Dienstag, 18. Dezember 2012

Die Kirche weihnachtlich schmücken – wie früh ist zu früh?

Im letzten Jahr dachte ich mir in Bezug auf dreieinhalb Wochen (bei genauerem Hinsehen waren es sogar nur drei), lächle und sei froh, denn es könnte schlimmer kommen. Und ich lächelte und war froh – und es kam schlimmer. Zuerst mit einem Adventskranz, von dem ich vorher eigentlich ein Foto einstellen wollte, weil er früher™ immer wirklich hübsch war, zu dem mir aber in diesem Jahr nur Adjektive einfielen, die irgendwie auf „-süchtig“ herauskamen, um nur schwindsüchtig und magersüchtig zu nennen. Also, wer hat denn da wieder an einer Handvoll Reisig gespart und warum gerade an dieser Stelle? Seit gestern vormittag sind nun Bäume und Krippe aufgestellt. Während Baum und schmückendes Tannengrün nun eine Woche vor sich hintrocknen (dafür nadelt der Adventskranz mangels Masse ja so gut wie gar nicht) fragt man sich angesichts der Krippenfiguren, was will man uns denn bitte damit sagen?

Daß dieser verfrühte Aufzug schon das zweite Jahr in Folge zu blödsinnigen Einlagen geführt hat, wie der Nachfrage einer Dame, wieso denn Baum und Krippe noch nicht beleuchtet seien, überall woanders wäre das schließlich der Fall, und sie wolle sich beschweren, nimmt mich nicht einmal wunder. Und wenn der Aufbau der Krippenfiguren wirklich an so randständige Bedingungen geknüpft ist wie die, daß Herr Hupfelpupf und Frau Itzenplitz „vor dem Fest“ leider nur noch an diesem Tag Zeit dafür haben, wäre vielleicht zu überlegen, ob man den Kirchenschmuck nicht vielleicht lieber mit Leuten bewerkstelligt, die es zu einer Zeit, die näher am Fest liegt, möglich machen können. Solche gibt es sicherlich und eine Krippenfigur kann fast jeder schleppen, wieso eigentlich nicht am 23. abends oder am 24. morgens? Anderswo haben wir das mit sehr viel weniger „Man- (oder Woman)power“, dafür aber mit Leuten, denen die Liturgie am Herzen lag, immer geschafft.

Das Bewußtsein, daß der Heiligabend bis zur Vesperzeit eigentlich ein Arbeitstag ist, hat sich außer in Klöstern und bei meinem Vater offenbar nur noch im Bewußtsein derer erhalten, die morgens noch schnell ins KadeWe müssen, um dort einen Karpfen einen schnellen Tod sterben zu sehen. Anderswo regt man sich über die verfrühte Weihnachtsdekoration auf, im Hause Gottes kann man es offenbar aber auch nicht richten. Entschuldigt, das mußte einfach raus. – Um die Frage oben zu beantworten: der Tag, an dem wir die erste O-Antiphon singen, ist jedenfalls zu früh.

Kommentare:

kalliopevorleserin hat gesagt…

Ich freue mich jedes Jahr wieder, daß am ersten Advent in meiner Heimatgemeinde in Berlin-Friedenau ein Stern über dem Eingang hängt. Der wandert mit jedem Sonntag näher zum Altarraum. Und zu Heiligabend steht er über der Krippe - die immer erst ganz spät aufgebaut wird, jetzt definitiv noch nicht! Ich kann nicht beschwören, daß sie immer erst am Heiligabend steht, aber vor dem 22. definitiv nie.

Braut des Lammes hat gesagt…

Das ist ja eine schöne Sitte, mit dem Stern! – Selber kann ich mich nicht erinnern, schon mal vor dem 22. geschmückt zu haben und da war bis dahin auch kein Gottesdienst mehr am nämlichen Ort.

Anonym hat gesagt…

Da ich drei Pfarren betreue habe ich heute mit der Weihnachtsdeko begonnen (nur Samsag und Sonntag gottesdienst vor dem heiligen Abend)
Der Adventkranz wird am Heiligen Abend nach der "Roratemesse" (ich weiß ist eigentlich keine - aber in der Früh) heruntergeholt.
In einer Pfarrkirche steht die Krippe ohne Figuren, in der anderen wird seit dem 1. Adventsonnteag umgestellt - Verkündigung - Heimsuchung - Herbergsuche - ...
Das gehört für mich auch zum Advent.
Liebe Grüße aus Salzburg
Jürgen

Braut des Lammes hat gesagt…

Und noch eine schöne Sitte, mit dem Krippenumstellen, die ich noch gar nicht kannte. Vielen Dank für die Grüße aus Salzburg, und willkommen auf dem Blog, Herr Pfarrer. Bei drei Pfarren ist es natürlich auch ein schönes Stück Arbeit, aber, wie es sich liest, sehr schön gelöst.

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Man könnte ja die Krippe mit einem Hungertuch verhängen und alles vom ersten Advent bis Ostern mit temporären Modifikationen stehen lassen, schließlich verbindet die violette Farbe ja sowieso schon den Advent mit der Fastenzeit ... ;-)

Braut des Lammes hat gesagt…

Die Idee mit einem Tuch ist mir sogar schon gekommen, auf das Hungertuch bin ich indes noch nicht verfallen. Bis Ostern dürfte das Tannengrün dann allerdings doch ein wenig zu sehr nadeln… ;7

Psallite Deo hat gesagt…

Bei uns werden die Krippen auch vor dem 1. Adventssonntag aufgestellt und mit adventlichen Szenen gestaltet (Johannes der Täufer, Maria und der Engel o.ä.), das finde ich eigentlich ganz gut, denn so hat man nicht kur vor Weihnachten so ganz viel Arbeit, sondern es verteilt sich mehr. In einem Jahr, als Ostern sehr früh lag, wurde im Altenheim die Landschaft gar nicht erst abgebaut, sondern nur die Figuren rausgenommen, und das wurde dann eine Fastenkrippe, ich weiß gar nicht mehr, ob es bis Ostern ging...

Die Weihnachtsbäume standen dieses Jahr in einer Kirche leider schon am letzten Sa abend (der Küster hatte das für Di geplant, aber die ehrenamtlichen Helfer wollten leider nicht warten). Mich persönlich stören die Weihnachtsbäume eigentlich immer, wenn sie vor dem 24. stehen - klar muß man schauen, wann man Helfer hat und ein bißchen kompromißbereit sein, aber vor dem 3. Adventssonntag ist definitiv zu früh für meinen Geschmack.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...