Donnerstag, 25. Oktober 2012

Instructions on singing

Seit einiger Zeit tendiert unser Gemeindegesang an den meisten Tagen zu etwas, das man fast nur noch mit „Brüllaffen direkt aus der Hölle“ zusammenfassen kann – ein unseliges Beispiel dafür, wie ein einzelner den Gesang einer ganzen Gemeinde in Grund und Boden singen kann, indem er zum Beispiel grundsätzlich auf dem Ton singt, den der Priester nicht angestimmt hat[1], überlaut und in einem anderen Rhythmus, als dem, den die Orgel spielt oder der Kantor vorsingt. Versuche, dagegen anzusingen, enden meist damit, daß man selber lauter singt, als man eigentlich möchte (einfach, um sich selbst noch zu hören) und somit nahezu die ganze Versammlung zu Schreihälsen mutiert. So soll es nicht sein. Für Akklamationen bzw. deren Antwort gilt übrigens grundsätzlich: man antwortet in dem Ton und in der Tonhöhe, die der Priester angestimmt hat. Das kann man gut finden oder auch nicht, es kann einem leicht fallen oder auch nicht, es ist aber einfach so, daß nicht jeder singen kann, was er will. Man mißverstehe mich bitte nicht: alle sollen singen, ob sie musikalisch sind oder nicht, es geht darum, sich in Lautstärke und Rhythmus der Gemeinde anzupassen, also zusammen zu singen, nicht gegeneinander.

Auch sagt er zur Unzeit „Amen“, nämlich dann, wenn alle anderen es gerade nicht sagen.[2] Obwohl ich weiß, daß es auch anderen so geht wie mir, gab mir das Stoff zum Nachdenken, wieso ich mich nicht einfach davon freimachen kann, wieso etwas derart Äußerliches meine Andacht und Konzentrationsfähigkeit manchmal so zunichte machen kann? (Neulich einmal hatte ich einige Tage das Gefühl, die Heiligen Messen wären auf einmal so wunderbar meditativ und gnadenerfüllt – was sie in der Tat auch waren –, das Meditative lag aber vor allem im Fehlen des besagten Brüllers, der offenbar in Urlaub gefahren war. Wunderbar, Urlaub für alle!) Bei einigen Gesängen weiß ich es: der Antwortpsalm wie das Sanctus sind für mich Ruhepunkte in der Messe, Stellen großer Sammlung – weshalb ich auch vor allem den Antwortpsalm ganz wunderbar finde: in ihm betrachtet die Gemeinde die Worte der Lesung (und mittelbar auch das Tagesevangelium).

Im Sanctus wiederum vereinigen wir uns buchstäblich mit den Engeln im Himmel, jenen von deren Gesang der ganze Himmel erfüllt ist und die unaufhörlich rufen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr der Heere. Von seiner Herrlichkeit ist die ganze Erde erfüllt. In diesem Moment sind sich Himmel und Erde ganz nahe, man spürt förmlich, wie einem Flügel aus dem Rücken sprießen, und es wäre schön, wenn etwas von der Herrlichkeit des Himmels und des Anblicks Gottes in diesem unserem Gesang zum Ausdruck käme. Wie einmal ein alter Monsignore gepredigt hat: „Es muß nicht kunstvoll sein, aber es sollte doch schön sein.“

John Wesley[3], ein Prediger der Methodisten im 18. Jahrhundert, in seiner Anleitung zum Singen
  • Singt alle. Achte darauf, daß du so gut wie möglich mit der Gemeinde singst. Laß dich nicht im mindesten von Schwäche oder Überdruß hindern. Wenn dir das ein Kreuz ist, nimm es auf dich und es wird dir zum Segen werden.
  • Sing herzhaft und trau dir etwas zu. Hüte dich davor, zu singen als wärest du halbtot oder im Halbschlaf, sondern erhebe deine Stimme mit Kraft.
  • Sing maßvoll. Gröle nicht, sodaß man dich nicht schon aus großer Entfernung oder aus der Gemeinde heraushört, damit du nicht die Harmonie störst.
  • Sing im rechten Zeitmaß. Welches auch immer gesungen wird, achte darauf, daß du es einhältst. Eile nicht voraus noch bleibe dahinter zurück. Sieh dich auch vor, daß du nicht zu langsam singst.
  • Vor allem sing geistlich. Bei jedem Wort, das du singst, richte deine Augen auf Gott und strebe an, ihm mehr zu gefallen als dir selbst oder irgendeinem anderen Geschöpf. Um das zu erreichen, merke auf den Sinn dessen, was du singst und laß dein Herz nicht vom Klang davontragen, sondern biete es beständig Gott dar; so wird Gott dein Gesang wohlgefällig sein und er wird es dir lohnen, wenn er wiederkehrt in den Wolken des Himmels.

___
[1] So gibt es etwa, was mancher nicht weiß, für die Akklamation Geheimnis des Glaubens mehrere Töne. Das gleiche gilt für das Vaterunser.
[2] Wer einmal längere Zeit die Gottesdienste in einem Kloster mitgefeiert hat, ist für die Welt wahrscheinlich ohnehin in gewisser Weise verdorben, vermute ich: ich zucke jedesmal zusammen, wenn jemand mit der Sakristeitür knallt oder die Stimme lauter erhebt, als er unbedingt müßte.
[3] in meiner Übertragung

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