Freitag, 16. November 2012

Der Rosenkranz im Rucksack


Rosenkranz und Pilgerzeichen fragt, Wie schön oder kostbar darf ein Rosenkranz sein?, und bedauert, daß schöne und aufwendig gearbeitete[1] Rosenkränze aus dem Alltagsgebrauch verschwunden scheinen. Hmm. Gewiß, manche Rosenkränze finde ich wunderschön und für geriffelte oder geschliffene Perlen und geschnitzte Elfenbeinrosen konnte ich mich schon als Kind begeistern (bei Schmuck, denn als Kind kannte ich kaum einen, der einen Rosenkranz hatte).

Und doch möchte ich an dieser Stelle eine Lanze für den einfachen Rosenkranz brechen. Was nicht heißt, daß dieser auch billig oder scheußlich aussehen muß. Olivenholzrosenkränze sind robust und erschwinglich. Sie sind schlicht, aus einem schnell nachwachsenden Rohstoff und liegen gut in der Hand (Holz ist warm). Vielleicht lerne ich in diesem Leben auch noch mal, die Perle wirklich immer weiterzuschieben, um nicht unversehens in einem Gesätz mit zwölf oder vierzehn Ave Maria herauszukommen.

Ein Rosenkranz ist doch aber in erster Linie ein Gebrauchsgegenstand. Als solcher muß er es etwa aushalten können, daß ich ihn in der Seitentasche meines Rucksacks mit mir herumtrage. Das kann ein (auch noch potthäßlicher) Plastikrosenkranz auf Dauer nicht leisten, aber auch dem schönen Rosenkranz aus Edelstein, Koralle oder Elfenbein würde ich es nicht zumuten wollen.

Den vom Heiligen Stuhl geschenkten und vom Papst gesegneten Rosenkranz legt man hingegen am besten in Dankbarkeit als Erinnerungsstück beiseite, da er es nicht aushält, wenn man dauernd mit ihm betet (ein Auto, das nicht fährt…) Für den Heiligen Vater beten wir trotzdem! ;)

Fazit: ein Rosenkranz braucht nicht kostbar zu sein, man soll ihn für das verwenden können, wozu er gebraucht wird. Genausogut könnte man meiner bescheidenen Meinung nach bedauern, daß das Stundenbuch heutzutage Massenware sei, früher gab es viel schönere und kostbarere Ausgaben, mit Malereien und goldenen Illuminationen. Die Antwort ist womöglich: Stundenbücher und Rosenkränze für alle! (Womit den schönen Handschriften und Rosenkränzen aus alter Zeit nichts von ihrem ästhetischen Wert genommen ist. Sie sind nur einfach ihrer Natur nach wohl nicht „für alle“ gedacht gewesen, vielleicht nicht einmal „für viele“.) Thomas Merton schreibt über seine ersten Schritte als Konvertit mit dem Rosenkranz:
Unterem Deckbett faltete ich ruhig die Hände, den Rosenkranz zwischen den Fingern. Es war der Rosenkranz, den mir John Paul an Weihnachten schenkt hatte. Da er keinen Unterschied sah zwischen den verschiedenen Arten von Rosenkränzen, hatte er sich in einem frommen Laden betrügen lassen und einen gekauft, der zwar schön aussah, aber innert einem halben Jahr zerbrach. Er gehörte zu jenen, welche mehr zum Anschauen als zur Benützung verfertigt schienen. Aber die Zuneigung mir gegenüber, die er versinnbildete, war so stark wie der Rosenkranz schwach. Und solange er hielt, benützte ich ihn lieber als denjenigen aus starken, billigen, schwarzen Holzperlen, der für Arbeiter und irische Waschfrauen geschaffen war, und den ich während der Mission für fünfundzwanzig Cents in der Unterkirche des Corpus Christi gekauft hatte.
____
[1] Eher würde ich mich heute schon fragen, darf oder sollte ich soviel Geld für einen Rosenkranz ausgeben, wenn ich für das gleiche Geld ein Paar ordentliche Schuhe kaufen könnte? Das muß aber jeder selber wissen und ich berufe mich an dieser Stelle einfach mal auf die Armut.

Kommentare:

Huppicke hat gesagt…

Tsihi, 12 oder 14 Ave Maria in einem Gesätz - jetzt bin ich aber getröstet, dass das auch dir passiert. ;-)
Ich habe erst diese Woche das blog Rosenkranz + Pilgerzeichen entdeckt, aber es macht so richtig Lust, sich neu mit Kette und Gebet zu beschäftigen. Dein post auch.

Liebe Grüße
Huppicke

Braut des Lammes hat gesagt…

Umgekehrt auch, es tröstet mich, daß ich nicht die einzige bin. Bin ich allein, finde ich es nicht tragisch, aber beim Vorbeten in der Kirche macht mich der Gedanke, auf einmal vierzehn Aves zu haben, ein wenig nervös.

Rosenkranz & Pilgerzeichen finde ich auch interessant.

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