Mittwoch, 5. Dezember 2012

Ara coeli

Im Kommentarbereich zum Artikel Dann wohnt der Wolf beim Lamm wird nach dem Altar des Kaisers Augustus gefragt. Mir scheint, diese Frage ist einen eigenen kleinen Beitrag wert.

Der Altar des Augustus Octavianus in Rom, den dieser einem unbekannten Gott hat errichten lassen, geht auf eine Vision zurück, die von ihm in jener Nacht berichtet wird, in der Christus geboren wurde. Die tiburtinische Sibylle soll dem Augustus daraufhin in einer Deutung der Vision prophezeit haben, wer der wahre König sein würde, der an diesem Altar verehrt wird. Augustus ließ an dieser Stelle anstatt eines ihm geweihten Altares dann den Altar des Himmels errichten, Ara coeli. Heute erhebt sich dort, höchst angemessen, die der Gottesmutter geweihte Kirche Santa Maria in Aracoeli und die Vision des Augustus ist Wirklichkeit geworden. Der König, dem man am Altar huldigt, ist Jesus Christus.

In der christlichen Ikonographie wurde die Überlieferung von der Vision des Augustus, von der auch in der Legenda aurea berichtet wird, des öfteren aufgegriffen. Hier eine kleine Galerie:

Antoine Caron, um 1575
Paris Bordone, 1535
Stundenbuch Les très rich heures
des Herzogs von Berry
unbekannter venetianischer Meister, um 1500
der Altaraufsatz von Bladelin – gemalt von dem Flamen
Rogier van der Weyden – zeigt den knienden Augustus
und die Vision, die er hier gleichsam perspektivisch
 durchs Fenster erblickt (rechts die Sterndeuter,
deren Stern ebenfalls die Form des Kindes hat)
Bladelin-Altar, linker Flügel.
Dem Hofstaat bleibt das Geschehen unverständlich,
deshalb bleiben die Diener stehen
oder drehen ihm gar dem Rücken
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