Samstag, 27. Oktober 2012

Wie die Gottesmutter nach Ostberlin kam

„Die schwarze Madonna“ von Berlin
Zu dieser Mondsichelmadonna in der Hedwigskathedrale gibt es eine etwas abenteuerliche Geschichte, denn die Gottesmutter kam seinerzeit sozusagen im Wege des illegalen Grenzübertritts herüber. Julius Kardinal Döpfner, dem seinerzeit von den Machthabern in Einreise in die Ostzone verwehrt und der in der Folge dann zum Erzbischof von München erhoben wurde, hat sie der Kathedrale geschenkt.

Der Einreise der Madonna stand allerdings dasselbe Hindernis entgegen, man beliebte, die Kirche zu triezen und verweigerte unter bürokratischem Vorwänden den Transport der Statue nach Ostberlin. Alfred Kardinal Bengsch jedoch wußte sich zu helfen: er war mit dem Stadtkommandanten des amerikanischen Sektors befreundet, und dieser veranlaßte, daß die Madonna, eingewickelt in Militärdecken und auf einem Armeelaster, in einer Nacht- und Nebelaktion über den Checkpoint Charlie nach Ostberlin kam, denn die Fahrzeuge der Besatzungsmächte durften nicht kontrolliert werden.

An ihren jetzigen Standort in der Oberkirche der Kathedrale konnte die Madonna noch nicht gleich, denn wie hätte man dieses plötzliche Erscheinen erklären sollen? So nahm sie erst einmal in der Pfarrwohnung Quartier, später dann im Erzbischöflichen Ordinariat. Mittlerweile wurden die zuvor als ungenügend zurückgewiesenen Transportpapiere von der DDR auf einmal doch noch abgesegnet. Nun konnte die Madonna in die Kathedrale übersiedeln, man hatte aber das Problem: was transportieren wir denn jetzt, die Statue ist ja schon da? Schließlich reiste eine Antoniusstatue mit den Papieren der Gottesmutter. Die Grenzer haben zwar etwas gestaunt: die Madonna sah einigermaßen maskulin aus, trug aber immerhin ein langes Gewand – nach der Mondsichel hat anscheinend keiner gefragt. (Der hl. Antonius, der da unter falscher Flagge gesegelt ist, steht übrigens heute in der Unterkirche).

Mittlerweile tragen die schöne Muttergottes, die aus der Zeit um 1500 stammt, und ihr göttliches Kind Spuren der ungezählten Kerzen, die im Laufe der Jahrzehnte vor ihnen entzündet wurden (immerhin gibt es bei uns echte Opferlichter und keine elektrischen), und auch ich trage wohl ein wenig dazu bei, daß die Gottesmutter einen so rußigen Nasenrücken hat, indem ich dort für die bete, die ich im Herzen trage, daß die Gottesmutter sie unter ihren Schutz stelle – Maria mit dem Kinde lieb, uns allen deinen Segen gib.

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