Sonntag, 6. Januar 2013

Die kostbare Gabe – Erscheinung des Herrn

Diese Anbetung Fra Angelicos zeigt einen unübersehbar
 langen Zug zur Krippe Jesu. Auf dem Dach ein toter und ein
ins Leben zurückgekehrter Pfau, ein Bild der Auferstehung.
Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. (Mt 2,10-11)

Das Fest der Erscheinung ist mir sehr lieb, nicht nur wegen seines lichtreiches Geheimnisses, sondern, weil es „unser“ Fest ist, das Fest der Berufung der Heiden. Der Besuch der Sterndeuter von weither ist womöglich der erste Fingerzeig Gottes, daß sich das Heil, das von dem Kommen seines Sohnes ausgeht, an alle Völker richtet. Die christliche Ikonographie hat den Sterndeutern daher im Laufe der Zeit die Hautfarben der damals bekannten Kontinente gegeben. Die Berufung dieses Königs ergeht auch an die in der Ferne, an die Heiden – uns.

Wenn unterm Jahr als Bahnlesung aus dem Buch Genesis gelesen wird, gibt es eine Perikope, in der es heißt: Als sie dann beim Essen saßen und aufblickten, sahen sie, daß gerade eine Karawane von Ismaelitern aus Gilead kam. Ihre Kamele waren mit Tragakant, Mastix und Labdanum beladen. Da ich mir zwar unter Laudanum, nicht aber unter Labdanum etwas vorstellen konnte und mir Tragakant auch kein Begriff war, hab ich beim ersten Vorbeikommen an dieser Lesung nachgeschlagen: alle drei Produkte werden zur Weihrauchherstellung benötigt.

Die christliche Tradition hat mancherlei Deutung für die Gaben an das neugeborene Kind, sogar die Zahl der Sterndeuter in der Ikonographie leitet sich von der Dreizahl der Gaben her: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Sicher ist, diese Gaben waren kostbar und es sind königliche Gaben für einen neugeborenen König und den Sohn Gottes.

Gold ist wegen seiner Reinheit und Beständigkeit geschätzt, es rostet nicht, verändert nicht die Farbe und ist von großem Wert. Seit alters her tragen es Könige, und wegen seiner symbolischen Bedeutung ist auch der Ring, der einen durch Gelöbnis oder Versprechen an etwas bindet, traditionell aus Gold. Weihrauch dient der Verehrung, es symbolisiert auch das Gebet, das wie Weihrauch zu Gott aufsteigt. Sein Wohlgeruch erfüllt das Haus Gottes. (Sakristeien, Kreuzgänge und andere Orte, an denen oft Weihrauch verwendet wird, nehmen mit der Zeit etwas von dem unverwechselbaren Duft des Weihrauchs an.)

Myrrhe ist ein süßes Harz, das man sowohl zum Räuchern nehmen als auch mit Öl zu einem Balsam mischen konnte. In den Ostkirchen wird es als Myrrhon zur Salbung verwendet wie bei uns der Chrisam. Seit alters her wird Myrrhe zum Einbalsamieren genommen, und auch das Evangelium berichtet, daß nach dem Sabbat nach Jesu Kreuzigung die Frauen zum Grab kamen, um den Leichnam damit zu salben. Das Geschenk von Myrrhe ist wie auch die Salbung der Füße Jesu durch jene Frau ein unmittelbarer Verweis darauf, daß es der Christus ist, der Gesalbte.

Die Tradition der Kirche hat neben der Kostbarkeit dieser Gaben immer auch angenommen, daß diese ihrer tieferen Bedeutung wegen gebracht wurden: Gold, weil der Herr ein König war, Weihrauch seines Hohepriestertums wegen, und Myrrhe als Vorausschau seines Leidens und Todes.

Wenn wir Weihnachten feiern, kommen nicht nur die Sterndeuter – die Tradition hat aus ihnen Könige gemacht, wohl der Kostbarkeit ihrer Gaben wegen, aber auch weil hier die Könige der Erde dem wahren König huldigen –, sondern auch wir zur Krippe und staunen. Darob staune, was da lebt, also will Gott werden Mensch. Das Staunen über dieses Wunder der Menschwerdung Gottes kann, glaub ich, in Ewigkeit nicht aufhören. Was kann ich Jesus als Gabe bringen? Es mag bei jedem etwas anderes sein, manchmal denke ich, es gibt auch solche, bei denen das Staunen, Suchen und die Versenkung in dieses Wunder, mithin die Anbetung selbst zur Gabe wird – und weil ich nun nichts weiter kann, bleib ich anbetend stehen.

1 Kommentar:

Georg F. Schimmerl hat gesagt…

der letzte Satz ist aus meinem absoluten Lieblingsweihnachtslied- ja so ist es.

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