Donnerstag, 4. Oktober 2012

Das Antlitz Christi – zum Fest des hl. Franziskus von Assisi


Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen. (1 Kor 1 22-25)

Das Zeichen des Kreuzes hat das Leben des hl. Franziskus bestimmt. Vom Kreuz von San Damiano herab hörte der Heilige die Stimme, die ihn berief, das Haus des Herrn wiederherzustellen (Papst Innozenz bezog dies später nach einem Traum auf das Haus der ganzen Kirche. Die Kirche hat diesen Gedanken später sehr schön in das Tagesgebet zum Fest der Stigmatisation des hl. Franziskus aufgenommen: …da die Welt zu erkalten begann, hast du am Leibe des hl. Franziskus die heiligen Wundmale deines Leidens erneuert, um unsere Herzen mit dem Feuer deiner Liebe zu entflammen.

Der hl. Franziskus wurde Christus so ähnlich, daß dieser ihm gegen Ende seines Lebens die Gnade verlieh, die Wunden des Gekreuzigten an seinem Leib tragen zu dürfen (der hl. Franziskus ist der erste überhaupt, von dem solches berichtet wird). Zwei Jahre vor seinem Tod zog sich der hl. Franziskus auf den Alverna zurück, um dort die vierzig Tage vor dem Fest des Erzengels Michael in Fasten und Gebet zu verbringen. Der hl. Bonaventura berichtet:
Franziskus wurde im Überschwang seiner seraphischen Liebe zu Gott emporgehoben, durch süßes Mitleiden ganz und gar in ihn verwandelt, der aus übermächtiger Liebe sich bereitwillig für uns kreuzigen ließ.
Am Morgen des Festes der Kreuzerhöhung, als Franziskus in der Abgeschiedenheit des Berges im Gebet versunken war, erblickte Franziskus einen Seraphen, dessen sechs Flügel erglühten. Als der Seraph zu ihm herabstieg, gewahrte der Heilige in seiner Mitte den Gekreuzigten. Als die Vision verblaßte, ließ sie einen unaussprechlichen Glanz im Herzen des Heiligen zurück – und die fünf Wunden Christi an seinem Körper. Fortan wird von Franziskus berichtet:
Seine Hände und Füße waren in der Mitte von Nägeln durchbohrt; die runden schwarzen Nagelköpfe waren auf dem Rücken der Hände und Füße zu sehen, während die ziemlich langen Spitzen auf der anderen Seite zum Vorschein kamen und umgebogen waren und das übrige Fleisch, aus dem sie heraustraten, überragten. Auch hatte er an seiner rechten Seite eine rote Wunde, als wäre er von einer Lanze durchbohrt, und oft floß Blut daraus hervor, das sein Unterkleid und alles, was er auf den Lenden trug, durchtränkte.
Obwohl Franziskus so gut es ging, bemüht war, dies zu verbergen, gelang es ihm doch nicht völlig. Nach seinem Tode untersuchte man die Wunden und erstellte über den Befund ein kirchliches Dekret.

Der hl. Franziskus hat sich durch Christus so entflammen und verwandeln lassen, daß Christus selbst in ihm sichtbar wird. Die Stigmatisation des Heiligen ist ein äußerliches Zeichen für das, was sich im Heiligen innerlich zeitlebens vollzogen hatte. Auch wenn den meisten von uns wohl nicht die Wundmale Christi zuteil werden – es ist eine Gnade, die auch Heiligen selten verliehen wird –, soll uns der hl. Franziskus ermutigen, Christus so ähnlich zu werden wie wir können, uns ganz von Christus ergreifen zu lassen, damit er durch uns sichtbar wird, daß die Menschen durch uns das Antlitz Christi sehen, das das Antlitz der Liebe ist.

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