Donnerstag, 22. November 2012

Die „katholische“ Hölle im Fernsehen (Themenwoche Leben mit dem Tod)

Von Anne Wills Talkshow, die sich ja um das „Leben nach dem Tod“ drehen sollte,  hab ich gestern ungefähr fünf Minuten gesehen (ich war einfach zu müde), ob es sich lohnt, sich den Rest in einer Wiederholung zu geben, das frage ich mich.

Die fünf Minuten gegen Ende, die ich gesehen habe, waren komplett der Hölle gewidmet – die anderen letzten Dinge haben wir uns an dieser Stelle mal gespart, so scheint es – und reichten immerhin zeitlich aus, um das gesammelte Unwissen der Moderatorin zu dokumentieren, die über ein metronomhaftes Wiederholen ihrer an sich schon falschen Fragestellung sichtbar nicht hinauskam, ein allgemeines Stimmengewirr und eine ausgesuchte Beleidigung vor laufender Kamera. (Der Atheist Philipp Möller meinte, explizit und mehrfach erfragte Äußerungen zum Thema Hölle mit dem Kommentar zusammenfassen zu müssen, es seien schon Menschen für weniger in die Psychiatrie gekommen. Das hab ich von ihm zwar auch nicht anders erwartet, trotzdem bleibt einem bei dieser hingeknüppelten Zurschaustellung dessen, daß er seine Zeit nicht damit verbracht hat, Anstand zu lernen, erst einmal der Mund offen stehen.)

Zugegebenermaßen fand ich auch das Herumeiern der gefragten Mechthild Löhr nicht besonders aufschlußreich. Es klang ungeheuer nach Alice im Wunderland: es ist ein Dogma, daß die Hölle existiert, es ist aber kein Dogma, das irgendjemand drin ist. Die Frage Wills, die da so unablässig wiederholt wurde, war: „Warum brauchen Katholiken die Konstruktion einer Hölle?“

Bei einer solchen Frage könnte ich an sich schon im Zickzack springen, spricht doch Jesus Christus im Evangelium selbst von der Verdammnis. Erlaube, die Hölle ist doch kein römisch-katholisches Sondergut! Ziel dieser Fragestellung ist natürlich, der Zuhörer bemerkt die Absicht (hoffentlich!) und ist verstimmt, die katholische Kirche als eine pöse Institution darzustellen, die ihre Schäfchen mit der Vorstellung der Hölle drangsaliert. Nichtsdestoweniger sind die sogenannten letzten Dinge – Tod, Gericht, Himmel, Hölle und Auferstehung des Fleisches – Teil des christlichen Glaubensguts.

Wir wissen nicht, wer in der Hölle ist oder wer hineinkommt, es wäre vermessen, so etwas über einen Menschen zu sagen. Mir hat an dieser Stelle aber die schlichte Aussage gefehlt, daß der Mensch, und nur er selbst, es in der Hand hat: nur wer sich endgültig von Gott abwendet und all seinem liebevollen Werben um Umkehr trotzt, kann in die Hölle kommen – weil er selbst es so will. Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern, daß er umkehrt und lebt.

Kommentare:

Cicero hat gesagt…

Wenn man schon nicht an Gott glaubt, muß man offensichtlich wenigstens versuchen, die Existenz der Hölle wegzudiskutieren.
Aber warum eigentlich?
Auch Atheisten könnten wissen, daß die Hölle nichts anderes ist als die absolute Gottferne.

Wer sich also in seinem Leben darauf vorbereitet, indem er schon eine jetzt relative Gottferne lebt und praktiziert, müßte doch eigentlich die Hölle als (s)ein persönliches Paradies ansehen.

Frischer Wind hat gesagt…

Du hast es auf den Punkt gebracht. Danke.
Ich erlaube mir zu verlinken:
http://frischer-wind.blogspot.de/2012/11/bedenkenswert.html

Josef Bordat hat gesagt…

Die Frage müsste eigentlich heißen: „Warum brauchen Philosophen die Konstruktion einer Hölle?“ Das liegt einfach daran, dass man, wenn man A denken kann, auch nonA denken können muss. Also: Wenn es die absolute Gottesnähe gibt, die Vollendung in Gott, dann muss es auch das Gegenteil geben, die absolute Gottesferne. Das gebietet die Freiheit, und zwar die des Menschen, der sich für das eine oder eben für das andere entscheiden kann. Insoweit wundert es, dass es in der Sendung (die ich nicht gesehen habe) offenbar nicht zum Naheliegenden gekommen ist, nämlich zu der Einsicht, „daß der Mensch, und nur er selbst, es in der Hand hat“, wie Du schreibst.

Zur metaphysischen Notwendigkeit der Hölle: http://jobo72.wordpress.com/2012/04/17/eden-fur-jeden-warum-es-die-holle-geben-muss/

JoBo

Josef Bordat hat gesagt…

Du kannst den letzten Kommentar ignorieren; ich hab einen Beitrag draus gemacht: http://jobo72.wordpress.com/2012/11/22/holle-holle-holle/

JoBo

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