Mittwoch, 15. August 2012

Paperblog – just my 2 cents

Thinker under tree von Daniel Lai
Giovannis Empfehlung von Paperblog hat mich daran erinnert, daß ich vor längerer Zeit eigentlich mal was dazu schreiben wollte. Ungern stimme ich mit Giovanni nicht überein, ich würde mir das mit Paperblog aber gut überlegen.

Wie wohl auch andere habe ich vor Jahren per E-Mail mehrere Anfragen von „Johanna“ erhalten, die mich im Auftrag der deutschen Branche dieses „partizipativen Online-Mediums“ (wie Paperblog sich selbst bezeichnet) anschrieb, und daraufhin ein wenig nachgeforscht.[1]

Als Fata Morgana wird dem angefragten und sich möglicherweise gebauchpinselt fühlenden Blogger die Aussicht auf ein Erscheinen einiger oder vieler Blogbeiträge als Printmedium vor Augen gestellt (daher der Name Paperblog). Ich denke, das darf man getrost vergessen: wer geht denn her und kauft ein Buch mit Blogbeiträgen? In gewisser Weise hieße das wohl auch, einen Schritt hinter das Prinzip des Bloggens zurückzugehen: Jeder, der in der Lage dazu ist, verbloggt, was immer ihm Spaß macht [2] und alle, die in der Lage dazu sind und Spaß daran haben, können es lesen. Schreiben jenseits der Gewinnmarge oder irgendwelcher Verlagszwänge (ich sach nur: „abseitiges Thema“).

Das ist es jedoch weniger. Weswegen ich bei Paperblog zur Vorsicht raten würde, sind die obskuren Rahmenbedingungen, mit denen der Blogger, der sich daran beteiligt, Paperblog Rechte an seinem eigenen Werk, wohlgemerkt, überträgt, dergestalt, daß Paperblog den Blogbeitrag offenbar nutzen, kürzen, weiterverbreiten, in andere Sprachen übertragen und redaktionell verarbeiten darf, wie es ihnen einfällt. Mehr noch, möchte ein Nutzer aussteigen, behält sich Paperblog im Kleingedruckten sogar vor, ihn nach eigenem Gutdünken mit einer Konventionalstrafe zu belegen, außerdem gilt auch noch eine einmonatige Rücktrittsfrist.

Warum in aller Welt sollte ich so etwas tun? Schriebe ich ein Sachbuch, einen Roman oder auch einen Artikel für eine Zeitung, dann hätte ich einen Verlag, einen Lektor oder auch einen Chef vom Dienst, mit dem ich rechnen müßte. Dieser rechnete dann allerdings umgekehrt auch mit mir, bis hin zu der banalen, wenn auch nicht unerheblichen Tatsache, daß er mir dann und wann etwas überweist, manchmal sogar als Vorschuß auf die erwartete Leistung. Das tut Paperblog nicht, im Gegenteil, möglicherweise soll der Blogger noch etwas Geld mitbringen und sich mit den Feinheiten des französischen Rechts herumschlagen.[3] Ich fasse zusammen: der Blogger stellt netterweise sein Werk, seine Materialien und seine Zeit (und manche Artikel erfordern recht viel davon) anderen zur Verfügung, weil er Freude daran hat und hofft, daß die Leser diese auch haben werden – eine Form der Großzügigkeit, wenn man so will – und Paperbook versucht, durch einen äußerst einseitigen Vertrag, der Paperblog alles schenkt und dem Blogger viel zu wünschen übrig läßt, die Rechte abzugreifen, die eigentlich ausschließlich beim Urheber des Werkes liegen sollten.

Um es ganz klar zu sagen: der einzige Gewinner hierbei ist meines Erachtens Paperblog, denn zusätzlich zum bisher Angeführten verschlechtert sich fast in jedem Fall auch noch das Suchmaschinen-Ranking des Blogs, von dem der Artikel eigentlich stammt, da der entsprechende Artikel mit denselben Stichworten nun zuerst bei Paperblog gefunden wird. Und: warum sollte jemand, der einen Beitrag in completto bei Paperblog gefunden hat, diesen auf meinem eigenen Blog noch einmal lesen? Das heißt, auch die Behauptung, das eigene Blog werde bekannter, ist einfach ein weiterer Köder, der diesem besonderen Angelhaken beigegeben wird. Es ist aber meines Erachtens nicht so, im Gegentum: die Zugriffszahlen des Blogs gehen zurück. Jeder Internetnutzer, der etwas von dir bei Paperblog gefunden hat, ist einer, der mit gewisser Wahrscheinlichkeit nicht auf dein Blog kommt. Schade eigentlich. Zugriffszahlen sind zwar auch nicht alles, wie Papst Benedikt zu Recht bemerkt, aber sie freuen doch den Blogger, der so ein Gefühl dafür hat, daß bestimmten Dingen Interesse entgegengebracht wird.

Mit „Empfehlen Sie Ihr Blog“ bewirbt Paperblog sein Medium. Die beste Empfehlung eines Blogs ist allerdings immer noch das Blog selbst. Wer als Leser wiederum einfach nur per Zufallsprinzip möglicherweise interessante Blogartikel sucht, ist mit der Funktion „nächstes Blog“ links oben in blogspots Navigationsleiste vielleicht besser bedient. Man ist überrascht, was man da manchmal findet.


_____
[1] Partizipativ bedeutet, da kann man mitmachen. Aha.

[2] sich dabei im Rahmen der Legalität zu bewegen, ist natürlich äußerst erstrebenswert
[3] Gerichtsstand für etwaige Auseinandersetzungen wäre Paris. Enjoy!

1 Kommentar:

Cinderella01 hat gesagt…

Da kann ich nur zustimmen, sich auf solche Sachen gar nicht erst einzulassen. Es gibt ja da auch noch andere, die versprechen, viele Leser auf den Blog zu bringen, dabei wollen sie nur die Beiträge auf ihren eigenen Seiten veröffentlichen. Wir sind hier gut vernetzt innerhalb der Blogozese, z.B. über die Blogrolls oder indem wir gegenseitig auf interessante Beiträge verlinken.
Der gemeinsame Facebook-Auftritt der Blogozese war eine Spitzenidee von Cicero. Danke nochmal dafür an Peter!
Und wenn man sich die zahlenmäßige Entwicklung der Blogger ansieht, ist es doch ein guter Weg so weiter zu machen.

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