lassen?

St. Adalbert ist übrigens architektonisch sehr interessant, vor allem die Fassade an der Linienstraße, allerdings leider bei Vollbeleuchtung ziemlich ungemütlich.

Da fällt mir ein, daß ich schon länger mit der Idee schwanger gehe, eine Art Testberichte (die Bezeichnung muß ich noch überdenken) über die verschiedenen Berliner Gottesdienstangebote in ihrer Vielfalt zu bloggen -- ob an so etwas wohl Interesse bestünde?

Braut des Lammes hat gesagt…

Zu letzterem, womöglich mit dem ein oder anderen Bildchen, falls du es über dich bringst, glaube ich, daß sogar ein großes Interesse bestünde. Manche solcher „zu Besuch bei“-Postings sind ja je nach Stil auch sehr ergötzlich zu lesen.

Sektionschef Tuzzi hat gesagt…

Toll, dann hätte ich ja endlich etwas, womit ich meinen schon vorbereiteten leeren Blog zu füllen beginnen könnte. Wäre zwar aus der Sicht eines blutigen Weltchristen, aber vielleicht wäre gerade das für den einen oder anderen besonders interessant. Gibt es Vorschläge Deinerseits (oder auch von anderen), welche "features" man in einen solchen Visitationsbericht aufnehmen könnte?

Ich glaub', ich fahre jetzt sogleich mal zum Winterfeldplatz, um ein paar erste Fremdeindrücke unter dem Aspekt meines Vorhabens zu sammeln. :-)

Braut des Lammes hat gesagt…

Hm – wie wär eine Analyse im Hinblick auf Kirchbanktauglichkeit, Schönheit der Liturgie und des Gemeindegesangs, dargebotene Predigt und liturgische Dienste? Nein, im Ernst, schreib, wie es dir in den Sinn kommt. Einigermaßen witzig (obwohl ihm selbst womöglich gar nicht so zumute war) fand ich Tobias' zu verschiedenen Zeiten veröffentlichte Berichte über die Christmette in seiner Heimat [http://mightymightykingbear.blogspot.de/2013/12/der-schamane-von-butjadingen.html] oder auch den Besuch bei den Orthodoxen [http://mightymightykingbear.blogspot.de/2013/05/ostern-auf-aramaisch.html]

Sektionschef Tuzzi hat gesagt…

Ich glaube, ich brauche gar nicht anzufangen mit dem "Testen": Die Messe am Winterfeldplatz war anständig andächtig, da kann ick nich meckern; aber danach blieb ich noch ein bißchen dort -- und die Fünfmeterleinwand im Pfarrsaal, die unglaubliche Stimmung daselbst, der jubelnde Jubelpriester im Trikot und vor allem DIESES SPIEL haben St. Matthias auf lange Zeit mein Herz gewonnen. :-)))

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