Montag, 20. August 2012

Kleine Freuden am Wegesrand…

…buchstäblich. Wegen der besonderen Lage des Tabernakels in der Kathedrale gibt es in fast jeder Heiligen Messe, die in der Oberkirche gefeiert wird, eine kleine Sakramentsprozession, die mit dem Allerheiligsten nach der Kommunion den Weg vom Altar zum Tabernakel nimmt. Dabei wird das Allerheiligste von einem Leuchterträger begleitet. Dieser Dienst, den Heiland zurück zu dem Ort zu geleiten, wo er wahrhaft und dauerhaft in der Gestalt seines Leibes gegenwärtig ist, ist mir besonders lieb: Christus, du Licht, das jeden Menschen erleuchtet. Erleuchte unser Herz mit dem Licht des Glaubens und entzünde es mit dem Feuer deiner Liebe.

Daß dem Sakrament ein Licht vorausgeht (und zu bestimmten Zeiten auch Weihrauch) ist Ausdruck unserer Verehrung, aber auch, wie in früheren Zeiten das Schellenzeichen, ein Hinweis: da kommt etwas besonderes, für uns: da kommt der Herr selbst. Zugleich erinnert es uns an die Natur Gottes: er selbst wird das wahre Licht des Lebens und sich verzehrende Flamme genannt.

Von dem Aufklärer und Kirchenkritiker Voltaire ist die Geschichte überliefert, daß er, als eine Sakramentsprozession vorbeikam, den Hut abnahm. Bekannte, die das sahen, waren darüber erstaunt. „Ja“, sagte Voltaire, „wir sprechen nicht miteinander, aber wir grüßen uns.“ Schade ist, daß Voltaire anscheinend nicht mit Gott gesprochen hat, schön ist, daß er offenbar ein Gefühl für Anstand hatte.

Bei diesem Gang mit dem sakramentalen Herrn achte ich selten auf die Gläubigen. Früher, als ich im Volk saß, hab ich, falls ich zu der Zeit schon saß, mich wieder hingekniet oder wenigstens eine Kniebeuge gemacht. Prompt fragte mich eine Frau nach der Heiligen Messe, ob ich Ausländerin sei? Ein wenig vielleicht, Württembergerin, da macht man das so.

Als ich unlängst wieder einmal mit dem Leuchter neben dem Sakrament einherging, kamen wir kurz vor der Orgel an einigen Menschen vorbei, die offenbar vom Bebelplatz gekommen waren und nun im Eingang auf den Knien lagen. Das fand ich wirklich schön und ich dachte, ja, ihr habt verstanden.
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Bild: kurz vor Maria Königin eines meiner liebsten Marienbilder: Kissing the face of God von Morgan Weistling

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