Mittwoch, 31. Oktober 2012

Station unserer lieben Frau von Tschenstochau in Berlin

Etwas weniger „verrußt“ sah es schon aus als das Gnadenbild in Jasna Góra, das Bild unserer lieben Frau von Tschenstochau gestern abend in der Kathedrale, nichtsdestoweniger eine geweihte Ikone und als solche eine Verbindung zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche. In der gut gefüllten Hedwigskathedrale haben wir gestern die Heilige Messe mit diesem Bildnis gefeiert. Schaut man sich die ungeheure Strecke an, die das Gnadenbild unserer lieben Frau zurücklegt, kann man schon ins Staunen geraten – in vierundzwanzig Länder soll es kommen.

Das gab am Rande Anlaß zu Betrachtungen, warum man von mancher Aktion oder Pilgerfahrt im Vorfeld vergleichsweise wenig oder gar nichts hört, weil es kaum bekannt gemacht wird, und wo die Prioritäten dabei manches Mal gesetzt werden? Ein ökumenisches Tralala kriegt eine eigene Pressemitteilung, ein echter Anlaß des gemeinsamen Gebets im Jahr des Glaubens wird mit einem brotigen „Die Ikone wird während der hl. Messe um 18 Uhr ausgestellt“ abgehandelt. Irgendwie dachte ich, das heißt „besteht die Gelegenheit zur Verehrung“ oder so ähnlich, die Liturgie der Kirche ist ja schließlich keine Ausstellung im Museum. Die Gelegenheit der Verehrung bot mir übrigens auch Stoff zum Meditieren darüber, was etwa „entsteht“, wenn man mit seinem Rosenkranz eine Ikone berührt? (Bei Berührung einer Reliquie hätte man dann eine mittelbare Berührungsreliquie, soviel hab ich gelernt.) Anyway, ich habs jedenfalls gemacht, andere auch. Anschließend das Kreuz des Rosenkranzes küssen, wieder was gelernt.

Vor der Messe war es noch etwas bewegt, weil eigenartigerweise zuerst grün als liturgische Farbe gewünscht wurde (hä?) und dann, eine Viertelstunde vorher, dann doch weiß und mit den Eigenformularen der Marienmessen (ich habe gar nicht gewußt, daß wir dafür auch ein hellblaues Meßbuch und ein hellblaues Lektionar haben). Aber wir sind natürlich flexibel und stecken in letzter Minute auch kryptisch zu lesende Liedertafeln auf. Als „falscher Freund“ entpuppte sich dabei das Wunderschön prächtige vom Liedblatt, das auf eine doch etwas andere Melodie gesungen wird als sie bei uns im Gotteslob steht. Der Organist orgelte unbeirrt seins und die Altarinsel sang ihrs, die Gemeinde staunte. Schließlich hab ichs gemacht wie der Ministrant gegenüber, der mit schallender Stimme unsere Version sang. Daß die Gemeinde nach dem Kyrie und noch vor dem Tagesgebet ein längeres Grußwort eines Laien im Stehen anhören mußte als sei es das Evangelium fand ich liturgisch etwas ungünstig, womöglich war das aber ein Versehen.

Nach der Heiligen Messe haben wir noch den Rosenkranz vor dem Gnadenbild beten können, der Zelebrant selbst hat schönerweise im Chormantel vorgebetet und -gesungen. Mit dem schmerzhaften Rosenkranz konnte man an dieser Stelle einmal ein wenig ernst machen, da viele auf dem Steinboden und den Treppenstufen zur Unterkirche knieten. Vielleicht wars grade deshalb schön. Begrüßt und verabschiedet haben wir das Gnadenbild mit dem schönen Gruß des Salve Regina, bevor es dann in die polnische Mission zur Johannesbasilika weiterzog, wo die ganze Nacht Anbetung war.


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Mit den Aufnahmen war etwas schwierig, schon weil ich ungern betende Menschen stören möchte. 

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