Montag, 8. Oktober 2012

Offertorium

Teil der Gabenbereitung ist die Bereitung oder auch Zurüstung des Altares in der Form, daß außer den Gestalten von Brot und Wein alles andere herbeigebracht wird, was bei der Feier des Meßopfers auf dem Altar gebraucht wird und nicht bereits dort ist: das Korporale, das Meßbuch und der Kelch mit Kelchtuch, Palla und Patene.

Kelch wie Meßbuch werden von Altardienern gebracht, der Kelch zuweilen auch vom Diakon. Wer auch immer den Kelch bringt, stellt ihn neben das Korporale. Wahrscheinlich wissen das die meisten Ministranten, es ist indes seit einiger Zeit vorgekommen, daß Kommunionhelfer den Kelch brachten und den Kelch mittig aufs Korporale stellten. Es ist mir nie eingefallen, denjenigen zu fragen, warum er das tut, vielleicht entspricht es seiner Auffassung von Symmetrie oder auch einem gewissen Servicedenken, einerlei, denn es gehört zu den priesterlichen Aufgaben, den Kelch auf das Korporale zu stellen.

So begab es sich unlängst, daß ein Priester einen Kommunionhelfer nicht nur bat, den Kelch neben das Korporale zu stellen, bitteschön, sondern sich auch die Zeit nahm und demjenigen netterweise eine theologische Erläuterung dazu gab: mit der Gabenbereitung und den Segensgebeten des Priesters über die zu wandelnden Gaben gelten die Gaben als aus dem profanen Bereich ausgesondert und für den Gebrauch im Dienste Gottes geweiht (was genau der Grund ist, weshalb wir nach der Purifikation des Kelches etwa noch vorhandene Reste von Wein und Wasser, die zwar nicht gewandelt, aber eben aus den weltlichen Dingen ausgesondert sind, entweder trinken oder aber ins Sakrarium geben. Direkt aufs Erdreich gießen ginge auch).

Da der Kelch an der Seite des Altares bereitet wird, hätte es auch vom Servicegedanken her übrigens für den Altardienst keinen Sinn, ihn mittig auf das Korporale zu stellen, denn derjenige, der den Kelch bereitet, muß ihn ja dann doch gleich wieder herunternehmen.

Bei der Bereitung des Kelches, bei der zum Wein, der durch die Wandlung Blut Christi werden soll, eine kleine Menge Wasser gegeben wird, betet der Priester oder der Diakon leise:
Wie das Wasser sich mit dem Wein verbindet zum heiligen Zeichen, so lasse uns dieser Kelch teilhaben an der Gottheit Christi, der unsere Menschennatur angenommen hat.
Die mit dem Emporheben der Gaben am Ende der Gabenbereitung gesprochenen Gebete hört man je nach Vorliebe des Zelebranten täglich, öfter oder auch selten laut gesprochen:
Gepriesen bist du, Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst uns das Brot, die Frucht der Erde und der menschlichen Arbeit. Wir bringen dieses Brot vor dein Angesicht, damit es uns das Brot des Lebens werde. 
Gepriesen bist du, Herr, unser Gott, Schöpfer der Welt. Du schenkst uns den Wein, die Frucht des Weinstocks und der menschlichen Arbeit. Wir bringen diesen Kelch vor dein Angesicht, damit er uns der Kelch des Heiles werde.
Die Gemeinde antwortet darauf jeweils mit Gepriesen bist du in Ewigkeit, Herr unser Gott.

Etwas davon, daß Wasser und Wein nunmehr dem weltlichen Gebrauch entzogen sind, deutet sich auch dem kleinsten Ministranten schon an, wenn der Priester bei der Bereitung des Kelches das Kreuzzeichen über den Kännchen macht.

