Montag, 20. August 2012

Stark wie der Tod ist die Liebe – hl. Bernhard von Clairvaux, Kirchenlehrer

In medio Ecclesiae aperuit os ejus: et implevit eum Dominus spiritu sapientiae et intellectus: stolam gloriae induit eum.

Inmitten der Kirche öffnete er seinen Mund, und es erfüllte ihn der Herr mit dem Geist der Weisheit und des Verstandes. Mit dem Gewand der Herrlichkeit hat er ihn bekleidet.

(Introitus zum Fest)


Leg mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel an deinen Arm! Stark wie der Tod ist die Liebe, die Leidenschaft ist hart wie die Unterwelt. Ihre Gluten sind Feuergluten, gewaltige Flammen. Auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen; auch Ströme schwemmen sie nicht weg. Böte einer für die Liebe den ganzen Reichtum seines Hauses, nur verachten würde man ihn. (Hld 8, 6-7)



Daß das Fest des hl. Bernhard in die Oktav von Mariä Himmelfahrt bis Mariä Namen fällt, ist sicherlich eine schöne Fügung in der Liturgie. In der Tat hat der Heilige über die Gottesmutter wahrhaft erleuchtete Worte gefunden, viele wunderbar schöne Sermones hat er über die Jungfrau und Gottesgebärerin gehalten, wir hören diese in vor allem der Matutin an Mariensamstagen.

Vom hl. Bernhard stammt auch der wirklich wunderschöne Hymnus Jesu dulcis memoria.[1] Daß dies (im Vergleich etwa zu den Hymnen des hl. Thomas oder denen des Venantius Fortunatus) wenig bekannt scheint, liegt vielleicht daran, daß wir diesen Hymnus leider selten singen. Mit etwas Glück hören wir ihn zum Herz-Jesu-Fest, ich hatte ihn zur Danksagung bei der Weihe, eigentlich aber gehört er ursprünglich zum Fest des Namens Jesu am 3. Januar:
Jesu, dulcis memoria,
dans vera cordis gaudia:
sed super mel et omnia
ejus dulcis praesentia.

Nil canitur suavius,
nilauditur jucundius,
nil cogitatur dulcius,
quam Jesus Dei Filius.

Jesu, spes paenitentibus,
quam pius es petentibus!
quam bonus te quaerentibus!
sed quid invenientibus?

Nec lingua valet dicere,
nec littera exprimere:
expertus potest credere,
quid sit Jesum diligere.

Sis, Jesu, nostrum gaudium,
qui es futurum praemium:
sit nostra in te gloria,
per cuncta semper saecula.
Den Heiligen Bernhard nennt man der Schönheit seines Ausdrucks wegen auch Doctor mellifluus, honigsüßer Lehrer. In der Tat sind auch die letzten Worte des Salve Regina, die ihm zugeschrieben werden, voller Süße: O clemens, o pia, o dulcis Virgo Maria.

Seine Auslegung des Hohenliedes bringen zum Ausdruck, wie erfüllt der Heilige von jener mystischen Liebe war, derentwillen ihn man oftmals zu Füßen des Kreuzes darstellt. Der Herr selbst beugt sich vom Kreuz herab und umfaßt seinen geliebten und so sehr liebenden Diener.
Die Liebe ist etwas Großes, aber sie muß zu ihrem Ausgang zurücklaufen, sie muß ihrem Ursprung wiedererstattet werden, muß heimfließen zu ihrem Quell und immerfort aus ihm schöpfen, um immerfort strömen zu können.Unter allen Regungen der Seele, unter allen Sinnen und Gemütsbewegungen ist es die Liebe allein, in der das Geschöpf dem Schöpfer antworten kann, wenn auch nicht in ebenbürtiger Weise; in ihr allein kann es ihm mit Ähnlichem vergelten. Denn wenn Gott liebt, so will er nichts anderes als geliebt zu werden. zu keinem anderen Zweck liebt er, als um geliebt zu werden, denn er weiß, daß alle, die ihn geliebt haben, in dieser Liebe selig werden.

Die Liebe des Bräutigams, vielmehr der Bräutigam, der die Liebe selber ist, sucht als Gegengabe nur Liebe und Treue. So sei es der Geliebten erlaubt, ihren Liebhaber wiederzulieben. Wie könnte die Braut nicht lieben, die doch Braut der Liebe ist? Wie könnte die Liebe nicht wiedergeliebt werden?

Mit Recht verzichtet die Braut auf alle anderen Gefühle und widmet sich ganz der Liebe allein, ihre Aufgabe ist es, der Liebe durch Liebe zu antworten. Denn wenn sie sich auch in der Liebe völlig verausgabte, wie wenig wäre das, verglichen mit dem, was ewig jenem Quell entströmt? Denn nicht die gleiche Fülle haben beide: der Liebende und die Liebe, die Seele und das Wort, die Braut und der Bräutigam, der Schöpfer und das Geschöpf, der Dürstende und die Quelle.

___
[1] (
deutsche Übertragung hier)

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