Freitag, 31. August 2012

Der Täufer und die Erstlingsgaben

Die Feste Johannes' des Täufers haben eine eigene, schöne Präfation:
In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken und am Fest des heiligen Johannes das Werk deiner Gnade zu rühmen. Du hast ihn geehrt vor allen, die je eine Frau geboren hat, schon im Mutterschoß erfuhr er das kommende Heil, seine Geburt erfüllte viele mit Freude. Als einziger der Propheten schaute er den Erlöser und zeigte hin auf das Lamm, das die Sünde der Welt hinwegnimmt. Im Jordan taufte er Christus, der seiner Kirche die Taufe geschenkt hat, so wurde das Wasser zum heiligen Quell des ewigen Lebens. Bis an sein Ende gab Johannes Zeugnis für das Licht und besiegelte mit dem Blut seine Treue.

Wenn ich den Altar abräume, schaue ich, quasi als „letzten Gruß“ bei der Kniebeuge auf den Tabernakel, in dem Christus selbst gegenwärtig ist. Seltener blicke ich auf die Blumen; wie man weiß, gehöre ich auch eher zur Sorte der Blindfische. Diese Zeiten, in denen ich wie Marilyn Monroe in Wie angelt man sich einen Millionär? herumwandere und graue Poller für Katzen halte, die am Straßenrand sitzen und gestreichelt werden wollen, neigen sich allerdings dem Ende zu, da ich demnächst eine Fernbrille erschwingen kann. Kommentar beim Sehtest: „Sie werden sich wundern, was Sie da noch alles sehen können!“ Stimmt, ich trat ans Fenster und hab mich gewundert. Daß unscharf sehen manchmal auch eine Gnade sein kann, hab ich ja schon öfter postuliert.

Kurz vor dem Fest der Enthauptung des Täufers wurde jedenfalls ruchbar, daß auf dem Altar der Unterkirche gerade Plastikblumen ihr Dasein fristen. Häßliche, gelbliche übrigens noch dazu, falls es überhaupt schöne Plastikblumen geben kann. Also bitte, das geht ja gar nicht! Irgendwie meinte ich, daß in der AEM etwas dazu stünde, daß der Blumenschmuck wenigstens irgendwann einmal gelebt haben soll (stimmt aber nicht. Irgendwo steht es womöglich, ich finde die Stelle, die ich meine, allerdings momentan nicht wieder). Irgendwie finde ich, sagt einem das aber auch das Empfinden eines Katholiken: für den Altar sollte nach Vermögen das Beste gut genug sein: so nehmen wir etwa echte Wachskerzen, die „der Fleiß der Bienen bereitet hat“, Tücher und Tüchlein aus Leinen und Spitze, und speisen das ewige Licht mit Öl. Dann sollte man auch echte Blumen oder wenigstens Immergrün und Zweige nehmen. Es kommt nicht darauf an, daß es teuer war, sondern daß Blumen und Bäume eine Gabe der Schöpfung Gottes sind.

Also hab ich mich vor der Messe am Mittwoch auf den Weg gemacht – schließlich hat die Natur ja gerade in Hülle und Fülle zu bieten. Blumen zu pflücken und durch die Gegend zu tragen, erhebt immer die Stimmung, auch der Entgegenkommenden (vielleicht, weil ich mich dabei so freue). Kurz vor der Kathedrale hat sich noch ein kleines Kind in fremden Zungen an den Blumen erbaut und mit dem Finger draufgezeigt.


So sieht das Ergebnis aus. [1] Blumen: echt. Kosten: gar keine. Bereitete Freude: viel. Da es Wildblumen sind, halten sie sich vielleicht nicht lange; macht nichts, dann pflück ich eben neue. Solche Blumen sind in gewisser Weise die Erstlingsgabe der Schöpfung, wie auch der Täufer als Märtyrer und jungfräulich Lebender eine solche Erstlingsgabe an Gott war. – Daß der Zelebrant dann die Präfation über den hl. Johannes sehr schön gesungen hat, war sozusagen die Schlagsahne auf den Erdbeeren dieses Tages.

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[1] Die beiden Vasen verströmen freilich den ungebremsten Charme der siebziger Jahre. Die Alternative wären aber solche gewesen, die aussehen wie Urnen.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Schön das du den Altar mit Blumen schmücken darfst. Es zeugt von großer Liebe zu Jesus wenn man ihm Blumen schenkt! Unser Pfarrer sieht das leider anders, er meint Blumen gehören auf den Friedhof...:(

Braut des Lammes hat gesagt…

Na ja, sagen wir so, ich habe es einfach gemacht. Im Falle der Plastikblumen wären ja sogar keine Blumen besser gewesen als diese. Schade, mit dem Pfarrer. Das Statement mit dem Friedhof finde ich etwas kurios. Was macht er denn zu Fronleichnam?

Anonym hat gesagt…

Tja zu Fronleichnam sieht es halt dementsprechend düster aus, anders kann ich es nicht beschreiben.

Mich würde interessieren ob es stimmt das man den Altar nicht schmücken darf.

Braut des Lammes hat gesagt…

Jein. Die allgemeine Einführungs ins Meßbuch sagt dazu, daß der Blumenschmuck maßvoll sein soll und eher um den Altar herum als auf ihm angeordnet werden soll", weil Blumen an sich nicht zu den Dingen gehören, die auf den Altar gehören. Drumrum schmücken darf man aber durchaus. Es folgen dann noch einschränkende Bestimmungen zum Schmuck in der Fastenzeit und im Advent.

Bei dem Altar oben, der sich in einer Krypta befindet, oben gibt es aber räumlich keine andere Möglichkeit des Schmucks, es sei denn, man ließe ihn ganz weg.

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