Freitag, 14. Dezember 2012

Die dunkle Nacht und der Morgenstern – zum Fest des hl. Johannes vom Kreuz

El Grecos Blick auf  die Stadt Toledo
zu der Zeit des hl. Johannes vom Kreuz
(El Greco und der Heilige waren fast gleichaltrig)
In einer winzigen Zelle von etwa zwei mal drei Metern im Ordensgefängnis von Toledo ungerechterweise von den eigenen Mitbrüdern eingekerkert und schwer mißhandelt, war es dem hl. Johannes vom Kreuz möglich, seinen geistlichen Gesang zu schreiben, neunundreißig Verse, die zugleich anrührend wie auch Klage sind: es ist die Klage der Seele, die Gott sucht, aber er scheint im Dunkel der Nacht an der Tür vorübergegangen. Die Stimme der Braut, die den Bräutigam sucht, aber nicht mehr finden kann: Sagt ihm, daß ich krank bin, leide und sterbe.
Ich öffnete meinem Geliebten: Doch der Geliebte war weg, verschwunden. Mir stockte der Atem: er war weg. Ich suchte ihn, ich fand ihn nicht. Ich rief ihn, er antwortete nicht. Da fanden mich die Wächter bei ihrer Runde durch die Stadt; sie schlugen, sie verletzten mich. Den Mantel entrissen sie mir, die Wächter der Mauern. Ich beschwöre euch, Jerusalems Töchter: Wenn ihr meinen Geliebten findet, sagt ihm, daß ich vor Liebe krank bin. (Hld 5,6)
In dieses Gefängnis hatte man den Heiligen im Dezember 1577 nach seiner Gefangennahme in Avila von dort aus geführt, durch unwegsame Landschaft, mit verbundenen Augen. Am Ziel erwarteten ihn eine winzige Zelle, die eigentlich eine Vorratskammer war, mit einem ebenfalls winzigen Fenster weit über Augenhöhe, und mehrmals täglich Prügel durch die eigenen Mitbrüder. Wäre er nicht eines Tages geflohen, man weiß nicht, wie es ausgegangen wäre. Das Beispiel des Heiligen zeigt vielleicht, daß man nicht jedes Unrecht beliebig lang erdulden muß – es muß nicht etwas allein schon deshalb das Kreuz sein, weil es widerwärtig ist. Allein, daß der Heilige es aushalten konnte und dabei weder bitter noch irre wurde, zeigt, wie sehr ihm Gott auch in der Dunkel der Nacht tatsächlich nahe war.
Wo hast du dich verborgen,
Geliebter, und ließest mich mit Seufzen?
Wie ein Hirsch entflohst du,
hattest mich verwundet;
ich ging hinaus und schrie nach dir, doch du warst fort. 
Hirten, die ihr dort
durch die Schafspferche zur Höhe geht,
wenn ihr durch gutes Geschick ihn seht,
den ich am meisten liebe,
sagt ihm, daß ich krank bin, leide und sterbe. 
Meine Liebe suchend,
gehe ich durch diese Berge und Auen;
ich pflücke keine Blumen
noch fürchte ich die wilden Tiere,
und überschreiten werde ich Wehre und Grenzen. (geistlicher Gesang, 1-3)
Daß es dem hl. Johannes möglich war, inmitten solcher Umstände so etwas zu schreiben, ist zugleich wunderbar wie ein ernsthafter Fingerzeig für alle, die sich intensiv auf die Suche nach Gott und das Leben mit ihm einlassen. Überhalb der dunklen Nacht der Seele strahlt ein Stern, der ihm Wegweiser ist. Sieht man ihn wieder, weiß man, daß er immer da war, man hat ihn nur zwischendurch nicht gesehen.

Kommentare:

Johannes hat gesagt…

Mein Lieblingsheiliger und mein Lieblingsgedicht! Sei geknutscht für diesen wundervollen Text! (Öh, darf man das überhaupt?")

Braut des Lammes hat gesagt…

In allen Ehren und rein virtuell geht das schon mal ausnahmsweise ;), danke.

jeannedarc hat gesagt…

der hl Johannes vom Kreuz ist auch einer meiner absoluten Lieblingsheiligen. Vor einigen Jahren bekam ich ihn als Jahresheiligen gezogen und habe mich daraufhin intensiv mit ihm beschäftigt. Von daher kommt wohl auch meine Vorliebe für den Karmel.
(natürlich auch wegen der nicht minder berühmten anderen Hl. des Karmel)Obwohl diese Begeisterung für den Karmel zwischenzeitlich etwas abgekühlt ist, denn ich machte die Bekanntschaft einiger Karmeliten und die waren mir viel zu verweltlicht.

Braut des Lammes hat gesagt…

Es kommt vielleicht darauf an, wen man trifft. Die Ordenspriester, die ich kennengelernt habe, waren sehr fromm.

Der hl. Johannes gefällt mir auch sehr gut, etwa sein Bergwerksvergleich heute aus der Matutin.

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