Sonntag, 18. November 2012

Jetzt wirds endzeitlich!

Die Liturgie der letzten beiden Wochen im Jahreskreis liebe ich sehr. Mit der ersten Lesung vom 33. Sonntag im Jahreskreis aus dem Buch Daniel wendet sich die Liturgie am Ende des Kirchenjahres unmittelbar der Betrachtung des Endes aller Dinge und dem aller Zeiten zu – Tod, Gericht, Himmel und Hölle – und bereitet uns zugleich für den Advent.

 Das Gleichnis mit dem Feigenbaum im Tagesevangelium hat mich sehr angesprochen: was für ein schönes Bild! Sobald seine Zweige saftig werden und Blätter treiben, wißt ihr, daß der Sommer nahe ist.

Vielleicht empfinde ich das in meiner Berufung besonders intensiv: als geweihte Jungfrau versuche ich, ein kleines Stück Endzeit in dieser Welt zu leben, einer Zeit, in der die Menschen nicht mehr heiraten, sondern sein werden wie die Engel. Das Weihegebet spricht von Gütern der kommenden Herrlichkeit, die den Jungfrauen schon jetzt geschenkt sind: denen, die noch der Vergänglichkeit unterworfen sind, gewährst du Anteil an einem Leben, das ähnlich ist dem der Engel.

 Anteil zu haben an einem Leben, das ähnlich ist dem der Engel, ist äußerst ein erhabenes Ziel (weshalb ich oben „versuchen“ geschrieben hatte) und zugleich sehr real, wie es ein Leib nun einmal ist. Die Kirche spricht hier von einem Zeichen: ein Zeichen ist etwas Stoffliches, sinnlich Erfahrbares. Mit dem grünenden Feigenbaum stellt sie uns ein Bild des Lebens und der Fülle vor Augen und mahnt uns – mit Blick auf unsere Berufung – unsere Lampen in Gang zu halten (ist noch genug Öl drin?), denn eines Tages wird es Sommer und der Bräutigam kommt.

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