Dienstag, 14. August 2012

Beide Wunder fließen in eins, o Gottesgebärerin – Mariä Aufnahme in den Himmel

Ankündigung des Todes und Entschlafung
der allerseligsten Jungfrau, Duccio, 1308-1311
Fast schöner als die Bildnisse von der Krönung Mariens im Himmel finde ich die Mosaiken und Ikonen von der Entschlafung Mariens. Die Ostkirche, die dieses Marienfest auch begeht, feiert es unter jenem Namen. Es gibt auch Illuminationen, die beides miteinander vereinen: unten wird der Hinübergang Mariens dargestellt, oben die Aufnahme im Himmel und die Freude, die darüber herrscht. Manche Bildnisse [1] tragen die Inschrift: Ad summum Regina thronum defertur in altum: angelicis praelata choris, cui festus et ipse Filius occurrens Matrem super aethera ponit – zum höchsten Thron in der Höhe wird die Königin emporgehoben, geleitet von himmlischen Chören. Voll Freude eilt ihr der Sohn selbst entgegen und begründet den Thron seiner Mutter über allen Himmeln.[2]

Sehr schön drückt das Troparion des byzantinischen Ritus aus, was Maria für uns bedeutet und wie wir an dieses Festgeheimnis denken können:
Bei deiner Niederkunft hast du die Jungfräulichkeit bewahrt, bei deinem Entschlafen hast du die Welt nicht verlassen, o Mutter Gottes. Du bist zurückgekehrt zum Quell des Lebens, die du den lebendigen Gott empfingst und durch deine Gebete unsere Seelen vom Tod befreien wirst.
Bei deinem Entschlafen hast du die Welt nicht verlassen, du bist zurückgekehrt zum Quell des Lebens – die du selbst der Quell des Lebens für den Erlöser warst! Die Überlieferung berichtet, daß man, als der Sarg der Gottesmutter später geöffnet wurde, diesen leer vorfand, ihm aber ein unendlicher Wohlgeruch entströmte. Der jungfräuliche Leib der Gottesmutter fällt der Verwesung alles Fleisches nicht zum Opfer. Die im Leben als geheimnisvolle Rose und Rose ohne Dornen verehrt wurde, hinterließ im Grab nur den Duft dieser herrlichen Blumen.


Einer der ostkirchlichen Gesänge ist voller Fragen und voller Staunen über diese Wunder:
Der hochwürdige Chor der weisen Apostel wurde auf wunderbare Weise versammelt, um ruhmvoll deinen allreinen Leib zu beerdigen, hochgepriesene Gottesgebärerin. Auch die Scharen der Engel lobsangen mit ihnen, um deinen Hinübergang voll Ehrfurcht zu verherrlichen, den wir im Glauben feiern.

Unbefleckt war bei der Empfängnis deine Mutterschaft. Ohne Verwesung war der Zustand des Todes bei deiner Entschlafung. Beide Wunder fließen in eins, O Gottesgebärerin.

Wie konnte diejenige, die keinen Mann erkannte, zur Nährerin eines Kindes werden und dabei jungfräulich bleiben? Wie konnte die Mutter Gottes einer Toten gleich einbalsamiert werden? Deshalb rufen wir dir mit dem Engel zu: Gegrüßt seist du, Gnadenreiche!

David möge uns künden, was das für ein Fest ist. Diejenige, die er einst im Buch der Psalmen besungen als Tochter Gottes und Jungfrau, sie ist in die Wohnungen da oben emporgehoben worden durch Christus, der unbefleckt aus ihr Fleisch angenommen hatte. Deshalb freuen sich auch die Mütter mit den Töchtern und die Bräute Christi, indem sie rufen: Gegrüßt seist du, die du hinübergegangen bist ins himmlische Reich!

________
[1] Interessant genug, daß sich auch in der Kirche, an deren Tür Luther seine 95 Thesen anschlug, ein solches Bildnis befindet: in der Kapelle, in der er begraben liegt.

[2] in meiner Übertragung

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wunderschön! Danke! :)

Felice hat gesagt…

Im evagelistischen Bereich habe ich dazu mal den Begriff "Vorausauferstehung" gehört.

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