Dienstag, 4. Dezember 2012

Dann wohnt der Wolf beim Lamm

Die Liturgie des Dienstags der ersten Woche im Advent ist einfach wunderbar. Als ich vor Jahren als neue Ministrantin eines Adventssonntags die Lesung aus Jesaja zugeteilt bekam, hab ich gestrahlt. Ein Küster zum anderen: „Ich wußte, daß ich damit bei ihr punkten kann!“ In der Tat ist das natürlich ein wunderschönes Bild, gerade, wenn man Tiere liebt und den Wolf genauso gern mag wie das Lamm (und gegen die Natter hab ich eigentlich auch nichts, es wäre eher die Frage, wer von uns beiden mehr Angst vor dem anderen hat).

Tiere, die einander sonst aus dem Weg gehen, die sich fürchten oder sich sogar gegenseitig auffressen, friedlich vereint. Ein Bild, das uns auch aus legendarischen Überlieferungen der Nacht in der Christus geboren wurde, vertraut ist. Die Wölfe, die die Schafe der Hirten nicht reißen, der Stab des Hirten, der den Wolf nicht schlagen will. Die ganze Natur verharrt in tiefer Dunkelheit und Stille, die den Kaiser Augustus im fernen Rom so ergreift und in Ehr-Furcht versetzt, daß er den Altar, den er sich selbst hat errichten lassen wollen, einem unbekannten Gott errichtet und ihn Ara coeli − Altar des Himmels − nennt.

Die Prophezeiung Jesajas führt einen auf einer Straße des Wunderbaren:
Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist.
Wann wird das sein? Wann werden die Menschen nichts Böses mehr auf Gottes heiligem Berg tun und das Land erfüllt sein von der Erkenntnis des Herrn wie das Meer mit Wasser gefüllt ist? Vielleicht erst bei Christi Wiederkunft, aber wir müssen danach streben. Suche den Frieden und jage ihm nach, sagt der hl. Apostel Petrus. Manchesmal wünscht man sich wirklich, gerade in der Kirche und in unseren Gemeinden würde ein klein wenig mehr „dem Frieden nachgejagt“.

Sicher ist, daß die Geburt Jesu Christi das Leben aller Völker auf immer verändert hat und damit auch unser Maßstab und unser Streben, ihm ähnlich zu werden. Er hat nicht nach dem Augenschein gerichtet und nicht nach dem Hörensagen entschieden, wenn wir daran denken, wie er der Ehebrecherin begegnet ist oder dem Zöllner. Er hat den Pilatus mit dem Stock seines Wortes geschlagen. Er liebt die Hilflosen und Armen und die, die er „die Unmündigen“ nennt: In jener Zeit sprach Jesus:
Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja, Vater, so hat es dir gefallen.
Diese Worte Jesu sind reiner Lobpreis. Der Advent ist die Zeit, in der wir das Erbarmen und die Huld Gottes besingen, der sich den Unmündigen − uns − ein für alle Mal offenbart hat, indem er Mensch wurde wie wir.

Kommentare:

jos.m.betle hat gesagt…

Ich möchte gerne einmal wieder von Herzen Danke!! sagen für diesen Blog und Deine gute Arbeit! - Und manchmal bringen mich Deine Texte wieder näher zum Wesentlichen. Gottes Segen!

Admiral hat gesagt…

Die Sache mit Kaiser Augustus und seinem Altar interessiert mich jetzt doch. Hast Du da mehr Infos zu?

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Jetzt versuche ich mir gerade den "Stock des Wortes" vorzustellen. Mnachmal können selbst fehlerhafte Assoziationen ("Argumentationskeule") hilfreich sein, um sich dem Eigentlichen zu nahen ...

Braut des Lammes hat gesagt…

Der Altar des Augustus Octavian – Ara coeli, nicht Ara pacis – geht auf eine Vision zurück, die von ihm in jener Nacht berichtet wird. Die tiburtinische Sibylle soll ihm daraufhin in einer Deutung der Vision prophezeit haben, wer der wahre König sein würde, der an diesem Altar verehrt wird.

Selma Lagerlöf hat in ihrem Werk diese Legende aufgegriffen und endet:

Augustus aber erließ am nächsten Tage ein strenges Verbot der Absicht, einen ihm geweihten Tempel auf dem Kapitol zu bauen. Statt dessen errichtete er dort ein Sanktuarium für den neugeborenen Gottessohn und nannte es Himmelsaltar, Ara coeli.

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