Sonntag, 9. Dezember 2012

Das Wort in der Wüste

Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius; Pontius Pilatus war Statthalter von Judäa, Herodes Tetrarch von Galiläa, sein Bruder Philippus Tetrarch von Ituräa und Trachonitis, Lysanias Tetrarch von Abilene; Hohepriester waren Hannas und Kajaphas. Da erging in der Wüste das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias. (Lk 3, 1-2)

Es war im fünfzehnten Jahr der Regierung des Kaisers Tiberius – das Eingangswort des Evangeliums vom zweiten Adventssonntag erinnert mich ein wenig an das Martyrologium von Weihnachten, denn es ist ganz ähnlich aufgebaut und wie dieses Martyrologium verweist es letztlich auf denselben Zeitpunkt:

Im Jahr 5199 seit Erschaffung der Welt, da Gott im Anfang Himmel und Erde schuf,
im Jahr 2957 seit der Sintflut,
im Jahr 2015 seit Abrahams Geburt,
im Jahr 1510 seit Mose und dem Auszug des Volkes Israels aus Ägypten,
im Jahr 1032 seit der Salbung Davids zum König,
in der 65. Jahreswoche nach der Weissagung Daniels,
in der 194. Olympiade,
im Jahr 752 seit der Gründung Roms,
im 42. Jahr der Regierung des Oktavianus Augustus, da auf der ganzen Erde Friede war,
im 6. Weltzeitalter
Das Wort, das bei Gott war und das Gott selbst ist, kommt zu den Menschen. Alles in der Zeit strömt zu diesem Brennpunkt hin und nimmt als Strahlen von ihm her wieder seinen Ausgang.
Empfangen vom Heiligen Geist, neun Monate nach der Empfängnis, wurde er als Mensch zu Bethlehem in Juda aus Maria der Jungfrau geboren:
Die Geburt unseres Herrn Jesus Christus dem Fleische nach.
Gottes ewiges Wort kommt zu den Menschen und auch in der Wüste erging das Wort Gottes an Johannes, den Sohn des Zacharias. Der hl. Ambrosius, dessen Gedenktag wir gerade gefeiert haben, leitet daraus her, daß auf diese Weise die Kirche nicht von einem Menschen, sondern vom Wort Gottes selbst ihren Anfang genommen hat.
Jede Schlucht soll aufgefüllt werden, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, was uneben ist, soll zum ebenen Weg werden. Als vor Jahren in der Adventszeit zuhause ein morscher Stuhl am Schreibtisch in Zeitlupe unter mir zusammengebrochen ist (was krumm ist, soll gerade werden), hab ich einfach gelacht. Abseits von solchen situationskomischen Momenten sind die Worte des Propheten Jesaja aber ein wunderbares Bild des Verhältnisses zwischen Gott und dem Menschen. Der Abgrund an Sehnsucht zwischen Gott und mir wird durch das Kommen seines Sohnes aufgefüllt. Gott nimmt den Berg weg, von dem aus er noch zu Mose sprach und kommt zu mir herab, buchstäblich, indem er Mensch wird. Was an meinem Herzen krumm und uneben ist, soll gerade werden. Die Adventszeit bietet eine gute Möglichkeit dazu, das Krumme wieder gerade werden zu lassen und vielleicht auch manche Perspektive wieder zu begradigen, durch den Empfang der Sakramente. Nutzen wir sie.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Trachonitis klingt wie eine Luftröhrenerkrankung... :)

Mary

Huppicke hat gesagt…

Ich fand die ganze Geschichte um Johannes den Täufer immer sehr bewegend.
Er war ja jemand, der schon viel Einfluss gewonnen hatte, die Leute kamen, um sich mit Wasser taufen zu lassen. Und trotzdem bleibt er demütig, versteht sich nur als Wegbereiter, tritt bereitwillig beiseite für Jesus. Maßt sich nicht an evtl. selbst der Auserwählte zu sein.

In unseren heutigen Zeiten des Wettbewerbs ein Vorbild.

Aber noch viel mehr.
Schönen Adventssonntag!
Huppicke

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Im Jahr 5199 usw.

Puh, dachte bereits, Weihnachten wäre schon ausgebrochen ... :-)

Psallite Deo hat gesagt…

Das mit der Krankheit sagte der Kaplan bei uns gestern abend auch...

Braut des Lammes hat gesagt…

Das ist wahrscheinlich der einzige Fall, wo ich froh bin, daß ich nicht das Evangelium vortrage. Mit Schadrach, Meschach und Abed-Nego erwiderten dem König Nebukadnezzar komme ich ganz gut klar.

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