Sonntag, 2. September 2012

Eine Lilie und ihr unvergleichlicher Duft – der unverwesliche Leib der hl. Teresa Margareta Redi

Der unverwesliche Leib der hl. Teresa Margareta vom Heiligsten Herzen (Teresa Margareta Redi), einer von bisher fünf karmelitanischen Heiligen, die den Namen Teresa[1] trug. Im Tode trägt sie den Kranz aus Rosen, mit dem Karmelitinnen von altersher zweimal geschmückt werden: bei der Einkleidung und bei der Aufbahrung.

Mit diesem Leib hat es in mehrfacher Hinsicht eine besondere Bewandtnis. Als die hl. Teresa Margareta am 7. März 1770 ihre Seele Gott zurückgab, hatte sie sehr gelitten – sie starb vermutlich an einem aufgebrochenen inneren Abszeß – und ihr Körper war kurz nach dem Hinscheiden bereits in so schlechtem Zustand, daß man das Begräbnis schon für den darauffolgenden Tag festsetzte. Ihr Gesicht war verfärbt und die Extremitäten hatten bereits begonnen, sich schwärzlich zu verfärben. Während der Aufbahrung erschien sie ihren Mitschwestern fast unkenntlich. Als man jedoch ihren aufgebahrten Körper in die Gruft bringen wollte, zeigte es sich, daß die Verfärbung ihres Gesichtes zurückging. Die Kommunität entschied sich daraufhin, die Verstorbene im Chor aufgebahrt zu lassen. Einige Stunden später hatte der Körper der Heiligen sein früheres Aussehen wiedererlangt. Die große Heiligmäßigkeit dieser Karmelitin wäre vielleicht so verborgen geblieben wie ihr ganzes Leben, hätte der Finger Gottes nicht darauf hingedeutet.

Papst Pius XI. sprach Sr. Teresa Margareta vom Heiligsten Herzen am 9. Juni, dem Herz-Jesu-Sonntag des Jahres 1929, selig. Ihr Gedenktag ist eigentlich am 7. März, dem Tag ihres Todes, im Karmel jedoch am 1. September, dem Tag ihres Eintritts in den Karmel. Dieser läßt sich dem Aufblühen einer zarten Blume in einem verborgenen Garten vergleichen. Edith Stein, zu der Zeit Postulantin im Karmel Maria vom Frieden in Köln-Lindenthal, schrieb 1934 über die bevorstehende Heiligsprechung:
Sie war wie eine Lilie, die sich in einer stillen Niederung erhebt; geschützt vom Sturm und im warmen Sonnenlicht entfaltet sie ihre wunderbare Blüte. Ihr durchdringender und süßer Geruch schlug jeden in Bann, der mit ihr lebte. Sogar nach ihrem Tode hat er sich nicht verflüchtigt, sondern verbreitete sich weiter und weiter und nun wird er die ganze Kirche erfüllen.
Nur etwas mehr als fünf Jahre hatte Teresa Margareta im Karmel von Florenz gelebt. Am 1. September 1764, wenige Wochen nach ihrem sechzehnten Geburtstag, war sie dort eingetreten. Schon ihr Postulat wurde wegen gesundheitlicher Probleme um einen Monat verlängert. Der Abszeß am Knie, dessen schmerzhafte Behandlung Sr. Teresa tapfer ertrug, bildete sich am Ende ihres Noviziatsjahres erneut. Sr. Teresa Margareta fragte sich, ob die Wiederkehr des Abszesses bedeute, daß sie nicht zum Leben als Karmelitin berufen sei und die Profeß nicht ablegen solle und betete – der Abszeß verschwand.

Sr. Teresa Margareta trachtete danach, sich mit dem leidenden Christus zu vereinen und legte sich deshalb im Verborgenen (soweit sich in einem Karmelitinnenkloster Dinge halt verbergen lassen) kleinere Entbehrungen auf: sie schlief auf dem Boden, trug ein härenes Hemd, ließ das Zellenfenster bei großer Kälte offenstehen und schloß es dagegen, wenn es warm wurde. Nach außen hin bewahrte sie dagegen eine heitere Miene. Sie liebte Gott sehr, quälte sich aber mit dem Gefühl, Gott niemals selbst genug lieben zu können. Sie litt deswegen unter dem, was der heilige Johannes vielleicht die „dunkle Nacht“ genannt hätte: unter Empfindungslosigkeit oder großer innerer Kälte beim Empfang der heiligen Kommunion und beim Gebet.

