Freitag, 14. September 2012

Erhöhung des heiligen und kostbaren Kreuzes


Das Fest der Erhöhung des heiligen und kostbaren Kreuzes erscheint mir als ein Art Gegenstück zum Fronleichnamsfest, obwohl es eine ganz andere Geschichte hat. An Fronleichnam feiern wir die Einsetzung der Eucharistie, was so prunkvoll am Gründonnerstag nicht möglich wäre. Während die Kirche am Karfreitag das Leiden und Sterben Christi betrachtet, wird uns am Fest der Kreuzerhöhung die Herrlichkeit und Glorie vor Augen gestellt, die dem Kreuz entströmt: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit, für uns aber Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Dies ist das eigentliche Christkönigsfest der Kirche – das Kreuz selbst ist Herrlichkeit und Erhöhung Christi, wie wir vom hl. Andreas von Kreta in der Matutin dieses Festes hören.In den Ostkirchen trägt der Priester das Kreuz, nachdem er es inzensiert hat, dreimal durch die Kirche, dabei singen die Gläubigen: Hilf uns, o lebensspendendes Kreuz und rette dein Volk. Anschließend wird mit dem Kreuz der Segen in alle vier Himmelsrichtungen erteilt, den Gläubigen und dem Erdkreis.[1]

Nach der Schrift wurde Jesus an einem Kreuz auf dem Hügel Golgotha gekreuzigt, der Schädelstätte. Der Überlieferung zufolge hat das Holz des Kreuzes eine eigenartige Geschichte: ein Baum führte einst zur Vertreibung aus dem Paradies, mit einem Holz schlug Mose in der Wüste für das Volk Israel lebensspendendes Wasser aus dem Felsen. An einen hölzernen Stab hängte Mose auch die Kupferschlange, deren Anblick die Israeliten vor dem Tod bewahrte. Nach Jerusalem, dessen Heiligtum aus Zypressen, Zedern und Fichten vom Libanon errichtet wurde, ziehen die Völker hinauf, um Gott zu verehren. Aus dem Holz dieser drei Bäume, so die Legende vom heiligen Kreuz, wurde Christi Kreuz gefertigt. Ein Baum hat uns zerstört, ein Baum brachte uns nun das Leben. brachte uns nun das Leben, schreibt der hl. Theodor Studites.

Christus selbst bezieht sich im Evangelium auf Mose und die Kupferschlange in der Wüste.Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde und zu der Kupferschlange aufblickte, blieb er am Leben. Und so ist es noch immer: wenn wir auf das Kreuz blicken, das uns die Erlösung gebracht hat und Leben spendet, so haben wir das Leben.

Es ist ein schönes Zeichen, daß der Heilige Vater zum Fest der Kreuzerhöhung sich gerade zu den Christen in den Libanon aufmacht, das Land, das für seine Zedern berühmt geworden ist und in dem die verfolgten Christen hoffnungsvoll auf den Gekreuzigten blicken: rette uns, kostbares Kreuz!
„Um von unseren Sünden geheilt zu werden, schauen wir auf den gekreuzigten Christus!“, schrieb der hl. Augustinus. Wenn wir die Augen zum Gekreuzigten erheben, beten wir den an, der gekommen ist, um die Sünde der Welt hinwegzunehmen und uns das ewige Leben zu schenken. Die Kirche lädt uns ein, dieses glorreiche Kreuz voll Stolz zu erheben, damit die Welt sehen kann, wie weit die Liebe des Gekreuzigten zu den Menschen, zu allen Menschen gegangen ist. Sie lädt uns ein, Gott zu danken, denn von einem Baum, der den Tod gebracht hat, ist das Leben neu hervorgegangen. An diesem Holz offenbart uns Jesus seine erhabene Herrschaft, er offenbart uns, daß er in Herrlichkeit erhöht worden ist. Ja, „kommt, lasset uns anbeten“. Mitten unter uns ist jener, der uns so sehr geliebt hat, daß er sein Leben für uns hingegeben hat, jener, der jeden Menschen einlädt, vertrauensvoll zu ihm zu kommen. (Papst Benedikt XVI. am Fest der Kreuzerhöhung 2008 in Lourdes)

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[1] Trotz des hochfestlichen Charakters – in der Tat stolpere ich jedes Jahr wieder darüber, daß dies in der Westkirche kein Hochfest ist –, ist dies nach alter Tradition in der Kirche auf dem ganzen Erdkreis ein Fasttag, auch beginnen in manchen Orden mit Kreuzerhöhung die Fasten. Auch in dem Merkvers für die Quatember kommt Kreuzerhöhung vor: Lenty, Penty, Lucy, Crucy. (Alternativ: Fasting days and emberings be: Lent, Whitsun, Holyrood, and Lucie.)

Bild: Salzburger Missale des Bernhard von Rohr. Von dem Baum des Lebens und des Todes reicht Eva die Früchte der Erbsünde, Maria die des Heiles, den Leib Christi selbst.

Kommentare:

jeannedarc hat gesagt…

Wir hatten mal eine Nachbarin aus dem schwäbischen, die hatte folgenden Spruch auf Lager:
"Ascher,Pfigsten,Kreuz,Luzei - Mittwoch drauf Quatember sei"

Braut des Lammes hat gesagt…

Ja, soo klappts auch, danke! :)

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