Dienstag, 6. November 2012

Es kommt ein Schiff, geladen


Andrea schreibt über das „Lob der tüchtigen Hausfrau“ aus dem Buch der Sprichwörter. Mir gefällt der Beitrag sehr gut, zur Einheitsübersetzung an dieser Stelle wäre vielleicht noch zu sagen: es gibt auch die Redenart, etwas „wegzulachen“. Wenn man das tut, spottet man tatsächlich der drohenden Zukunft, indem man sie durch das Lachen auf Abstand hält. Ein Stück weit finden wir das auch im Evangelium: sorget nicht für den morgigen Tag, es ist genug, daß jeder Tag seine eigene Plage habe.
10 Eine tüchtige Frau, wer findet sie? Sie übertrifft alle Perlen an Wert. 11 Das Herz ihres Mannes vertraut auf sie und es fehlt ihm nicht an Gewinn. 12 Sie tut ihm Gutes und nichts Böses alle Tage ihres Lebens. 13 Sie sorgt für Wolle und Flachs und schafft mit emsigen Händen. 14 Sie gleicht den Schiffen des Kaufmanns: Aus der Ferne holt sie ihre Nahrung. 15 Noch bei Nacht steht sie auf, um ihrem Haus Speise zu geben [und den Mägden, was ihnen zusteht]. 16 Sie überlegt es und kauft einen Acker, vom Ertrag ihrer Hände pflanzt sie einen Weinberg. 17 Sie gürtet ihre Hüften mit Kraft und macht ihre Arme stark. 18 Sie spürt den Erfolg ihrer Arbeit, auch des Nachts erlischt ihre Lampe nicht. 19 Nach dem Spinnrocken greift ihre Hand, ihre Finger fassen die Spindel. 20 Sie öffnet ihre Hand für den Bedürftigen und reicht ihre Hände dem Armen. 21 Ihr bangt nicht für ihr Haus vor dem Schnee; denn ihr ganzes Haus hat wollene Kleider. 22 Sie hat sich Decken gefertigt, Leinen und Purpur sind ihr Gewand. 23 Ihr Mann ist in den Torhallen geachtet, wenn er zu Rat sitzt mit den Ältesten des Landes. 24 Sie webt Tücher und verkauft sie, Gürtel liefert sie dem Händler. 25 Kraft und Würde sind ihr Gewand, sie spottet der drohenden Zukunft. 26 Öffnet sie ihren Mund, dann redet sie klug und gütige Lehre ist auf ihrer Zunge. 27 Sie achtet auf das, was vorgeht im Haus, und ißt nicht träge ihr Brot. 28 Ihre Söhne stehen auf und preisen sie glücklich, auch ihr Mann erhebt sich und rühmt sie: 29 Viele Frauen erwiesen sich tüchtig, doch du übertriffst sie alle. 30 Trügerisch ist Anmut, vergänglich die Schönheit, nur eine gottesfürchtige Frau verdient Lob. 31 Preist sie für den Ertrag ihrer Hände, ihre Werke soll man am Stadttor loben. (Spr. 31,10-31)
Ich mag diese Perikope in ihrer vollen Länge sehr gern, vor allem das Bild des Schiffes, das vollbeladen aus der Ferne zurückkehrt: ein adventliches Bild eigentlich, jedenfalls eines von großer Kraft[1].  In der Tat taucht das Wort Kraft oder ein es umschreibendes Bild an gleich mehreren Stellen auf und verbindet es mit Würde: Sie gleicht den Schiffen des Kaufmanns: Aus der Ferne holt sie ihre Nahrung. Sie gürtet ihre Hüften mit Kraft und macht ihre Arme stark. Sie spürt den Erfolg ihrer Arbeit… Kraft und Würde sind ihr Gewand. Nicht nur deshalb finde ich es außerordentlich schade, daß der Text im Lektionar so zusammenstrichen ist, daß nurmehr eine Art Gerippe übrigbleibt, während die kaufmännischen und sonstigen Qualitäten vollends unter den Tisch fallen – die oben grau dargestellten Verse fallen in der Lesung sämtlich weg. Wohl dem, der die Perikope im Ganzen kennt. Manche Streichungen werde ich wohl nie begreifen.

Das adventliche Bild, von dem ich oben sprach, finden wir in dem alten Adventslied Es kommt ein Schiff geladen. Der Dichter wendet das Bild des kraftvollen Schiffes auf Maria an, Mutter Gottes und Mutter aller Menschen, die den Erlöser trägt, weshalb sie die Lauretanische Litanei auch Arche des neuen Bundes nennt. Ein wunderschönes Bild eigentlich:
Es kommt ein Schiff, geladen
bis an sein’ höchsten Bord,
trägt Gottes Sohn voll Gnaden,
des Vaters ewigs Wort.

___
[1] nicht umsonst verwendet auch das Logo des Jahres des Glaubens ein Schiff, das mit vollen Segeln hinausfährt

Kommentare:

Andrea hat gesagt…

Oh, da bleibt wirklich nicht viel übrig in der Lesung ... Dein Beitrag regt mich an, mal wieder die ganze Perikope zu betrachten, sobald ich den einen Vers ausgekostet habe (ich bin noch dabei).

Zum "der drohenden Zukunft spotten": ja, das paßt schon auch, es ist eher ein Unterton, der mir nicht so sehr gefällt - es hat für mich nicht diese heitere Gelassenheit, die ich mir an der Stelle eigentlich vorstelle (und die ich mir für mich wünsche).

Braut des Lammes hat gesagt…

Du hast schon recht, mit Gelassenheit ist es natürlich schöner, zumal wenn man die Gnade hat, sie zu empfinden. Da ich FB erst später gesehen hatte: Strength and honour are her clothing; and she shall rejoice in time to come. ist natürlich wunderbar ausgedrückt.

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