Mittwoch, 1. August 2012

Eine kleine Kirche und ein Ablaß für ewige Zeiten – Portiunkula

Etwas Einmaliges ist es schon, dieses Kirchlein mitten in der großen Basilika Santa Maria degli Angeli – diese birgt unter ihrem Dach die erste Kirche unserer lieben Frau von den Engeln. Diese verlassene und halbverfallene Kapelle baute der hl. Franziskus mit eigenen Händen wieder auf, auf die Bitte Christi selbst: „Geh und stelle mein Haus wieder her, das, wie du siehst ganz verfallen ist." Hier versammelten sich die ersten Minderbrüder, hier wurde die hl. Klara eines Nachts eingekleidet, hier starb der heilige Franz am 3. Oktober 1226.

Wer etwas für seine lieben Verstorbenen tun will: den seit 1216 alljährlich am Portiunkulatag (2. August) gewährten Ablaß kann man den Verstorbenen zuwenden (die Kirche empfiehlt dies sogar). Der Ablaß kann seit heute mittag um 12 Uhr und morgen den ganzen Tag in jeder Pfarrkirche oder einer Kirche der Franziskaner und Klarissen, Kapuziner oder der Franziskaner von der Immakulata gewonnen werden – kurzum bei allen Orden, die der hl. Franz direkt oder indirekt gestiftet hat.

Wie kam es nun zu diesem Ablaßprivileg? Eines Nachts im Jahre 1215 war der hl. Franziskus in der Portiunkulakapelle im Gebet versunken, als er den Altar der Kapelle von einem hellen Licht umstrahlt sah und die Mutter Gottes und eine große Zahl von Engeln, die ihn baten, zur Errettung von Seelen vom Papst zum Weihetag der Kirche unserer Frau von den Engeln einen besonderen Ablaß zu erbitten. Franziskus trug seine Bitte dem Heiligen Vater selbst vor: die Gläubigen sollten in dieser Kirche an ihrem Weihetag einen vollkommenen Ablaß erwerben können, und zwar „ohne Opfergabe“. Der Papst gewährte den besonderen Ablaß, fragte aber nach, für wieviele Jahre dieses Privileg bestehen bleiben solle? Franziskus bat, ihm nicht Jahre zu gewähren, sondern Seelen. Papst Honorius III. gewährte daraufhin den Ablaß „für ewige Zeiten“. Eine schriftliche Bestätigung wollte der Heilige ausdrücklich nicht, das Wort des Papstes genüge ihm, denn: wenn der Ablaß das Werk Gottes sei, werde dieser auch dafür Sorge tragen. In diesem Falle sei die heilige Jungfrau das Papier, auf dem beglaubigt werde, Christus der Notar und die Engel die Zeugen.

Der hl. Franziskus hielt Portiunkula zeitlebens für besonders von der Gnade Gottes berührt – wer die Geschichte des Ortes kennt, versteht das. Die Gewährung des Portiunkula-Ablasses wurde später auf alle franziskanischen Kirchen ausgedehnt, durch den hl. Pius X. auf alle Kirchen des Erdkreises, in denen sich die Gläubigen regelmäßig zum Gebet zusammenfinden. Portiuncula heißt soviel wie kleines Erbteil – auf mehr als eine Weise ist sie tatsächlich Erbteil des hl. Franziskus geworden.
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Bilder: Portiunkula von oben. Das Fresko über der Tür der Portiunkula zeigt die Vision des hl. Franzikus, der der Maler ein paar dankbare Ordensbrüder hinzugefügt hat.

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