Daß der Priester sich die Zeit genommen hat, dem Kommunionhelfer das mit der Aussonderung zu erklären, empfand ich als noblen Zug, vielleicht ist er auch der Meinung, daß man aus Einsicht heraus etwas viel eher und bereitwilliger tut (jedenfalls, wenn man guten Willens ist, wovon in der Liturgie ja erstmal auszugehen ist), möglicherweise ist es auch einfach nicht sein Stil, die Butter gleich mit der Axt einzuhauen. Die Ansprache durch den Priester neulich war auch nicht die erste, sondern nur die bisher deutlichste, bei aller Deutlichkeit aber noch sehr freundlich – oder auch umgekehrt: bei aller Freundlichkeit einigermaßen deutlich. Umso erstaunter war ich, als just bei einer anderen Gabenbereitung derselbe Kommunionhelfer den Kelch brachte und ihn wiederum, plunk!, auf dem mittleren Feld des Korporales abstellte. Da dezente Signale (ich mags nicht, aller Aufmerksamkeit auf etwas zu lenken, das grade quergeht) sämtlich nichts nutzten, hab ich schließlich mit einer hoffentlich ebenfalls einigermaßen unauffälligen Geste und ohne das plunkige Geräusch den Kelch neben das Korporale gestellt. Von einer weiteren Ansprache nach dem Gottesdienst verspreche ich mir nichts, ich glaub, es ist jetzt oft genug gesagt worden. Wenn ein Kurzvortrag durch einen ausgewachsenen Priester nicht hilft, dann tut es auch nichts, was ich oder ein anderer noch sagen könnte.

Irgendwie eigenartig ist, daß ein Kommunionhelfer damit etwas tut, das in der Liturgie nicht einmal dem Diakon zukommt: Kelch und Gaben auf das Korporale bzw. direkt auf den Altar zu stellen. Auch für die Hostienschalen oder Patenen, auf denen einzelne Hostien gebracht werden gilt, daß sie von dem, der sie bringt, nicht auf den Altar gestellt, sondern dem Diakon oder Zelebranten in die Hand gegeben werden.[1] Allenfalls sollte man erwarten, daß ein Kommunionhelfer das weiß.


____
[1] Allgemeine Einführung ins das römische Meßbuch, 102 und 103
Bilder: spanische Karmeliten feiern die Heilige Messe im Eigenritus des Ordens


Kommentare:

chiqitac hat gesagt…

Vielleicht weiß der Kommunionhelfer nicht, was "Korporale" ist?...
(...searchinng for explanations...)

Admiral hat gesagt…

Schöne Zusammenfassung.

Allerdings:

Die Gemeinde antwortet darauf jeweils mit Gepriesen bist du in Ewigkeit, Herr unser Gott.

Das kenne ich nur als sehr seltenen lokalen "Eigenbrauch" (wie etwa auch die Wiederholung des Halleluja Rufes nach dem Evangelium)..

Laut Meßordinarium (ich hab grad einen Schott vorliegen) kommt dieser Text dem Priester an der entsprechenden Stelle zu. Es scheint sich also nicht um eine Akklamation des Volkes zu handeln.

Die Grundordnung des römischen Meßbuches sagt leider dazu nichts, da müssen wir wohl aufs neue Ordinarium warten.

Braut des Lammes hat gesagt…

Ah?! Dann hätte ich in diesem Fall etwas gelernt, ich kenne es (an verschiedenen Orten) nur so, daß die Gemeinde oder der Altardiener darauf antwortet und fands vom Sinn der Bekräftigung her auch sehr schön.

Eine goldene Brücke, Chicitaq, aber das weiß er schon. Was dabei so etwas gegen den Strich bürstet ist, Dinge nicht wissen kann man ohne Ende. Wenn aber jemand belehrt wird und mag nicht hören…

Flo hat gesagt…

Was ich genauso doof finde ist, dass viele Kommunionhelfer nach der Kommunionspendung das Ciborium mit dem gewandelten Herrenleib direkt! neben das Korporale stellen.
Da ist bei vielen irgendwie überhaupt kein Gespür da...

Braut des Lammes hat gesagt…

Meines Wissens behalten außerordentliche Spender die Schale in der Hand und übergeben sie nach der Spendung wiederum dem Zelebranten. Mit dem Gespür ist das wirklich so eine Sache.

