Donnerstag, 29. November 2012

Die kleine Eingangshalle – Papst Benedikts drittes Jesus-Buch

Au ja, mein Rezensionsexemplar ist da!
In einer Nacht wie manch anderer habe ich Benedikts XVI. dritten Band Jesus von Nazareth, (Prolog – die Kindheitsgeschichten) nicht durchgelesen. Meiner Meinung nach eignet es sich auch gar nicht dazu, vielmehr ist es ein Buch von der Art, wie man sie zur Lectio divina nehmen kann, um auf einige Zeit hinaus jeden Tag konzentriert und mit Gewinn einen kürzeren oder längeren Abschnitt daraus zu lesen. Daß das Buch gerade rechtzeitig zum Beginn der Adventszeit erschienen ist, ist eine schöne Verbindung, denn mit den liturgischen Texten der Kirche scheint sich das Buch des Heiligen Vaters gleichsam zu entfalten.

Benedikt nennt sein Buch „eine kleine Eingangshalle“ zu seinen beiden anderen Werken über Leben und Wirken Jesu Christi. Und doch könnte man diese äußerst ästhetische und anrührende kleine Vorhalle auch mit Gewinn durchqueren, wenn man sein großes Werk (noch) nicht betreten hat.

In schlichter Sprache und auf der tiefgründigen Frage des Pilatus „Woher bist du?“ aufbauend, entfaltet der Heilige Vater die Geschehnisse um die Menschwerdung Jesu Christi, breitet sie gleichsam vor dem Auge des Lesers aus, um sie da und dort mit einem Exkurs zu vertiefen. Dabei hält er, bei der Ankündigung der Geburt Johannes' des Täufers beginnend, die chronologische Abfolge bis zum Ende der Kindheit Jesu – dem ersten Auftreten des Zwölfjährigen im Tempel – ein, greift aber immer wieder einmal voraus, in das Leben und Wirken des Erlösers und in die Schriften der Väter wie auch zurück zu den Propheten und den Ältesten des Volkes Israel, und stellt so die innige Verbindung all dessen im Herzen und der Tradition der Kirche dar.

Dabei kommen immer wieder einmal auch Details zur Sprache, die demjenigen, der die biblischen Texte im Lauf des Kirchenjahres oftmals hört, wohl faktisch latent vertraut sind, die er sich vielleicht aber noch nicht recht bewußt gemacht hat, etwa die Art und Weise, wie die Evangelisten die Abstammung Jesu beschreiben und den Stammbaum Jesu aufgebaut haben – etwa als Baum, dessen Wurzeln in die Höhe ragen, zu Gott –, oder daß es sich bei den vier neben Maria im Stammbaum Jesu genannten Frauen allesamt um Frauen handelt, die keine Jüdinnen waren, was als Vorausschau dessen gesehen werden kann, daß die Berufung nicht nur an Gottes auserwähltes Volk erging, sondern auch an die Heiden.

Schlagzeilen haben in den Medien vorab offenbar einige Anmerkungen zu den Geschehnissen bei der Geburt Christi gemacht, hier habe ich schon einmal etwas dazu geschrieben. Wer Benedikts Buch auf ein „Im dritten Band rechnet der Heilige Vater mit der altbekannten Weihnachtsgeschichte ab“ reduziert, wie ich es an einer Stelle gesehen habe, tut dem Buch geradezu einen Tort an (und der zuständige Redakteur täte gut daran, vielleicht wenigstens den Klappentext zu lesen).

Benedikt räumt hier nämlich nicht auf, noch erklärt er irgend etwas zum Mythos, im Gegenteil, er vertieft einige Dinge und stellt sie in einen größeren Kontext, wenn er etwa im Zusammenhang einer Stelle aus dem Buch Habakuk die Figuren des Ochsen und des Esels an der Krippe aufgreift und sie in Zusammenhang mit den beiden goldenen Cherubim bringt, die die Bundeslade des Volkes Israel schmückten und mit ihren Flügeln schützend bedeckten. In der Tat nennt die Kirche die Jungfrau Maria selbst eine Lade Gottes und die Arche des neuen Bundes. Mit seinen Anmerkungen zum weihnachtlichen Geschehen ist Benedikt XVI. also weit entfernt von einem Showdown mit Engeln und Tieren.

Der Heilige Vater bei der Übergabe
seines neuen Buches durch den
Verleger Manuel Herder  – also,
manchmal wär ich auch gern Verleger…
Die Buchbesprechung eines „aufrichtig frommen“ Menschen, wie man mir jüngst in einem Charakterzeugnis geschrieben hat, kann wahrscheinlich nur einigermaßen fromm ausfallen. Allerdings braucht man nicht einmal fromm oder auch theologisch herausragend gebildet zu sein, um Benedikts Prolog lesen und davon profitieren zu können; man kann meiner Ansicht nach das Buch des Heiligen Vaters mit jedem Hintergrund gut lesen und verstehen. Ich bin mit großer Freude an das Buch herangegangen, schon, weil ich den Autoren mag und ich von ihm nichts anderes als ein Werk von großer Tiefe erwartet habe. Indes braucht man auch das letztere nicht, (große Erwartungen zu haben, meine ich); man braucht nicht einmal mit allem inhaltlich übereinzustimmen, denn wie der Autor selbst rührenderweise und in seiner bescheidenen Art schreibt: Es steht jedermann frei, mir zu widersprechen. Ich bitte die Leserinnen und Leser nur um jenen Vorschuß an Sympathie, ohne den es kein Verstehen gibt. Möge er diesen Vorschuß an Sympathie möglichst oft finden und verstanden werden.

Gewiß brauche ich nicht eigens zu sagen, daß dieses Buch in keiner Weise ein lehramtlicher Akt ist, sondern einzig Ausdruck meines persönlichen Suchens nach dem Angesicht des Herrn – diese Worte des Papstes begleiten sein Werk über Jesus Christus. Was und wieviel er vom Glanz des Antlitzes Christi er dabei gefunden hat, stellt Benedikt in eindringlicher Weise dem Leser vor.


Jesus von Nazareth: Prolog – die Kindheitsgeschichten von Benedikt XVI. ist gerade – Ende November – bei Herder erschienen und schon jetzt auf dem Weg zum Bestseller.

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