Montag, 17. September 2012

Jegliches hat seine Zeit − Quatember

Die Woche nach Kreuzerhöhung gehörte zu den traditionellen Quatembern der Kirche. Die Frage, was eigentlich genau Quatember sei, hat mich daran erinnert, daß eine Freundin nach dem Katechumenat genau die gleiche Frage wälzte, daraufhin den nächstgelegenen Priester fragte und dieser es auch nicht zu wissen schien. Irgendwie scheint das Wort auch aus dem Sprachgebrauch unserer Gemeinden verschwunden oder als etwas gehandhabt zu werden, was man früher hatte. Dabei sind die Quatember mitnichten abgeschafft, sie sind sogar im liturgischen Verzeichnis vermerkt, womöglich vor allem, um den Zelebranten daran zu erinnern, daß er das Meßformular für die Quatember nimmt.

Quatember sind ganz einfach Bußtage, die wie die Tage der Advents- oder Fastenzeit seit altersher mit Fasten, Abstinenz, vermehrten Andachtsübungen, Almosengeben und dem Gebet in den Anliegen der Kirche verbunden waren (aus diesem Grund fanden Priesterweihen auch oft in den Quatembern statt). Historisch lassen sie sich in die Zeit zwischen dem dritten und fünften Jahrhundert zurückverfolgen. Noch dem CIC von 1917 war zu entnehmen:
Abstinenz und Fasten sind zu halten am Aschermittwoch, an den Freitagen und Samstagen der Fastenzeit, an den Quatembertagen und an den Vigiltagen von Pfingsten, Allerheiligen, dem Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens und Weihnachten.
Durch die Quatember sollen der Anbruch der jeweiligen Jahreszeiten geheiligt werden, der der Natur wie der der Kirche. Die Kirche ermutigte die Gläubigen daher auch dazu, in dieser Zeit das Bußsakrament zu empfangen.
Asche, Pfingsten, Kreuz, Luzei − gedenke, daß Quatember sei.
(Englisch klingt es ähnlich nett: Fasting days and emberings be: Lent, Whitsun, Holyrood, and Lucie oder ganz kurz: Lenty, Penty, Lucy, Crucy)
dienen als Merkverse, um sich die Lage der Quatember einzuprägen. Die Quatember fielen demzufolge in die erste Woche der Fastenzeit, in die Pingstoktav, nach Kreuzerhöhung und in die dritte Woche der Adventszeit (nach dem Fest der hl. Lucia am 13. Dezember, also bevor die Kirche mit den O-Antiphonen in die unmittelbare Zeit der Vorbereitung auf das Fest der Geburt des Herrn eintritt) − Frühling, Sommer, Herbst und Winter.

Dabei gelten als Quatembertage nach alter Tradition der Westkirche Mittwoch, Freitag und Samstag, man kommt also so auf eine Zwölfzahl an Quatembertagen: je drei Tage in vier Wochen. Mittwoch und Freitag sind alte Fasttage in der katholischen Kirche: Mittwoch, der Tag, an dem Judas Iskariot Jesus verriet und Freitag, an dem er gekreuzigt wurde.

Papst Paul VI., erklärte 1966 das Fasten der Gläubigen an den Quatembern für nicht mehr verbindlich und ermunterte die Bischofskollegien, die sonstigen Einzelheiten selbst festzulegen. Warum man sich hier in der Folge dazu entschied, die Quatember zu verlegen, mögen historisch klügere Köpfe als ich beantworten. Nur die Frühlingsquatember blieben, wo sie einmal waren, in der ersten Woche der Fastenzeit. Die anderen Quatember sind nun: vor Pfingsten, in der ersten Oktoberwoche und in der ersten Adventswoche. Das möge sich merken wer will, vielleicht erscheint es verwirrender, weil kein rechter Sinn darin zu liegen scheint: gerade die Verlegung der Herbstquatember auf die erste Oktoberwoche bedeutet die Trennung der altehrwürdigen Verbindung des Festes der Kreuzerhöhung und dem Beginn der Fasten in einigen Orden, wie etwa den Karmelitinnen und den Kartäusern. Vorher gabs also eine Verbindung zur Liturgie der Kirche, jetzt nur noch zur (natürlichen) Jahreszeit. Da wir aber auch nicht mehr zu fasten brauchen, ist mehr als eine schöne Verbindung durchtrennt.

Ich finde das schade: wie im Beitrag Fastenzeit und Fastenopfer schon einmal bemerkt: Gewiß kann der einzelne nach Belieben fasten, doch hat es noch einmal einen anderen Charakter, wenn er dies in Gemeinschaft mit der Kirche tut, die es sich als ganze vornimmt, und da erscheinen zumindest mir Aschermittwoch und Karfreitag als einzige verbliebene Fast- und Abstinenztage eines ganzen Kirchenjahres als deutlich zu wenig.

Außerdem: warum alte Bräuche ohne Not über Bord werfen? Solche Bräuche schaffen Identifikation mit dem Sein und Tun der Kirche als Leib Christi. Zuerst entkleidet man die Tage ihres Brauchtums, dann verschiebt man sie auf einen scheints einigermaßen willkürlich gelegten Zeitpunkt. Wenn dann irgendwann das Wissen darum schwindet, braucht man sich hier, meine ich, nicht zu fragen, was zuerst da war, die Henne oder das Ei. Es vernachlässigt meiner Ansicht nach auch, daß unser Leben zum Kranz (und auch zum Glanz) des Kirchenjahres eine Verbindung hat. Indem wir das Jahr der Kirche mit seinen Festen, Sakramentalien und Brauchtümern mitleben, erhalten und stärken wir diese Verbindung. Ich fände es daher schön, wenn die Quatember an ihren angestammten Platz zurückkehrten.

Das Meßformular für die Quatember ist meines Wissens eine Votivmesse in den Anliegen der Kirche. Dabei vermehrt für die geistlichen Berufungen zu beten oder die Heilige Messe in diesen Anliegen zu feiern, ist sicher ein guter Gedanke: wir sind der Leib Christi und jeder einzelne von uns ist ein Glied an ihm.

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Bild rechts: Ymber day tart, ein Traditionsrezept für die Quatember aus Grünzeug, Safran und Zwiebeln.

Kommentare:

chiqitac hat gesagt…

Danke für die (meine) Weiterbildung!

Johannes hat gesagt…

Den neuen Kalender verstehe ich um so weniger, je länger ich ich damit befasse.

Braut des Lammes hat gesagt…

In mancher Hinsicht verstehe ich ihn schon (etwa die neuen Heiligen), in anderer geht es mir wie dir.

servusmariaen hat gesagt…

vielen dank fuer dieses Posting ueber Quatembertage. ich finde es sehr schade dass solche alte, bedeutungsvolle traditionen einfach mit einem Stift abgeschaffen wurden oder wie in diesem Fall vermindert worden sind im neuen Kalendar. ich persoenlich pflege seit Jahren die Quatember tagen. Ihr Blog gefaellt mir. ich habe auch so ein Blog in Englischer Sprache http://triregnum.blogspot.com/

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