Donnerstag, 2. August 2012

Mut zum Wunderbaren


Manchmal, wie gerade in Bezug auf den Portiunkala-Ablaß wundere ich mich ein wenig über den Umgang mit dem Wunderbaren: Da hat einer beim Gebet eine Vision, in der, wie es heißt, ein klares Licht die Kirche erfüllte und die Jungfrau Maria und eine Schar von Engeln erscheint, um ihn im Namen Jesu aufzufordern, zum Papst zu gehen. Was wird daraus, wenn überhaupt erwähnt wird, wie es zu der Gewährung des Ablasses kam? Der hl. Franziskus „spürte, wie Jesus ihn aufforderte“, „er hatte das Gefühl“, er müsse zum Papst gehen.

Also, das ist doch wohl ein Unterschied, ob ich das Gefühl habe, ich müsse etwas tun – etwas Natürliches –, oder ob ich eine Erscheinung habe und sich tatsächlich Über-Natürliches ereignet. Meines Wissens schreibt man über die hl. Bernadette Soubirous auch nicht, sie habe plötzlich an der Grotte von Massabielle das Gefühl gehabt, sie müsse ihren Pfarrer aufsuchen und um den Bau einer Kapelle bitten. Nein, da ist eine Dame mit goldenen Rosen auf den Füßen gekommen, bei der die Kirche in einem langen Prozeß der Prüfung über Jahre hinweg später zu der Ansicht kam, Bernadette dürfe getrost davon ausgehen, dies sei die allerseligste Jungfrau Maria gewesen. Das Volk glaubte dies ohnehin schon lange, denn es geschahen Wunder an der Quelle, von der die Dame einem einfachen Mädchen gesprochen hatte.

Nun, das kann man glauben oder auch nicht, man muß es als Katholik nicht einmal glauben. Wenn man aber darüber schreibt, warum dann nicht mit allen Zutaten, das heißt, auch mit dem Wunderbaren?

Ich will nicht sagen, daß man unbesehen jeden Murks glauben solle: die Prüfung, ob in einer Sache ein Handeln Gottes erkennbar ist, obliegt der Kirche. Wenn diese aber davon ausgeht, daß hier tatsächlich der Finger Gottes auf etwas hinweist, warum dann von Gefühligkeiten sprechen? Manch einer ist schon soweit, für den enthält auch das Evangelium kaum mehr etwas Wunderbares, wenn etwa die wunderbare Brotvermehrung auf ein simples Teilen mitgebrachter Vesperbrote reduziert wird. Nein, so wird das nichts: was der Evangelist sagen wollte, war, daß hier fünf Brote und zwei Fische auf das Wort des Sohnes Gottes hin Tausenden zur Speise wurden, und es blieb immer noch etwas übrig.

Wer erst einmal anfängt, alles und jedes rationalisieren zu wollen – vielleicht, weil er der Ansicht ist, weil mir die Jungfrau Maria nicht erscheint, kann sie niemandem erscheinen –, wo will der aufhören? Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder beinhaltet meiner bescheidenen Meinung nach eine gewisse Bereitschaft, sich auch auf das Wunder einzulassen: Jesu Menschwerdung beginnt mit einem solchen.

Hier wünsche ich mir manchmal mehr Mut zum Wunderbaren.

Kommentare:

Gertie di Sasso hat gesagt…

wo hast du die Details zu der Vision von Franziskus her? Ich hätte gern etwas anderes geschrieben, hab aber nur die "etwas trockeneren" Varianten gefunden.

Braut des Lammes hat gesagt…

Mittelbar geht es aus dem Leben des hl. Franziskus vom hl. Bonaventura hervor, unmittelbar aus dem gleichnamigen Buch von Johannes Johannes Jørgensen von 1907. Hier ist eine englische Seite der Minderbrüder mit recht ausführlichen Angaben (zum wunderbaren Ursprung Absatz 2.):
http://friarsminor.org/sermons/portiuncula.html

Sich in irgendeiner anderen Sprache umzutun (in diesem Fall Italienisch und Englisch) lohnt sich fast immer, und da frag ich mich manchmal, woran mag das liegen?

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