Dienstag, 15. Januar 2013

…all unsere Hoffnung steht zu dir – der Europäische Gerichtshof urteilt

Die beim Bodenpersonal von British Airways angestellte koptische Christin Nadia Eweida darf bei der Arbeit ein Kreuz sichtbar über der Uniform tragen. Dies stellte der Europäische Gerichtshof heute ausdrücklich fest und gab der Klägerin damit recht, nachdem ein britisches Gericht 2010 anders entschieden hatte.

Mit diesem Urteil ist die Religionsfreiheit ausdrücklich gestärkt worden, ich freue mich darüber, auch deshalb, weil die BA zuvor zwar argumentierte, das Tragen eines Kreuzchens an einer Halskette über der Uniform beinträchtige das Image der Fluglinie, zugleich aber nichts daran gefunden hatte, daß Angestellte etwa einen Turban tragen. Inwiefern das eine „unerlaubter Schmuck“ sei, das andere aber keine Verletzung der Kleiderordnung der Fluggesellschaft darstelle, darüber hatte der Gerichtshof für Menschenrechte heute zu befinden. Das sichtbar getragene Kreuz stellt keine Verletzung der Rechte anderer dar. Sowieso kann meines Erachtens Freiheit eigentlich immer nur die Freiheit zu und nicht die Freiheit von bedeuten. Die Klägerin freut sich über den Ausgang des Verfahrens und sieht ihre Auffassung bestätigt, daß Christen sich nicht dessen schämen müssen, daß sie Christen sind.

Der SPiEGEL will es „auf eine einfache Formel“ bringen und langt in gewohnter Manier wieder einmal direkt daneben, indem er Eweidas Fall mit einem anderen in einen Topf wirft, der aber nicht vergleichbar ist und in dem auch nicht im mindesten vergleichbar argumentiert wurde (das Gericht hat diesen, wie auch mehrere andere verhandelte Fälle meiner unmaßgeblichen Meinung nach zu Recht abschlägig entschieden.)
Beide Frauen könnten zugleich kaum für sich beanspruchen, durch ein Kruzifix-Verbot in der Ausübung ihrer religiösen Rechte beeinträchtigt zu werden: Es gibt kein christliches Gebot, das die Gläubigen zum Tragen von Kruzifixen verpflichtet.
SPON ist immer wieder einigermaßen erstaunlich: meines Wissens gibt es auch kein Gebot, das Männer verpflichtet, Turbane zu tragen, und doch fand zumindest die British Airways überhaupt nichts dabei. Auch teile ich nicht die Auffassung, das Verbieten des Tragens eines Kreuzes stelle keinen Eingriff in die Religionsausübung dar, zumal hier die Angehörigen eines Bekenntnisses gegenüber denen eines anderen eindeutig benachteiligt wurden.

Warum die Deutsche Welle die Berichterstattung über dieses Urteil mit Das Kreuz mit dem Kreuz übertiteln muß, bleibt ihr Geheimnis. Ists die schlichte Freude an Wortspielen, wenn auch an blöden? Denn, wenn überhaupt etwas ein Kreuz ist, dann ist es nicht das Kreuz mit dem Kreuz, sondern das Kreuz mit denen, die ständig zum Ausdruck bringen müssen, daß sie das Kreuz für eine Torheit oder ein Ärgernis halten und zwar auch bei denen, denen es nicht Torheit oder Ärgernis ist, sondern Zeichen des Heils und Planke die uns rettet.

Dein Kreuz, o Christe, grüßen wir; all unsre Hoffnung steht zu dir.

Kommentare:

Gorgasal hat gesagt…

Was den Turban angeht: Sikhs (um diese geht es bei BA höchstwahrscheinlich) haben zwar keine *Verpflichtung*, einen Turban zu tragen, aber diese Tradition hat praktisch verpflichtenden Charakter.

Braut des Lammes hat gesagt…

Persönlich wäre mir das auch einerlei, ob einer einen Turban trägt, weil er meint, die Tradition verpflichte ihn dazu: ich hatte das Beispiel angeführt, weil es mir (und dem Gericht) als eklatanter Fall einer Ungleichbehandlung auffiel.

Das Tragen eines Kreuzes würde ich sogar aus dem Missionsbefehl herleiten. Die Einsortierung des einen, noch dazu viel augenfälligeren, als noch völlig in Ordnung (weil von der Tradition geboten), während das andere „unerlaubten Schmuck“ (und sonst gar nichts?) darstellt, erscheint im besten Fall völlig willkürlich – und war daher zu korrigieren, jedenfalls stellte es einen diskriminierenden Eingriff dar.

Eugenie Roth hat gesagt…

Endlich mal eine gute Nachricht. - Und jetzt müsste dieser Paragraph auch in Irak, Saudi Arabien etc. gelten ...

Braut des Lammes hat gesagt…

Daß es wunderbar wäre, wenn sie ohne Verfolgung einfach nur leben könnten, steht auf einem ganz anderen Blatt.

In dem obigen Fall war ich aber froh, daß in einem christlich geprägten Land das Recht zum Tragen eines Kreuzes bejaht und gestärkt wurde.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...