Sonntag, 16. Dezember 2012

Schiff der Verdammten − Dark Star

kultige Spezialeffekte der 70er Jahre −
die Dark Star im Magnetsturm
Daß 3sat John Carpenters Dark Star im Themenschwerpunkt „Endzeit“ zeigt, nimmt mich etwas wunder, ist doch die Dark Star viel eher ein Narrenschiff oder auch das Schiff der hochdepressiven Verdammten:

Pinback, der eigentlich nicht Pinback ist und daher ganz woanders sein sollte und auch wollte; Boiler, der die Dark Star und deren Mission als überdimensionales Ballerspiel nimmt (weshalb auch die fünfundneuzigprozentige Wahrscheinlichkeit für intelligentes Leben im Pferdekopfnebel nicht die Bohne interessiert, man will lieber weiterballern); Talby, der sich zunehmend in der Weite des Weltalls und seiner Wunder zu verlieren scheint, und schließlich der Kapitän des Raumschiffs, der nicht nur depressiv, sondern auch noch tot und eingefroren ist. Auf Doolittle kann ich mich außer seiner Vorliebe fürs Surfen grad nicht so recht besinnen, wahrscheinlich war er auch irgendwie merkwürdig, wie sollte er auch nicht?

Kritiker haben diesen Film als Persiflage auf Kubricks 2001 genommen. Ich muß sagen, ich mich bei dieser Persiflage zu jeder Zeit ungleich viel besser unterhalten als bei 2001. Letzteren Film hält man in seiner unendlichen Schwerfälligkeit und Langweiligkeit wahrscheinlich nur unter dem Einfluß bewußtseinsverändernder Substanzen aus  − so weit wollte ich dann doch nicht gehen.

Dark Star ist zwar todkomisch, (als ich vor Jahren mit einem Freund über die Szene mit dem Aufzugsreinigungsprogramm sprach, haben wir beide Tränen gelacht), es ist aber meistenteils das abgründige Lachen der Verzweiflung, wenn man etwa an die Art denkt, wie mit den beiden offenbar unterwegs aufgetanen Aliens an Bord − ein Lichtspiel und ein Wasserball mit Krallen − umgegangen wird. Beide sind nicht weniger Gefangene an Bord als die Besatzung selbst (seit zwanzig Jahren!), darum wundert es auch nicht weiter, daß der Wasserball sich die Zeit damit vertreibt, seinen Wärter zu quälen, der ihm daraufhin mit einem Besenstiel und einem Betäubungsgewehr den Garaus macht. Faszinierend sind die Verhandlungen mit der Bombe Nr. 20, die schließlich ein wenig zuviel Philosophie lernt und daraus die entsprechenden Konsequenzen zieht, und die Art, wie sich für Doolittle und Talby ihre Träume erfüllen − allerdings auf eine Art, die irgendwie an die Geschichte mit der Affenpfote erinnert.

Wer mag, 3sat zeigt Dark Star heute um 23 Uhr, der Film ist unbedingt empfehlenswert.

Kommentare:

Johannes hat gesagt…

Einer meiner Lieblingsfilme. Aber die guten Filme kommen IMMER um Mitternacht.

Braut des Lammes hat gesagt…

Ja, leider, wie überhaupt die Tendenz dahin geht, den guten alten Spielfilm nächtens zu zeigen, wenn man eigentlich schlafen sollte. Silent running gestern um 2:40 Uhr war mir dann auch zu spät. Schade eigentlich.

Admiral hat gesagt…

Dankedankedanke. Gerade noch rechtzeitig gelesen. Aufnahme wird programmiert.

Braut des Lammes hat gesagt…

Immer gerne, ich hab das selbst glücklicherweise völlig en passant gesehen (isch 'abe gar kein Fernsehprogamm)

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...