Samstag, 4. August 2012

Immer wieder Freitags…


Ein nicht zu unterschätzender Grund, Matutin und Laudes noch vor dem Frühstück zu beten, ist, daß einem dabei noch auffallen kann, daß Freitag ist. Es ist nämlich leider auch schon passiert, daß ich mich einem Frühstück zuwandte, das etwa ein Mortadellabrot beinhaltete, um dann irgendwann festzustellen: Mist, heute ist Freitag. In diesem Falle bleibt einem nur, das angebissene Brot, so noch etwas davon vorhanden ist, in eine Tupperdose zu tun und auf ein fröhliches Wiedersehen am Samstag zu hoffen.

Nun gut, aus Versehen kann man nicht sündigen, schade ist es trotzdem. Zu absichtlichen Verletzungen des Abstinenzgebots (gemeine Falle: man beißt morgens versehentlich in eine Wurstscheibe und erliegt am Nachmittag einer Versuchung, indem man sich denkt, jetzt ist es auch egal – ist es nicht) ist es nicht mehr gekommen, seit mich im Beichtstuhl einmal ein Priester so nett ermutigt hat, dem gefaßten Vorsatz treu zu bleiben, daß ich dachte, wenn ich dem jetzt nochmal damit komme, wird er wirklich traurig.

Aus irgendeinem Grund hab ich eigenartigerweise auch Schwierigkeiten, dauerhaft zu verinnerlichen, daß Vögel Fleisch sind (Fische hingegen nicht). Es muß etwas damit zu tun haben, daß Vögel nur zwei Beine haben, was, weiß ich auch nicht. Jedenfalls treibt irgendwas mich dazu, freitags beim Einkaufen nach Hühnersuppen oder Paella (mit Hühnerfleisch drin) zu greifen. Mittlerweile memoriere ich zum Gaudium Umstehender halblaut „Hühner sind Fleisch! Hühner sind Fleisch!“, vor mich hin, wenn ich freitags oder an einem anderen Fasttag (mittwochs, Quatember) einkaufen gehe. Wirklich, sonst begegnen mir nie so viele Hühner!

Vor einiger Zeit fand jemand, das Freitagsopfer sei schon deswegen lächerlich, weil es einen viel zu geringen Verzicht darstelle, viel zu leicht falle. Das glaube ich nicht einmal (eher hielte ich es schon für einen Vorwand). Jemanden, der so argumentiert, würde ich eher auffordern: versuchs ruhig einmal über einen längeren Zeitraum hinweg und schau, wie es geht, da wirst du möglicherweise finden, daß es nicht einmal so leicht ist, das gleiche Opfer, den gleichen Verzicht (außer an Hochfesten, zu denen man nicht fastet) immer wieder darzubringen, dann, wenn er gefordert ist (und nicht etwa dann, wenn es mir gar nicht schwerfiele). Hier geht es gar nicht um eine asketische Höchstleistung, sondern um ein Handeln im Einklang mit dem Kalender des kirchlichen Jahres und dem einer jeden Woche.

Die Abschaffung des freitäglichen Abstinenzgebots scheint vielfach zu einem Verlust an katholischer Identität geführt zu haben. Manche scheren sich allerdings auch gar nicht darum (daß es abgeschafft ist, meine ich). Ein solches Gebot, das von allen, denen daran liegt, befolgt wird, schafft nämlich nicht nur Identität, es befreit auch in gewisser Weise davon, sich womöglich jeweils aufs Neue überlegen zu müssen, was bring ich denn jetzt zum Opfer? Man tut einfach das, was die anderen auch tun, das Gewöhnliche, Vertraute. Insofern fände ich es auch ein schönes Zeichen, wenn die Deutsche Bischofskonferenz sich irgendwann entschließen könnte, dem Vorbild der englischen und walisischen Bischöfe zu folgen und das Abstinenzgebot am Freitag wieder einzuführen. Es wäre ein Zeichen der Einheit mit der Weltkirche. (Daß Hühner Fleisch sind, müßte ich mir leider weiterhin irgendwie merken. Einen Knittelvers, anyone?)

Kommentare:

Eugenie Roth hat gesagt…

Iß am Freitag keine Hühneer, denn es gibt auch Puten-Döner!!!

Admiral hat gesagt…

Zum Thema "Geflügel=Fleisch" kann ich eine Anekdote von einer früheren Bekannten erzählen:

Sie arbeitete in einem indischen Restaurant und hatte sehr häufig Gäste (alle weiblich), die meinten: "Ich bin Vegetarier, ich nehme Chicken."

Marcus, der mit dem C hat gesagt…

mhm...

Do not meat your chick on fridays?^^

Pro Spe Salutis hat gesagt…

Wie wär's mit:

"Ein Huhn! O gacker, jaul und kreisch ... / das ist ja jetzt schon wieder Fleisch!"

Cinderella01 hat gesagt…

Für mich als Vegetarierin war, als ich noch nicht von zuhause gearbeitet habe und immer in die Kantine eines Kunden gehen konnte, Freitag und Mittwoch immer "erzwungener" Fischtag, weil es dann keine vegetarischen Gerichte sondern Fisch gab (der galt als Fleischloses Gericht). Gibt es einen Grund, warum man Fisch essen darf, aber kein Huhn etc? Tagliatelle mit Lachs sind ja ganz lecker. Aber ohne Fisch schmecken sie auch ...

Braut des Lammes hat gesagt…

Cinderella, ich glaube, es geht um das Fleisch von warmblütigen Tieren, zu denen gehören Hühner, Meerestiere hingegen nicht.

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