Freitag, 21. Dezember 2012

O Morgenstern


O Morgenstern,
Glanz des unversehrten Lichtes,
der Gerechtigkeit strahlende Sonne:
o komm und erleuchte,
die da sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes!

Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wußten nicht, daß es Jesus war. Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es. Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! (Joh 21, 3-7)

Das lateinische oriens wird auf verschiedene Weise übertragen: Aufgang, Morgenstern, Glanz des ewigen Lichtes und Sonne der Gerechtigkeit (splendor lucis aeternae, et sol justitiae). – Es gibt in der Nacht einen Punkt, an dem die Dunkelheit am tiefsten ist und auch das Leben auf seinen niedrigsten Pulsschlag gesunken ist. Mancher, der krank und gebeugt ist, mag mit Hiob denken: Lege ich mich nieder, sage ich: Wann darf ich aufstehn? Wird es Abend, bin ich gesättigt mit Unrast, bis es dämmert. Jochen Klepper hat den Gedanken daran, daß der Leidende selbst an diesem Punkt nicht verlassen ist, in seinem wunderbaren Lied Die Nacht ist vorgedrungen zum Ausdruck gebracht: Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein, der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.

Seit alters her wenden sich die Christen bei der Feier der Eucharistie nach Osten (ad orientem), von wo der Herr erwartet wird.

Beim Gedanken an den Glanz des ewigen Lichtes und die Sonne der Gerechtigkeit sind mir die Jünger Jesu in den Sinn gekommen, die die ganze Nacht vergeblich gefischt haben, und in der Morgendämmerung erscheint Jesus am Ufer des Sees Tiberias – es ist der Herr. Der so schmerzlich Vermißte hat alles, was die Jünger brauchen: Fisch und Brot, Wärme und Licht. Petrus, der ihn an einem anderen Kohlenfeuer verraten hat, erneuert seine Liebe zum Herrn. In jeder Eucharistiefeier wenden wir uns dem Glanz dieses ewigen Lichtes zu, erneuern unsere Liebe zu ihm, der für uns Mensch geworden ist, sich uns selbst zur Speise darreicht.

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Bild: der Morgenstern und der Aufgang beim Venustransit 2012. Foto: Stefano de Rosa

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