Dienstag, 18. Dezember 2012

3. Woche im Advent – der Herr ist nahe

Etwas verspätet zum 3. Adventssonntag: über den Lesungen sind meine Gedanken ins Wandern geraten. Aus irgendeinem Grund fällt mir zu Gaudete regelmäßig die wunderschöne Lesung des Apostels Freut euch im Herrn allerwege zu, und wie ich so am Ambo stand, fragte ich mich beim Lesen ein wenig, wie man das gerade in solchen Tagen den Menschen zurufen soll, denen angesichts der Ermordung so vieler unschuldiger Kinder und ihrer Lehrerinnen womöglich eher danach zumute wäre, das Stabat mater anzustimmen.

Andererseits, vergegenwärtigen wir uns, aus welcher Situation heraus der Apostel das geschrieben hat – eingekerkert. Und doch schreibt er: Freut euch! und Eure Güte werde allen Menschen bekannt, der Herr ist nahe. Offenbar hat auch er sich dem Herrn nahe gefühlt, vielleicht, weil er dachte, daß er ihn bald so schauen wird, wie er es beschrieben hat: von Angesicht zu Angesicht, nicht mehr wie durch einen dunklen Kristall; vielleicht, weil ihm Gott in der Dunkelheit des Gefängnisses (die im übertragenen Sinne kein Kerker aus Stein zu sein braucht) nahe war. So können auch die, die sich im Dunkel fühlen oder tatsächlich im Dunkel sind, sich darauf stützen, daß Gott ihnen nahe ist, sie nicht allein läßt in der Dunkelheit.

Wenn wir in den nächsten Tagen die Antiphon O Schlüssel Davids singen, in der es heißt, o komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fessel des Todes!,  werde ich an die Menschen denken, die gerade jetzt in der Finsternis sitzen und den Schatten des Todes auf sich spüren.

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