Dienstag, 16. Oktober 2012

Freude über die bevorstehende Heiligsprechung Kateri Tekakwithas


Am kommenden Sonntag, den 21. Oktober, wird Papst Benedikt die Jungfrau Kateri Tekakwitha heiligsprechen. (Aus diesem Anlaß hab ich den Beitrag darunter zu ihrem Gedenktag im April 2010 nach oben geholt.)

Kateri Tekakwitha – Tekakwitha ist ihr ursprünglicher Name, Kateri (von Katharina) wurde sie in der Taufe genannt – ist die erste Ureinwohnerin des nordamerikanischen Kontinents, die zur Ehre der Altäre erhoben wurde – Papst Johannes Paul II. sprach Kateri 1980 selig, Papst Benedikt wird sie nun heiligsprechen, das heißt, ihre Verehrung auf die Weltkirche ausdehnen.

Die Freude darüber ist vor allem in Nordamerika sehr groß, so nutzt die Erzdiözese von Cleveland die Gelegenheit, auch Menschen, die bisher wenig von ihr wissen, die Heilige nahezubringen und vermehrt zu Wallfahrten aufzurufen, denn die sel. Kateri Tekakwitha genießt dort große Verehrung. So gibt es allein in Nordamerika drei Schreine – einer davon der von Auriesville, wo sich die Gräber der hll. Märtyrer Nordamerika befinden, in Fonda im Staat New York, und in Kahwanake bei Quebec, wo die Selige begraben liegt. In einer bei Arte gezeigten Dokumentation über das Leben im Reservat, an der ich neulich vorbeikam, hing hinter dem gerade interviewten Indianer genau dieses Bild der sel. Kateri Tekakwitha.

Auch die geweihten Jungfrauen in aller Welt haben Grund zu großer Freude, denn wiewohl Kateri niemals die Möglichkeit hatte, die Weihe zu empfangen, hat sie die ewige Jungfräulichkeit um des Himmelreiches willen gelobt und führte wahrhaft das Leben einer geweihten Jungfrau in der Welt.

In einer kurzen Ansprache an nordamerikanische Indianer, die er 1996 in einer eigenen Audienz empfing, hob Papst Johannes Paul II. den Tag ihrer Seligsprechung als einen Tag der großen Freude für die Kirche in aller Welt hervor, die – wie alle Heiligen – ein Beispiel des Glaubens gegeben hat und durch ihr ganzes Leben die Kirche an die Berufung jedes Menschen zur Heiligkeit erinnert und den Apostel zitiert: Er aber, der durch die Macht, die in uns wirkt, unendlich viel mehr tun kann, als wir erbitten oder uns ausdenken können, er werde verherrlicht durch die Kirche und durch Christus Jesus in allen Generationen, für ewige Zeiten.

Der SPiEGEL berichtet in seiner Ausgabe vom 14. Oktober und wittert wieder einmal Probleme und „Gespaltensein“ wo nichts dergleichen ist. So sei die Seligsprechung „nicht ganz unumstritten“, wobei das angebliche Umstrittensein dem SPiEGEL zufolge offenbar ausschließlich darin besteht, daß von den 2,5 Millionen amerikanischer Ureinwohner „nur“ etwa ein Viertel katholisch sind. (So what?)

Die selektive Zitation der New York Times in diesem Zusammenhang wiederum erstaunt in gewisser Weise. Zum einen hab ich deren Artikel vom Juli dieses Jahres (Complex emotions as Kateri Tekakwitha is named a saint) auch gesehen, er ist in sehr freundlichem, der Heiligsprechung gewogenem Ton geschrieben, und der Leser ist besser beraten, dort direkt zu lesen, in der Tat steht da nämlich:
This time around, the reaction is more complex, particularly among American Indians. Some are proud, because Kateri was a Mohawk. Some doubt the truthfulness of her story as told by the church. Some hope the canonization will ease tensions between Catholic and traditional American Indians. And some are euphoric that the church is about to name its first American Indian saint, even if they wish it had happened sooner.[1]