Gabriele hat gesagt…

Interessant, denn eigentlich müssen Kommunionhelfer ja einen Kurs machen.In dem Zusammenhang hat mich immer erstaunt, dass Erstkommunionkatecheten das nicht müssen. Statt dessen - auch das musste ich neuerdings lernen - muss man anscheinend einen Kurs machen, wenn man Touristen die Struktur einer katholischen Kirche und ihrer Einrichtungsgegenstände erklären will, das darf man nämlich nicht so einfach - ich hätte eigentlich gedacht, dass jeder Katholik da können sollte. Wahrscheinlich darf man dann, wenn man den Kurs hat, aber erzählen was man will, ob es stimmt oder nicht...

Braut des Lammes hat gesagt…

Als ehrenamtlicher Katechet muß man keinen Kurs machen, stimmt, wohl, weil man davon ausgeht, daß der Pfarrer für die Katechese nur solche anspricht, die er für die Weitergabe des Glaubens geeignet hält (wie es bei Erstkommunikanten aussieht, kann ich nicht recht sagen, aber katechetische Kurse für Firmlinge hab ich in meiner früheren Gemeinde mitgehalten).

Gabriele hat gesagt…

Aber das würde doch auf die Kommunionhelfer auch zutreffen, oder? Dass der Pfarrer schon die richtigen auswählt. Ich kannte eine Erstkommunionkatechetin, die von ihrem Pfarrer den Rat bekam, sie solle den Kindern erklären, die Kommunion sei so ähnlich, wie wenn man Spätzle isst, die die verstorbene Oma, besonders gut machte, denn dann würde man sich bei jedem Spätzleessen an die Oma erinnern. Die Frau war zu Tränen gerührt, denn sie lebt in gemischt-konfessioneller Ehe und hat bei dieser Erklärung des (katholischen) Pfarrers "erkannt", dass sich die katholische und die evangelische Auffassung eigentlich nicht unterscheiden. Ja - wenn das so ist, wie jener Pfarrer sagte, dann hat sie recht.
Es kann also sein, dass die erwähnte Kommunionhelferin von einem anderen Priester eine andere Erklärung oder Einweisung bekommen hat. zB von einem, der (wie ein hiesiger Pfarrer) in den Fürbitten regelmässig dafür betet, dass die Unterschiede zwischen Priestern und Laien verschwinden mögen. Das Problem liegt ja oft darin, dass unsere Priesterschaft die Dinge eben auch sehr unterschiedlich sieht und vermittelt.

Braut des Lammes hat gesagt…

Bei den Kommunionhelfern ist es insofern etwas anderes, als diese vom Bischof für die Pfarrei, in der sie jeweils Kommunionhelfer sein sollen, beauftragt werden. Dem geht ein Kurs voraus, denn die Kommunionhelfer müssen ja das Nötige für ihren Dienst wissen. Darüber hinaus kann man in einer entsprechenden Situation auch ad hoc vom zuständigen Zelebranten beauftragt werden (dieser soll sich bei der Beauftragung aber auch an bestimmte Kriterien halten, zum Beispiel soll er bevorzugt andere anwesende Priester oder auch Personen des geweihten Lebens darum bitten).

Dem Kommunionhelfer ist schon vermittelt worden, wie bestimmte Dinge gehandhabt werden (eigentlich ist es nicht einmal seine Sache, den Kelch dorthin zu bringen, sondern die des Altardienstes) aber er hört nicht.

Daß es wirklich solche Erklärungen zur heiligen Kommunion geben soll, kann ich immer gar nicht glauben. Das heißt nicht, daß ich Dir nicht glaube, sondern, daß ich es einfach nicht verstehe. Die schlichteste Erklärung die ich einmal für den Vorgang der Wandlung gehört habe, war: Da vorne kommt jetzt Jesus. Das kann man auch dem kleinsten Kind erklären.

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