Samstag, 10. November 2012

Wir haben einander so sehr geliebt – sel. Elisabeth von der Dreifaltigkeit

Am 30. Oktober 1906 drückte eine junge Karmelitin auf der Krankenstation des Karmels von Dijon-Flavignerot ihr Profeßkreuz ans Herz, mit den Worten: „Wir haben einander so sehr geliebt.“ Am Abend dieses Tages verfiel sie in Krämpfe, am Allerheiligenfest empfing sie die Kommunion ein letztes Mal. Der Konvent versammelte sich an ihrem Bett und sie bat jede von ihnen mit bewegenden Worten um Verzeihung für das, was sie ihnen möglicherweise an Unrecht zugefügt hatte, ebenso vergab auch sie ihren Mitschwestern alles etwa Erlittene.

Am Morgen des 9. Novembers 1906 vollendete sich das, was ihre Priorin „einen wahren Aufstieg zum Kalvarienberg“ genannt hatte: Sr. Elisabeth von der Trinität gab in den frühen Morgenstunden, um 6:15 Uhr, ihre Seele Gott zurück.

Vor wenigen Wochen, im September dieses Jahres, wurden, nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit, die Ergebnisse der Untersuchung einer Kommission an die Kongregation für die Heiligsprechung abgesandt. Mehr als ein Jahr hatte die Kommission in Belgien die Heilung von Marie-Paule Stevens untersucht, einer Frau, die angesichts des bevorstehenden Todes 2002 nach Flavignerot gepilgert war, um der sel. Elisabeth für alle ihre Hilfe in ihrer Krankheit, dem Sjögren-Syndrom, zu danken. Während der Erkrankung der Religionslehrerin aus Malmedy in Belgien hatten viele Menschen in Novenen die sel. Elisabeth in diesem Anliegen angerufen. Am 2. April 2002, nach dem Gebet in der Kapelle des Karmels fühlte Marie-Paule Stevens, auf einem Stein am Rande des Parkplatzes vor dem Kloster sitzend, sich plötzlich vollkommen gesund und ist es seitdem. Mehr als vierzig Zeugen wurden vernommen, die sich sämtlich sehr berührt von dem Erlebten und vom Zeugnis der sel. Elisabeth von der Dreifaltigkeit zeigten.

Als Kind war Elisabeth Cadez von heftigem Temperament (heute würden wir dasselbe vielleicht „gesundes Selbstvertrauen“ nennen) – ein bißchen sieht man das auch am Gesicht des Kindes. Als für einen Gemeindeabend ihre Puppe verborgt wurde, ohne daß sie davon wußte, stand sie mitten in der Vorführung auf und verlangte mit dem Ausruf: „Du böser Priester, gib mir meine Jeanette zurück!“ ihre Puppe wieder.

Mit elf Jahren empfing Elisabeth ihre erste heilige Kommunion, mit vierzehn versprach sie sich bei einer Wallfahrt Christus für immer und gelobte ewige Jungfräulichkeit:
Wir sagten uns nichts, aber wir haben uns aneinander verschenkt und liebten uns so sehr, daß der Entschluß, ihm ganz zu gehören, in mir noch endgültiger wurde.
Im Alter von 21 Jahren trat Elisabeth Cadez 1901 in den Karmel von Dijon ein, der für fünf kurze Jahre ihr Zuhause werden sollte. Nur zwei Jahre nach der ewigen Profeß erkrankte Sr. Elisabeth von der Dreifaltigkeit an Morbus Addison, einer Unterfunktion der Niere, die unbehandelt den ganzen Organismus angreift und damals unheilbar war. In den letzten Monaten ihres Lebens schien sie von der Krankheit ganz aufgezehrt zu werden, gegen Ende zu wog sie fast gar nichts mehr. Am Tag ihres Todes hatte sie seit einer Woche außer der Wegzehrung keine Nahrung mehr zu sich genommen. Trotzdem bat sie in ihrer Krankheit Gott nicht um die Linderung ihrer Schmerzen, sondern darum, er möge ihre Kraft steigern, sie zu ertragen:
Ich spüre, wie der Tod mich zerstört. Würde ich dabei stehenbleiben, wäre nur Verzagtheit in mir. Rasch öffne ich das Auge meiner Seele im Glauben und weiß, daß es die Liebe ist, die mich allmählich verzehrt.
Elisabeth von der Trinität ist eine jener Heiligen, die einen ermutigen können, selbst heilig werden zu wollen oder zu sein. Nichts an den Umständen ihres Lebens und Sterbens war außergewöhnlich. Und doch glich ihr Leben einer Flamme, die sich für Christus verzehrt, führte sie zum Lieben, zum Leuchten, zum Leben, wie sie es sich gewünscht hatte, es waren ihre letzten Worte.
Wie mir scheint, wird meine Sendung im Himmel darin bestehen, Seelen anzuziehen und ihnen zu helfen, Gott anzuhangen durch eine ganz einfache Regung der Liebe. Ich will sie bewahren in dem großen inneren Schweigen, in dem Gott sich in ihr Inneres einprägen und sie in sich selbst umwandeln kann.

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