Sonntag, 11. November 2012

Die Opfergabe

Prudentes virgines, aptate lampades vestras 
(Eröffungsantiphon der Liturgie der Jungfrauenweihe)
Gestern hab ich mit einem kleinen Mädchen ministriert. Anlaß war eine Erwachsenenfirmung in der Kathedrale, bei der auch Ministranten aus der Pfarrei dienten, aus der die Firmlinge kamen. Nun kann man Kindern natürlich nicht das zentnerschwere Prozessionskreuz der Kathedrale zum Tragen geben; wenn es ganz kleine sind, nicht einmal die Leuchter: unsere sind groß, glattsilbern und verjüngen sich nach oben. Auch ist es gut, wenn bei einem Dienst, der paarweise versehen wird, nach Möglichkeit immer einer von beiden sich vor Ort gut auskennt, daher die Mischung.

Bei der kleinen Ministrantin war mir am Dienstag abend, als sie schon mal zur Vorbesprechung da war und wir ein Minichorhemd in ihrer Größe gesucht haben, schon aufgefallen, daß sie eine sehr schöne und fromme Kniebeuge gemacht hat, und sie war auch ganz begeistert bei ihrem Dienst. Wenn kleine Menschen dienen – zu denen unter Umständen manchmal auch ich gehöre –, ist es drollig, wenn sie die Dinge hoch über den Kopf halten müssen, um auf eine passende Höhe zu kommen. Die kleine Ministrantin hat das Handtuchproblem bei der Händewaschung aber dadurch gelöst, daß sie das Tuch quer hielt, und der Weihbischof hat sich von der Länge her etwas zusammengefaltet. So ein Pontifikalamt ist für ein so junges Kind allerdings doch etwas lang, zumal, wenn 71 Leute gefirmt werden und man dabei erst ganz zum Schluß etwas zu tun hat (die Händewaschung mit Salz und Wasser nach der Firmspendung). Und so zwitscherte sie mir, als wir auf der steinernen Brüstung hinter der Altarinsel saßen, etwas vor, wie ein kleiner schwarz-weißer Vogel. Hauptsächlich über die Stöckelschuhe der Firmandinnen und Firmpatinnen, aber auch, daß nicht alle Frauen Stöckelschuhe tragen, gleich kommt ihre Schwester, guck mal, da drüben, die mit dem türkisen Oberteil, ihre Schwester ist ganz süß und unser Marmorboden aber schön! Zwischendurch hat sie sich aus meinem Xangbuch noch zwei orthodoxe Christusbildchen ausgesucht, die ihr gefielen. Da kannst du lange suchen, bis du nochmal eine kleine Meßdienerin findest, die sich Christusbildchen wünscht.[1]

Bei allem Spaß, den ich auch hatte, war ich zwischendurch einmal fast den Tränen nahe – ist das ein süßes kleines Mädchen, und so eins werd ich nie haben! Meine kleine Nichte mit der ich spazierenging, und wie wir auf Zehenspitzen an der Garage des Nachbarn vorbeigegangen sind, weil der Plastikspielzeugbagger drinnen schon schlief. Die winzige Tochter einer Freundin, die ich mit einer Windel über der Schulter stundenlang halten und herumtragen durfte. Die kleinen Jungs aus dem Haus, in dem ich vorher gewohnt hab, die eigens erschienen sind und eine feierliche Erklärung abgaben, wie schade sie es finden, daß ich ausziehe – das sind schöne Erlebnisse, die man mit Kindern haben kann, und doch ist es niemals das eigene.

Mit diesem Wunsch nach einem eigenen süßen kleinen Mädchen, das von Stöckelschuhen und schlafenden Baggern erzählt,  kann man wahrscheinlich nur das tun, was man aufopfern nennt. Es schmerzt nicht immer so unmittelbar und doch bleibt es ein Opfer. Es wäre noch nicht zu spät für ein Kind. Aber beides zusammen geht nun mal nicht (außer, man ist die Jungfrau Maria) und die Sehnsucht nach dem anderen Weg war immer stärker. Ich wußte schon als ganz junge Frau, daß ich mich an Christus binden wollte, da war ich mir auch immer sicher. Das ist sicherlich eine Gnade, andere mußten da viel länger und schmerzlicher mit ihrer Berufung ringen. Das Opfer bleibt und wird wahrscheinlich immer bleiben. Es ist etwas, das mit mir in der Niederwerfung vor dem Altar bei der Allerheiligenlitanei auf dem Boden der Kathedrale gelegen hat.

____
[1] ich war etwas erleichtert, daß sie nicht mein Lieblingsosterbildchen genommen hat, das ebenfalls einen ikonenhaften Auferstandenen zeigt.

Kommentare:

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Ja, ja, da sieht man mal wieder, was für verstörende Gedanken hochkommen, wenn Mädchen ministrieren dürfen können ... näselt der Alte-Messe-Molch so in sich rein. ;-)

Spaß beiseite: 2 Kor 4, 18

Braut des Lammes hat gesagt…

Meinst nicht, daß einem ein so verstörender Gedanke auch kommen könnte, wenn ein kleiner Junge ministriert? ;)

Der hl. Paulus hat natürlich, wie immer, den richtigen Blickwinkel.

Eugenie Roth hat gesagt…

Merci für diesen Beitrag!!!

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