Samstag, 24. November 2012

Christus, König

Christus vor Pilatus, Mihály Munkácsy, 1881
Die O-Antiphon am 22. Dezember nennt Jesus Christus den König aller Völker: O König aller Völker, ihre Erwartung und Sehnsucht; komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet – bald werden wir das wieder singen.

Mit dem Christkönigsfest als eigenem Fest habe ich mich früher manchmal gefühlsmäßig ein wenig schwergetan, denn das eigentliche Christkönigsfest des Jahres ist für mich der Palmsonntag mit seinem wunderbaren Prozessionshymnus Ruhm und Preis und Ehre sei dir, Erlöser und König. Wenn wir im Lauf der Feste des Kirchenjahres Christus als das neugeborene Kind, bei seinem öffentlichen Wirken, und als den leidenden Herrn betrachten, der sein Blut für uns vergießt, so bleibt er in alldem doch immer unser König, und wir wissen, daß, eingeschlossen in die Entsagung dieser Welt und gekleidet in die Erbärmlichkeit und Einfachheit des menschlichen Fleisches sich der Hohepriester und König des neuen Bundes verbirgt.

Bei den Worten Christus, König, denke ich an Jesus, wie er vor Pilatus steht: ein stiller König ohne Land, ohne Heer, ohne Freunde und Jünger, ein König, der auf einem Esel kam, anstatt mit Pomp und Gepränge. Und dennoch antwortet er auf die Frage des Pilatus:

Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, daß ich die Wahrheit bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme.
Das Christkönigsfest am Ende des Kirchenjahres erinnert uns daran, daß das Ziel und Königtum Christi auch das unsere ist – das Reich Gottes. Wie mag es aussehen? Christus hat den Königen und Machthabern dieser Welt ein Spottzepter und eine Dornenkrone entgegengesetzt und sich auf den hölzernen Thron des Kreuzes gesetzt – vom Holz herab, als seinem Thron, regiert Gott alle Nation. Ein Anruf an uns, der Welt etwas ähnlich Paradoxes entgegenzuhalten: das Eintreten für Wahrheit und das Leben, Heiligkeit und Erbarmen, Gerechtigkeit, Liebe und Frieden. Das ist wirklich etwas, das „nicht von dieser Welt“ ist. Aber es kann in dieser Welt sein.

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