Dienstag, 7. August 2012

Der Siegeskranz – Märtyrer gestern und heute

Xystus ist sicherlich einer der weniger bekannten Heiligen. Sein Name gehört zu denen, die im ersten Hochgebet genannt werden, Namen, die exotisch klingen und die heute kaum einer mehr trägt: Linus, Cletus, Clemens, Xystus, Cornelius, Laurentius, Chrysogonus.

Zwischen den Namen des Xystus und des Laurentius gibt es eine weitere Verbindung. Der uns überlieferte Brief des hl. Cyprian von Karthago an den Bischof Successus[1] spricht von dem Papst Xystus und vier Diakonen der Stadt Rom, die auf Anordnung des römischen Kaisers Valerian durch Enthauptung ihr Leben verloren, weil sie Christen waren und bleiben wollten. Ein fünfter Diakon, Laurentius, wurde wenige Tage später hingerichtet. Während er im Gefängnis seine Hinrichtung erwartete, versicherte Xystus dem Laurentius, binnen vier Tagen würden sie im Himmel wieder vereinigt sein.

Dem Erlaß des Kaisers Valerian zufolge war der ganze Klerus Roms sofort hinzurichten, alle anderen Christen verloren zunächst Amt und Würden, blieben sie danach ihrem Glauben treu, wurden auch sie hingerichtet, die Frauen hingegen verbannt (natürlich nicht, ohne sie vorher ebenfalls ihres etwaigen Besitztums zu berauben. Das Schicksal einer heimatlosen Frau ohne männliche Verwandte und ohne Geld mag Hunger gewesen sein oder Entehrung).

Der hl. Chrysogonus schrieb seinen Brief in der freudigen Erwartung des Martyriums, denn der Erlaß des Valerian war bereits unterwegs an die Statthalter der römischen Provinzen:
Wir hoffen täglich auf das Kommen dieses Briefes. Wir stehen nämlich in der Festigkeit des Glaubens bereit, standhaft zu leiden und hoffen durch die Hilfe und Huld des Herrn, die Krone des ewigen Lebens zu erlangen. Wißt, daß Xystus am achten Tag vor den Iden des August im Zömeterium hingerichtet worden ist, zusammen mit vier Diakonen. Die Präfekten der Stadt setzen diese Verfolgung Tag für Tag fort. Wenn ihnen jemand vorgeführt wird, lassen sie ihn hinrichten und beschlagnahmen sein Vermögen für den Staat. Bitte teilt auch das unseren übrigen Mitbrüdern mit, damit sie überall die Brüder durch ihren Zuspruch stärken und sie auf den geistlichen Kampf vorbereiten. Jeder einzelne von uns möge mehr an die Unsterblichkeit als an das Sterben denken. Dem Herrn in vollem Glauben und mit ganzer Kraft geweiht, mögen alle bei diesem Bekenntnis mehr Freude als Frucht empfinden, da sie doch wissen, daß die Streiter Gottes und Christi nicht untergehen, sondern den Siegeskranz erhalten.
Liest man, was Cyprianus dem Successus mitzuteilen wünschte, fällt einem auf, daß das in manchen Teilen der Welt genausogut heute geschrieben hätte werden können – auch heute sind in Nigeria wieder Christen nur um ihres Glaubens willen ermordet worden. Die Christen sind mittlerweile die am stärksten bedrängte und verfolgte Glaubensgemeinschaft weltweit. Sicherlich habe ich das schon einmal gesagt, manchmal denke ich, es wird längst nicht oft genug gesagt.

Heute in seiner Predigt meinte der Zelebrant, wenn so etwas wie dem hl. Xystus heute dem Papst zustoßen würde, welch ein Aufschrei ginge durch die Pfarrgemeinden. Ein Schicksal wie das des hl. Xystus erleiden mittlerweile nahezu täglich irgendwo auf der Welt die Christen, die in der Verfolgung und Bedrängnis leben – und wo bleibt der Aufschrei der Welt? Wo bleiben die politischen Sanktionen gegen die Staaten, die die Christenverfolgung zumindest dulden, wo die Ächtung solcher Unrechtsregimes? Wo bleiben die Berichte der Medien dazu auf der Titelseite, zur Prime time oder auch nur im Spätprogramm? Oder hat man diese Menschen einfach abgeschrieben, weil es irgendwo auf der Welt passiert und weil über Christenverfolgung zu berichten irgendwie als nicht „trendy“ gilt, gegen die Kirche einzutreten dagegen schon? Man kann nur für die verfolgten Christen beten und hoffen, daß unsere Glaubensgeschwister der Bedrängnis und dem möglichen Tod um ihres Glaubens willen in einer ähnlichen Haltung entgegenblicken wie die hl. Xystus, Laurentius, Cyprianus und Gefährten – weil sie sicher sind, daß die Streiter Christi nicht untergehen, sondern den Siegeskranz erhalten.
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[1] Was einfach nur „Nachfolger“ bedeutet.
Bild: Der hl. Papst Xystus weiht den hl. Laurentius zum Diakon

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