Dienstag, 25. Dezember 2012

Allerheiligen der Märtyrer – Fest des hl. Stephanus

Das Fest des hl. Protomärtyrers Stephanus (Protomärtyrer, weil er der erste war) scheint die Weihnachtsoktav, kaum daß sie begonnen hat, zu unterbrechen, in manchen Jahren wirkt es wie ein kalter Wasserguß.  

Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist. Wie anders klingt dieser Ausruf als das friedvolle In manus tuas Domine der Komplet, mit der wir täglich beim Schlafengehen unseren Geist in Gottes Hände befehlen. Die Antiphon Vater, in deine Hände wie die blutroten Paramente nehmen uns mitten hinein in das Geheimnis des Karfreitags (die Xangbuchnummer 203 hebt dies sogar noch hervor). Auch stellen sie uns vor Augen, daß die Heiligen, die man die Comites Christi (Gefährten Christi) nennt, alle, bis auf den hl. Johannes den Evangelisten, Märtyrer sind. Der hl. Johannes wiederum hat vielleicht nur deshalb das Martyrium nicht erlitten, weil Jesus ihm unterm Kreuz die Sorge für die Gottesmutter anvertraute.

So nahe bei Christus ist offenbar weit weg von Gemütlichkeit, Kaminfeuern, Marzipandominosteinen und Spekulatius (womit ich nicht sagen will, daß an all dem etwas Schlechtes wäre). Der hl. Johannes vom Kreuz schreibt darüber:
Das Kreuz ist die Tür, durch die wir zu diesen Reichtümern der Weisheit Gottes eingehen können. Die Tür aber ist eng. Viele wünschen sich die Freude, zu der man durch diese Tür gelangt. Aber wenigen ist das Verlangen eigen, durch die Tür des Kreuzes einzutreten. 
Der Protomärtyrer Stephanus wie die Gefährten Christi laden zur Betrachtung darüber ein, daß, wer ganz nahe bei Christus sein, auch nahe bei seinem Leiden sein will oder manchmal sogar ohne den eigenen Willen nahe bei seinem Leiden ist wenn du aber alt geworden bist, wird ein anderer dich gürten und führen, wohin du nicht willst. Daran hat sich seit den Tagen des Stephanus wenig geändert und bei mancher traurigen Nachricht hat man das Gefühl, es war schon lange nicht mehr so brennend aktuell. Die vielen unbekannten Märtyrer unserer Tage, von den wir oft die Namen nicht kennen oder nicht einmal wissen, daß es sie gibt, vereinen sich mit dem Gedächtnis dieses ersten Märtyrers um Christi willen. So ist das Fest des hl. Stephanus eine Art Allerheiligen der Märtyrer.

Das Gedenken des hl. Stephanus und Weihnachten gehören doch eng zusammen (als vor einigen Jahren das Fest des Heiligen vom Fest der hl. Familie verdrängt wurde, fühlte sich das ganz komisch an) – der, der die Kirche ins Leben gerufen hat und jene, über deren Gebeinen sich die Altäre dieser Kirche gleichsam erhebt, deren Blut samengleich in die Erde fällt und sie fruchtbar macht für das Wort, das Fleisch geworden ist.

Als seine Feinde gegen ihn aufstanden, sprach und handelte Stephanus, erfüllt von Gnade, Weisheit und Geist. Und als sie ihn ungerecht vor Gericht brachten, erschien ihnen sein Gesicht wie das eines Engels. Im Angesicht des Todes vertraute er sich Gott an, gab buchstäblich seine Seele Gott zurück, er betete für seine Verfolger und verzieh ihnen. Feindseligkeit, Widerwärtigkeit und Verfolgung können auch uns begegnen; den Christen in der Verfolgung begegnen sie Tag für Tag: ihr werdet um meines Namens willen von allen gehaßt werden.

Über das Wesen der Kirche Christi erkennen wir viel, wenn wir das Leben und Sterben derjenigen betrachten, die den mystischen Leib der Kirche ausmachen, deren Glieder sie sind. Mit dem hl. Stephanus hoffen wir, als einzelne wie als Kirche Christi eines Tages dorthin zu gelangen, wo wir den Himmel offen sehen und Christus zur Rechten des Vaters stehen.

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