Sonntag, 2. Dezember 2012

Adventus Domini

Anderswo wird gefragt, ist der Advent eigentlich eine Bußzeit? Nun – ja und nein. Es ist die Zeit der ernsthaften Vorbereitung, die jedem der beiden Festkreise des Kirchenjahres vorangeht (weswegen auch beide ein je eigenes Stundenbuch haben). Nun ist also gerade alles mitternachtsblau geworden, Stundenbuch und Lektionare.

Obwohl ich das Prinzip, wo violette Paramente sind, steckt kein Gloria drin, ganz gut verinnerlicht habe, war ich diesmal doch froh, daß ich zuvor auf dem Liedplan „Gloria – entfällt“ gelesen hatte, sonst hätte ich mich mit dem Meßbuch womöglich leicht verspätet. So sehr hängen Herz und Sinn an der freudigen Eröffnung mit dem alten Lied Macht hoch die Tür: Ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich – ebenfalls ein Lied, das Christus, den König besingt, und so gibt ein Kirchenjahr das Licht des Glaubens weiter an das neue.

Daß „in der Welt“ diese Vorbereitungszeiten in einem Ausmaß unterzugehen scheinen, daß man zuweilen das Gefühl hat, das Fest würde vor dem Fest gefeiert, anstatt nachher, ist schade. Indes ist es wohl auch nicht die Vorbereitungszeit der Welt und es nützt nichts, sich als Katholik über Hark, the herold angels sing am Volkstrauertrag und leergefressene Schokoladenadventskalender am Andreastag zu grämen. Von letzterem Adventskalender habe ich ein Foto, er lehnte traurig auf einem Papierkorb, es hätte sich angeboten, es unter dem Label O tempora… zu verbloggen, dann hab ich es gelassen – wozu? Wir können nicht die Gesellschaft als solche, die sichtlich dem Kulturbanausentum entgegenstrebt, und den Einzelhandel ändern, sondern nur uns selbst vornehmen, es anders zu machen.

Die Liturgie hat ihren eigenen Adventskalender und dieser ist nicht am ersten Tag oder noch davor schon leer, er reicht bis zum glanzvollen Ende der Adventszeit: Nun hat sich alles erfüllt, was der Engel der Jungfrau Maria gesagt hat. So kam heute am ersten Türchen des kirchlichen Adventskalenders heraus:
Herr, unser Gott
alles steht in deiner Macht;
du schenkst das Wollen und das Vollbringen.
Hilf uns, daß wir auf dem Weg der Gerechtigkeit
Christus entgegengehen
und uns durch Taten der Liebe
auf seine Ankunft vorbereiten,
damit wir den Platz zu seiner Rechten erhalten,
wenn er wiederkommt in Herrlichkeit.
Herr, unser Gott, du schenkst das Wollen und das Vollbringen – die Adventszeit ist ein Weg, der uns geschenkt ist. Vom hl. Aelred von Rielvaux haben wir heute in der zweiten Nokturn gehört: Jetzt ist die Zeit, liebe Brüder, das Erbarmen und die Huld Gottes zu besingen. Denn es ist Advent des Herrn, der war und der kommen wird, des Allmächtigen. Der Advent ist die Zeit, in der wir das Erbarmen und die und Huld Gottes besingen – schöner kann man es nicht sagen. So fährt der hl. Aelred fort:  Da deine Güte bei denem ersten Kommen so groß war, will ich dir singen, Herr. Erbarmen war es, daß du Mensch wurdest, unsere Schwäche auf dich nahmst. Alles entströmte dem Quell deiner Barmherzigkeit.

Die Adventszeit lädt uns ein, unser Haupt zu erheben – was für eine wunderbare Antiphon, nebenbei bemerkt, ohne sie ist für mich nicht Advent – unseren Blick auf den Stern zu heften und ihm zu folgen, der in unsern Herzen bereits aufgegangen ist, Christus, dem wahren Morgenstern.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern dieses Blogs eine gesegnete und gnadenreiche Adventszeit!

Kommentare:

jeannedarc hat gesagt…

Also, ich habe mich am Sa. Nachmittag riesig gefreut, als ich das blaue Stundenbuch hervorholte und konnte es kaum glauben: es ist wieder Advent!! Ich finde es schön und tröstlich dass uns jedes Jahr wieder ein neuer Advent geschenkt wird und wir uns so, immer wieder neu, auf sein Kommen vorbereiten können. So wünsche auch ich allen eine gesegnete und gnadenreiche Adventszeit.

Zagorka hat gesagt…

Liebe Braut,

auch von mireine schöne und fruchtbare Adventszeit! Und danke für's Erinnern an "..Du schenktst das Wollen und das Vollbringen.."

FPA hat gesagt…

Auch von mir einen gesegneten Advent! Danke für die tollen Gedanken, die mich jetzt durch diesen Tag und die Adventszeit begleiten.

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