Freitag, 7. September 2012

Wie schafft man die eucharistische Anbetung ab? Eine einfache Schritt-für-Schritt-Anleitung in fünf Punkten


  • Man schaffe über längere Zeit hinweg möglichst ungünstige Bedingungen für Stille, indem man zur fraglichen Zeit auch sommers etwa sämtliche Nebeneingänge konstant geöffnet hält und die Krypta, in der die Anbetung stattfindet, weder mit Kordeln noch mit einem gesonderten Hinweisschild in der Oberkirche, das um Schweigen bittet, irgendwie optisch absperrt. Der elektrische Türöffner öffnet die Türen übrigens schon auf bloßen Verdacht hin. Ein Gummipunkt für Gastfreundlichkeit!

  • Bei Anwesenheit von Betern in Priester- oder Chorkleidung oder mit Schleier sinkt der Geräuschpegel und die Bereitschaft von Touristen, die Unterkirche, in der zugleich auch Beichtzeit ist, besichtigen zu wollen, dramatisch. (In anderen Ländern gibt es auch Ehrenamtliche – etwa von einer der vielen Laienbruderschaften –, die in einem solchen Fall eine Art Aufsichtsfunktion in der Kirche übernehmen und ggf. Fragen beantworten. Wir haben stattdessen das „niederschwellige Angebot“ anderswo.) Egal!

  • Man könnte jederzeit Orgelspiel und Gesang zur Aussetzung und zum Tantum ergo haben. Egal!

  • Man höre ab sofort auf, in den Vermeldungen und im Pfarrbrief auf die wöchentliche eucharistische Anbetung – und die damit verbundenen erweiterten Zeiten zur Beichte – hinzuweisen. Beides gibt es weiterhin, nur weiß es eben keiner.

  • Wenn die Teilnehmerzahl an der wöchentlichen eucharistischen Anbetungsstunde vorher kontinuierlich weniger wurde und jetzt ganz und gar zurückgeht, frage man sich nicht, woran das liegen könnte, sondern denke stattdessen darüber nach, die Anbetung abzuschaffen, „weil ja keiner mehr hinkommt“.
Falls das jetzt irgendwie sarkastisch klingt, tut es mir leid. Ich kann nur einfach nicht verstehen, daß die Gemeinde mit dem ungeheueren „Pfund“, das der Kirche anvertraut worden ist, so wenig wuchert. Als ich zum ersten Mal in eine Kirche kam, in der sakramentale Aussetzung war und alles reihenweise auf dem bloßen Boden kniete, hat es mich wirklich ergriffen. Auch die schöne doppelte Kniebeuge mit Verneigung hatte es mir sofort angetan. Beim Nightfever und in den Ölbergstunden am Gründonnerstag spürt man oft etwas davon, aber das kann es doch nicht einzig sein. Erst am vergangenen Fronleichnamsfest hat der Heilige Vater erneut zur Hinwendung zur eucharistischen Anbetung aufgerufen:
Indem die ganze Beziehung mit dem eucharistischen Jesus allein auf den Augenblick der Heiligen Messe konzentriert wurde, riskiert man, die restliche Zeit und die existenziellen Räume seiner Gegenwart zu entleeren. Und so nimmt man weniger die ständige Gegenwart Jesu mitten unter uns und mit uns wahr, eine konkrete, nahe Präsenz, in unsern Häusern, als „pulsierendes Herz“ der Stadt, des Landes, der Region mit ihren verschiedenen Vollzügen und Aktivitäten. Das Sakrament der Liebe Christi muß unser ganzes Leben durchdringen.
Ich gebe zu, manchmal hab ich die innere Ruhe nicht wirklich, einmal bin ich sogar eingenickt (es war zu warm) – andererseits, wer weiß, was der Herr damit macht und was das Immer-wieder-aufs-Neue-Versuchen aus mir auf Dauer macht?

Die Kirche nennt die Eucharistie Quelle und Höhepunkt unseres Lebens und unseres Glaubens – bald beginnen wir das Jahr des Glaubens. Den sakramentalen Segen zu empfangen ist etwas Wunderschönes. Wie schön wäre es auch, wenn man an den Samstagnachmittagen etwas von der Atmosphäre und vom Geist des stillen Gebets vor dem ausgesetzten Allerheiligen spüren könnte.

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[1] aus der Predigt Papst Benedikts zum Fronleichnamsfest 2012

Kommentare:

Eugenie Roth hat gesagt…

Wie wahr: Gott braucht unser Gebet nicht, wird dadurch nicht größer oder schöner ... WIR brauchen es - und es wird so wenig genutzt ...

Chorhummel hat gesagt…

Noch'n Punkt:
Die für die Aussetzung verantwortlichen Laien möchten die Eucharistische Anbetung nicht regelmäßig anbieten - "wenn jemand von uns da ist, findet sie statt, sonst fällt sie eben aus". Bloß nicht verbindlich sein und sich festlegen. Natürlich ist die Eucharistische Anbetung nur für Insider und wird nicht im "Blättchen" angekündigt. *augenroll*

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