In ihrem kurzen Leben als Karmelitin arbeitete Sr. Teresa Margareta in der Sakristei und auf der Krankenstation. Hier war es vermutlich, wo sie sich bei der Pflege einer alten Mitschwester überhob, so daß sich ein innerer Abszeß bildete, an dem die Heilige später starb. Mit dieser Mitschwester schloß Sr. Teresa einen Pakt: wenn die Schwester sterbe, solle sie Gott bitten, daß sich sie und Sr. Teresa bald im Himmel wiedersähen, wo sie, Sr. Teresa, endlich und für alle Ewigkeit Gott wirklich lieben könne, am Quell der Liebe selbst.

In einem Brief ihren Vater bat Str. Teresa Margareta ihn, in einem dringenden Anliegen eine Novene zum Heiligsten Herzen zu beten. Anfang März legte sie die Beichte ab und kommunizierte am Morgen darauf. Dies war ihre Wegzehrung, ohne daß sie es hätte wissen können. Sr. Teresa Margareta war gerade einmal zweiundzwanzig Jahre alt und seit dem plötzlichen Verschwinden des Abszesses am Knie allem Anschein nach bei guter Gesundheit. Als sie am Abend des 6. März unter Bauchkrämpfen litt, wurde dies als so wenig bedrohlich eingestuft, daß die Schwestern zwar den Arzt riefen, trotz dessen dringender Empfehlung, der Kranken die Sterbesakramente spenden zu lassen, aber nicht den Priester. Auch über diese uns seltsam erscheinende Haltung äußerte Sr. Teresa kein Wort der Klage. In extremis rief man den Priester schließlich doch; er spendete die Krankensalbung, während die Heilige den Blick unverwandt auf die Pyxis mit dem heiligsten Sakrament gerichtet hielt, dann gab sie ihre Seele Gott zurück.

Der Schrein mit dem unverweslichen Leib der Heiligen
im Chor der Karmelitinnen von S. Teresa in Florenz
Gedenktafel im Kloster,
darüber befinden sich in einem Schaukasten Votivgaben

Wegen der außerordentlichen Begebenheit vor ihrem Begräbnis blieb der Sarg Sr. Teresa Margaretas offen und man rief mehrere Florentiner Ärzte und Priester herbei, die wie die Mitschwestern bezeugten, daß die Totenstarre völlig gewichen war und der Leib kaum vierundzwanzig Stunden danach keinerlei Anzeichen der Verwesung zeigte, sondern wie schlafend erschien. Die Krypta der Karmelitinnen war – obwohl sich dort keine Blumen befanden – von einem Blumenduft erfüllt, der nicht nachließ, sondern an Intensität zunahm. Am 21. März suchte der Erzbischof von Florenz selbst die Grablege der Karmelitinnen auf, um das Wunder zu sehen. Unter seinen Augen bildete sich an der Unterlippe der Verstorbenen ein kleiner Tropfen Feuchtigkeit, der jenen verschwenderischen Duft verströmte, den der Bischof mit dem Wort „himmlisch“ bezeichnete: „Dies ist nicht der Gestank der Verwesung, sondern ein köstlicher Wohlgeruch; in der Tat ist es der Geruch der Heiligkeit.“

Achtzehn Tage nach ihrem Tod wurde der Sarg der kleinen Karmelitin schließlich geschlossen. Da sich an ihrem Grab Wunder ereigneten, wurde ihr Leib am 21. Juni, dem Fest des heiligsten Herzens Jesu 1805, in den Chor des Konvents der Karmelitinnen von S. Teresa in Florenz gebracht, wo er sich bis heute befindet. Obwohl hierzulande wenige diese heilige Karmelitin zu kennen scheinen, ist hier fühlbar geworden, was wahr ist: der Duft der Heiligen erfüllt die Kirche Gottes.

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[1] Wahrscheinlich gibt es keinen Karmel, in dem nicht mindestens eine Schwester Teresa heißt. Da sich die Karmelitinnen ihren Namen und sein Attribut selbst wählen (oder Vorschläge dafür machen), ist der Name selten frei. Die Heilige ist kaum unter ihrem Ordensnamen bekannt, um sie von den anderen heiligen Teresen zu unterscheiden, nennt man sie meist zusätzlich mit ihrem Nachnamen.

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