Samstag, 8. September 2012

Nativitas tua, Dei Genitrix Virgo…

Das Fresko der Geburt der Jungfrau Maria im Ganzen.
Links oben an der Tür des Raumes die Szene der Begegnung der Eltern Mariens, Anna und Joachim, wie sie im Protoevangelium des Jakobus berichtet wird.


Ein besonderes Detail eines Bildes, das ich im vorletzten Jahr über den Beitrag zum Fest der Geburt Mariens gesetzt hatte, freut mich jedes Mal, wenn ich es sehe: Über der Szene der Geburt steht auf dem Paneel des Raumes[1] in goldenen Lettern geschrieben:

Nativitas tua, Dei Genitrix Virgo,
gaudium annuntiavit universo mundo

Das ist der Jubelruf, den heute die ganze Kirche anstimmt: Deine Geburt, Jungfrau und Gottesgebärerin, hat der ganzen Welt Freude gebracht. Daß gleich darüber auch die Engel gut gelaunt feiern, ist daher sehr angemessen. Es ist die Freude in der beginnenden Dämmerung unserer Erlösung, in der die Menschheit den Stern, mit dem Maria ebenfalls verglichen wird, am Himmel sieht und weiß, bald geht die Sonne auf, Christus, der Herr.

Der zweite Vers des schönen alten Hymnus' Ave maris Stella für die Marienfeste besingt, wie durch Marias Mir geschehe wie du gesagt hast, das heißt im allerersten Augenblick der Menschwerdung Christi, der Name Evas gewendet (wörtlich: verwandelt) wird: aus dem Namen Eva wird das Ave des Engels, die Botschaft, die Maria verwundert, aber vertrauensvoll annimmt und so für die Menschen wahrhaft das „selig Tor zum Himmel“ wird. Die Geburt der Jungfrau Maria, ohne den Makel dieser Sünde empfangen, bereitet den Weg dazu.

Sumens illud Ave
Gabrielis ore,
funda nos in pace,
mutans Hevae nomen.

____
[1] Drolligerweise hat der Künstler Domenico Ghirlandaio seine Signatur ebenfalls im Paneel versteckt. Das Fresko befindet sich in der Capella Maggiore der Dominikanerkirche Sta. Maria Novella in Florenz. Vor einigen Jahren hab ich längere Zeit dort verbracht und ganz in der Nähe gewohnt (nicht am Bahnhof, sondern in der Via dei Banchi). Hier kann der Betrachter mit einer interaktiven Karte ein wenig in Sta. Maria Novella herumstöbern.

Kommentare:

Eugenie Roth hat gesagt…

Verzeihung, Frage eines Laien: Oben links im Bild, das scheinen mir zwei Frauen zu sein und ich habe spontan an die Gegegnung von Maria und Elisabeth gedacht, die beide mit ihren heiligen Kindern im Leibe sich begrüßen ... ???

Braut des Lammes hat gesagt…

Nein, das ist eine Falle, in die man leicht tappen könnte, in der Tat hätte die Heimsuchung – im Hintergrund, also vom Betrachter weiter entfernt dargestellt – aber wenig Sinn, da ja Maria erstmal geboren werden muß, bevor sie und Elisabeth sich begegnen können.

Die Begegnung im Hintergrund ist die von Joachim (der ältere Mann in rot) mit Anna am goldenen Tor. Dieses Motiv wird verschiedentlich mit dargestellt, etwa auf dem Bild von Lippi hier. Manchmal sind es auch andere Begebenheiten, die sich auf die Eltern Mariens beziehen, wie die Ankündigung der Geburt der Gottesmutter durch Engel oder das Opfer des hl. Joachim in der Wüste.

Eugenie Roth hat gesagt…

... jetzt hat sich die alte Dame das Bild mal vergrößert ... da wird es deutlich, dass es ein Mann ist ... die trugen damals halt einfach noch keine Hosen (((-; MERCI für die Aufklärung!!!

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