Dienstag, 31. Juli 2012

Zur höheren Ehre Gottes – hl. Ignatius von Loyola

Zu den wundervollen Dingen in der katholischen Kirche gehören die Heiligen. Wenn schon die gottgeweihten Menschen als Schatz der Kirche, gleichsam als Gnadenstrom, betrachtet werden sollen[1], so auf jeden Fall die Heiligen, denn in seinen Heiligen wird Christus verherrlicht und in jedem Heiligen sehen wir etwas von dem göttlichen Glanz des Antlitzes Christi.

Vielfach tritt uns das Wirken in den Heiligen des Ordens entgegen, den der Heilige gegründet hat, vor allem in den jesuitischen Märtyrern und Missionaren, wie etwa die hll. Jean de Brébeuf, Isaak Jogues, Franz Xaver oder Paul Miki und ihre Gefährten, die unsagbare Entbehrungen und Leiden auf sich genommen haben, um den Menschen von der Kraft des Kreuzes Christi zu künden, und daß Christus auch für sie gestorben ist – jetzt aber seid ihr, die ihr einst in der Ferne wart, durch Christus Jesus, nämlich durch sein Blut, in die Nähe gekommen.

Vom hl. Ignatius wußte ich bis jetzt nicht, daß er in einem Stall geboren wurde, wie Christus. Nicht, weil es sich so ergeben hätte, sondern bedachtvoll, seine Mutter wählte eine sehr leibliche Methode der Betrachtung der Menschwerdung. Iñigo de Recalde de Loyola wurde auf einem Schloß geboren und entsprechend dieser Abstammung wurde er Höfling, später Soldat. In der Schlacht von Pamplona 1521 wurde er so schwer verwundet, daß er fast ein Jahr ans Bett gefesselt blieb (seine in der Schlacht gebrochenen Beine mußten zum Geraderichten ein weiteres Mal gebrochen werden – man stelle sich das in einer Zeit ohne Betäubungs- und Schmerzmittel und vor allem Antibiotika vor). In der Zeit seines Krankenlagers wandte er sich den Leben der Heiligen zu: da sie menschlich waren wie ich, könnte ich genauso heilig sein wie sie, stellte er erstaunt bei sich selbst fest.

Nach seiner Genesung wallfahrtete er in armseliger Kleidung zu einem Muttergottesbildnis in der Abtei der Benediktiner von Montserrat und legte diesem sein Schwert zu Füßen – um fortan für Christus zu streiten und einzutreten.

Interessant ist, daß der hl. Ignatius, der nach siebenjährigem Studium einen Orden hochgelehrter Theologen und Philosophen gegründet hat, den er die Gesellschaft Jesu – Gesellschaft im Sinne von Gefährten – nannte, in seinen geistlichen Übungen sehr leibliche Dinge zu Papier bringt, wie die Freude an den Dingen, mit denen uns Gott umgibt, und daß es besser sei, weniges gut kennenzulernen als vieles nur oberflächlich, denn: „Nicht das Vielwissen sättigt und befriedigt die Seele, sondern das Verspüren und Verkosten der Dinge von innen her.“

Ignatius gehört zu den Heiligen, die sich durch die Betrachtung des Lebens der Heiligen zu Gott hinwendeten (wie etwa auch die hl. Teresia Benedicta vom Kreuz): ein hervorragendes Beispiel, wie fruchtbringend solche Lektüre sein kann, ohne daß der Heilige oder der Autor einer solchen Vita selbst das je erfahren hätte; auf diese Weise geschieht auch das zur höheren Ehre Gottes.

Aus den Überlieferungen des hl. Ignatius[2] wissen wir, daß er sich bei der Beschäftigung mit dem Leben der Heiligen eines Tages fragte, ob ein solches Leben nicht etwas sein könnte, das etwas mit ihm selbst zu tun hätte?

Als er nämlich das Leben unseres Herrn Christus und der Heiligen las, dachte er bei sich nach und folgerte: Wie, wenn ich so lebte wie der heilige Franziskus oder der heilige Dominikus? Vieles Derartige überlegte er in seinem Herzen, und auch diese Gedanken beschäftigten ihn ziemlich lange. Darauf folgten dann wieder oberflächliche weltliche Gedanken, mit denen er sich erneut lange Zeit abgab. Dieser Wechsel der Gedankengänge in ihm hielt längere Zeit an.

Bei diesen verschiedenartigen Gedanken jedoch gab es einen großen Unterschied: wenn er sein Denken auf Weltliches richtete, empfand er großes Vergnügen. Hörte er aber damit ermüdet auf, dann erfaßte ihn Traurigkeit und Trockenheit. Wenn er dagegen über die harten Lebensregeln nachdachte, die er die Heiligen befolgen sah, dann empfand sein Geist Freude, und zwar nicht nur dann, wenn er sie im Herzen hin und her überlegte, sondern er fühlte sich auch dann noch froh, wenn er von ihnen abgelassen hatte. Zuerst bemerkte und wertete er diesen Unterschied nicht, bis ihm eines Tages die Augen des Herzens aufgingen und er sich über diesen Unterschied zu wundern begann. Denn durch Erfahrung erkannte er, daß bei der einen Art von Gedanken Traurigkeit, bei der andern aber Freude zurückblieb. Das war die erste der Überlegungen, die er über das geistliche Leben anstellte.


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Bild: hl. Ignatius, unbekannter Maler
[1] Papst Benedikt XVI. am 16. Juli 2012 in seinem Schreiben Resplendens stella
[2]aus den mündlichen Überlieferungen des hl. Ignatius, aufgezeichnet von Louis Gonsalvez

1 Kommentar:

Andrea hat gesagt…

Danke für diesen Artikel. Ich habe das Glück heute am Fest des heiligen Ignatius in einem Exerzitienhaus der Jesuiten zu sein und diesen Tag mit ihnen zu begehen. Seit Tagen lese ich mich ein, und habe schon 2 Filme (einer von ARD grauenhaft reißerisch, einem vom ZDF, sehr sachlich) gesehen. Dass er in einem Stall geboren wurde, das ist mir allerdings auch neu.

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