Donnerstag, 3. Januar 2013

Der Name Jesu und die vielen Namenlosen

Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi, des Nazoräers, geh umher! (Apg 3,6) – Der Name Jesu Christi ist ein Wort von großer Kraft, denn die Jünger tun Wunder in seinem Namen. Zugleich ist er auch das wohl kürzeste Glaubensbekenntnis, das wir haben: Iesous Christos Theou hyios soter – Jesus Christus, Sohn Gottes, Erlöser. Nicht nur im Jesusgebet der Ostkirche ist der Name Jesu selbst sogar Gebet.

Wenn Jesus in den Evangelien jemanden mit seinem Namen anspricht, so drückt dies immer eine besondere Beziehung aus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? – Maria hat das bessere Teil erwählt, das soll ihr nicht genommen werden. – Lazarus, komm heraus! – Weil du mich gesehen hast, Thomas, glaubst du. Und als Jesus ihren Namen nennt, wird Maria Magdalena sehend, Thomas glaubend, und Lazarus kehrt ins Leben zurück.

Nicht nur der Name Jesu – Gott rettet –, auch der Name des Menschen verbindet sich mit seiner Würde und seinem einzigartigen, innersten Sein. Früher sagte man, jemand wäre auf seinen Namen getauft. Gott ruft den Menschen bei seinem Namen. Menschen, die unter entwürdigenden Bedingungen geknechtet und auch ermordet wurden, hat man versucht, ihren Namen zu nehmen und durch eine Nummer zu ersetzen. Wenn ich etwas mit seinem (richtigen) Namen nenne, zeige ich an, daß ich es in seiner Würde anerkenne. Sogar Tieren, die wir lieben, geben wir Namen und sie hören darauf. (Manchmal frage ich mich, ob wohl die Tiere, die ein Konzept von Sprache haben, füreinander Namen haben und wie diese wohl sein mögen.)

Gestern las ich zufällig über eine Anfrage an das britische Parlament, die von dem Katholiken David Lord Alton gestellt wurde. Aus ihrer Beantwortung geht hervor, daß seit 1991 allein in Großbritannien von insgesamt 3,6 Millionen zur Einpflanzung in die Gebärmutter vorgesehenen Embryonen 1,7 Millionen vernichtet wurden. Die Meldung, so erschreckend sie ist, ist etwas dürr, so kann man nur aus den Zahlendifferenzen mutmaßen, daß ein Teil der mehr als 3 Millionen Embryonen noch tiefgefroren ist. 1,7 Millionen Embryonen – Namenlose, auf Vorrat Erzeugte, jeder von ihnen mit dem Potential, in einer Gebärmutter zu einem atmenden, fühlenden Menschen heranzuwachsen. Manchmal denke ich derartige Handlungsweisen wären, wie auch anderes Unrecht – etwa Kinder im Mutterleib zu töten – so nicht möglich, wenn diese einen Namen gehabt hätten. Vielleicht hat Gott für diese Kinder den Namen, den Menschen ihnen nicht geben wollten.

Kommentare:

Tiberius hat gesagt…

Die Stasis, das Existieren ohne zu leben, in Kühlkammern als Überschuss millionenfach, macht mich schaudern. Ein mulmiges Gefühl stellt sich ein, wenn ich daran denke, dass so etwas wohl nicht ungesühnt bleiben kann.

Braut des Lammes hat gesagt…

Ja, das stimmt. Ich hatte auch überlegt, ob es wohl bewußt so ausgedrückt wird, daß man erst zu Schreibstift und Papier greifen muß, um festzustellen, da ist doch eine nicht unerhebliche Differenz, die sich aus der Gesamtzahl erzeugter Embryonen, abzüglich derer, die eingepflanzt wurden und abzüglich der vernichteten Embryonen noch übrig bleibt. Die schieren Zahlen machen schaudern.

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