“At a time when natives are still treated like third-class citizens, it’s very impressive that the Vatican and the Catholic Church is finally recognizing her,” said Pat Whyland, 67, a Mohawk from Syracuse, who offered a prayer to Kateri, as well as to the water, wind and sun, at the start of a small powwow held at her shrine in Fonda in early July. “Not everyone knows about her,” she added, “but once you become familiar with her, you become very attached to her and her story.”
Aus dem weiteren Verlauf dieses Artikels und ähnlicher geht mehr oder weniger hervor, daß eigentlich trotz oder gerade wegen der Gefühlslage, die die NY Times als komplex bezeichnet, alle dieser Heiligsprechung etwas Positives abgewinnen können, so wird etwa ein Angehöriger des Stammes der Navajo zitiert, der zum Ausdruck bringt, daß die Heiligsprechung dazu beitragen kann, alte Verletzungen und Gräben zu überwinden und zugleich gleich ein grundlegendes Verständnis des Glaubens an die Gemeinschaft der Heiligen offenbart:
Stanley M. Perry, a Navajo who came to the powwow seeking support for an effort to save a sacred wetland in Kansas, said having a shared Mohawk figure of respect might also heal rifts.

“She can help us by connecting us together,” he said. She may be a saint of the Catholics, he said, but as a Mohawk she can signify the sacredness of all life. “We are all saints,” he said. “You, me, Mother Earth. The wetland.”
Heilig sein ist nichts Fernes und Unerreichbares, es ist mitten unter uns. D'accord.

Hier ist noch ein Artikel der NY Times zu den bevorstehenden Heiligsprechungen, der mit trockenem Humor auch auf das „All-Saints baseball team“ des Staates New York Bezug nimmt: Two more saints from a state of grace. (Das mit Thomas Merton hab ich mir auch genauso gedacht…)[2]
Pennsylvania and Hawaii have two saints each. Indiana has one. For whatever reason — whether it’s something in the water or blowing down from French Canada, or welling up in the alluvial soil — New York is on its way to an All-Saints baseball team. It’s even more impressive when you add the players in the pipeline, like Dorothy Day, Pierre Toussaint, Cardinal Terence Cooke and Archbishop Fulton Sheen. You could even add Thomas Merton, who is not on the saint track yet but is thought by many to be on deck. (Yes, his monastery was in Kentucky, but he’s a son of Queens, Greenwich Village and Columbia University.)

___
[1] Etwas lange gedauert, wie verschiedentlich geschrieben wurde, hat es mit dem Seligsprechungsprozeß, nicht mit der Heiligsprechung. Das Seligsprechungsverfahren Kateri Tekakwithas wurde 1884 von Papst Leo XIII.  eröffnet, seit 1943 wurde Kateri als ehrwürdige Dienerin Gottes bezeichnet.

[2] also nicht, daß sein Seligsprechungsprozeß bereits im Gange wäre, sondern, daß man unterschwellig dazu neigt, das irgendwie als gegeben vorauszusetzen.

Kommentare:

Marcus, der mit dem C hat gesagt…

@Braut: Du hast zweimal das Johannes unterschlagen bei der Nennung des Papstnamens des Seligen Karol Wojtyla. Denn sein Vorvorgänger war Paul VI. also kann er nicht Paul II. sein :-)

Herzliche Grüße
Marcus, der mit dem C

Anonym hat gesagt…

Papst Paul II.??? Du meinst doch Papst Johannes Paul II. oder?

LG und Gottes Segen & Marien Schutz
Matthias

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Toll, daß man Papst Paul II. für die Seligsprechung ausgraben konnte! Habe ich garnicht mitbekommen ... wie reanimiert man eigentlich einen Papst des 15. Jahrhunderts?

;-)

Braut des Lammes hat gesagt…

;) Danke allen, die mich auf den Schreibfehler aufmerksam gemacht haben (ich glaub, das lag dran, weil ich morgens gleich an Papst Paul VI. gedacht hatte. Mea maxima culpa. Als ich den Fehler später bemerkt hatte, war ich offline.

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