Sonntag, 9. September 2012

Die Sorge für die Sache des Herrn

Im Nachgang zu Jesus is on the floor: eine der Frauen, die zu unseren Gabenträgern gehört, brachte in der vergangenen Woche ein Gotteslob in die Sakristei und schlug es auf, worauf sich dieses Bild bot. Sie hat das Buch so vom Gesangbuchregal genommen.

Das kann der Leib des Herrn sein oder auch nicht: mit größerer Wahrscheinlichkeit ist er es, denn die Anordnung ist so, daß man sich zuerst ein Gesangbuch nimmt und an einer etwas weiter entfernten Kredenz auf einem Treppenabsatz dann gegebenenfalls eine unkonsekrierte Hostie in die Hostienschale einlegt, die während der Heiligen Messe gebracht wird.

Die Frage, ob das der Leib des Herrn ist, ist allerdings in gewisser Weise müßig: genau kann man es nicht wissen, daher gilt im Zweifelsfall: in dubio pro Deo – handle so, als wäre er es. Es geht gar nicht einmal so sehr darum, daß derjenige, der die eucharistischen Gestalten wegwirft oder in sakrilegischer Absicht entwendet oder zurückbehält, sich die Tatstrafe der Exkommunikation zuzieht (das ist übrigens die einzige Stelle im Kirchenrecht, an der das Wort Sakrileg verwendet wird), sondern daß einem Katholiken der Gedanke unerträglich ist, der Leib des Herrn könne mit Füßen getreten oder einfach fortgeworfen werden. Dies ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.

In den eucharistischen Gestalten ist Christus wahrhaft, wirklich und wesenhaft gegenwärtig, solange diese ihre Gestalt andauert. Was also tun? In der Sakristei gibt es ein Gefäß für die Ablution[1], in dem die Hostie in Wasser aufgelöst und dann ins Sakrarium gegeben werden kann. Wo es kein Ablutionsgefäß gibt, gibt es jedenfalls Weihwasser. Daneben gibt es noch die Möglichkeit, ein Herr ich bin nicht würdig… zu sprechen und das, was Christus in der Gestalt des Brotes sein kann, zu sich zu nehmen. „Schlimmstenfalls“ war es eine unkonsekrierte Hostie, im anderen Fall hat derjenige ein Werk der Liebe getan.

Die Frau hat also sehr aufmerksam gehandelt und es gebührt ihr hohes Lob für ihr Mitdenken und ihre Fürsorge um die Sache Gottes und vielleicht auch um den Herrn selbst.
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[1] Ablution ist der Vorgang, bei dem sich der Priester nach der Spendung der heiligen Kommunion die Finger abspült.

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