Mittwoch, 11. Juli 2012

Seht, in seiner Güte zeigt uns der Herr den Weg des Lebens – Fest des hl. Benedikt

Der Prolog der Regel des hl. Benedikt ist meines Erachtens eines der schönsten und mutmachendsten Schriftstücke zum geweihten Leben: Höre … und neige das Ohr deines Herzens und: Wer ist der Mensch, der das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht? Wenn du das hörst und antwortest, „Ich"…

Der, der Gott sucht und den Gott berufen hat, wird unmittelbar und persönlich angesprochen und gibt seine ganz persönliche Antwort: hier bin ich. Zugleich wird deutlich, daß es sich um einen Weg handelt, der das ganze Leben umfaßt und bis zum Tode andauert. In seiner Regel schweigt der hl. Benedikt nicht davon, daß es im geweihten Leben auch Hartes und Schweres gibt. Im Prolog aber macht er das Wichtigste fest, gleichsam den Grundton: all unser Streben nimmt im Gebet zu Gott seinen Anfang – so soll man ihn im Gebet bestürmen und um die Gnade bitten, im Guten auszuharren – und führt ein Leben lang immer weiter und tiefer zu ihm hin. Es ist ein Weg, der einen Menschen ganz ergreift und mit Freude erfüllt. Ich kann in der ganzen Regula Benedicti nichts von all dem finden, was heute manchmal an vorgeblichen Vertrocknetheiten und Beschwernissen und Unmenschlichkeiten vorgebracht wird, im Gegenteil:

Was kann beglückender für uns sein als dieses Wort des Herrn, der uns einlädt? Seht, in seiner Güte zeigt uns der Herr den Weg des Lebens.

Wer möchte nicht, daß sein Leben vorwiegend gute Tage hat, daß sein Weg ein Weg des Lebens ist? Manchmal denke ich, so eine Einladung kann man einfach nicht abschlagen, schon, weil sie mit soviel Begeisterung und ehrlicher Überzeugung vorgebracht wurde. Neulich hat P. Ulrich darüber berichtet, daß in Admont ein Mitbruder eintrat, weil P. Ulrich während seines Studiums an jedem Wochenende unbedingt nach Hause fahren wollte. Der Mitstudent hat sich gedacht, das muß ein sagenhaftes Stift sein, wenn der Mönch jede Woche heim in sein Stift fahren will, – und ist eingetreten; kürzlich hat er seine Primiz gefeiert.

Der hl. Benedikt nennt als Wichtigstes, was einer braucht, der solch gute Tage zu sehen wünscht: daß er Eifer hat für den Gottesdienst und daß er Gott sucht. Zugleich bringt er klar zum Ausdruck, daß man ihn auf diesem Weg auch finden kann.

Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens, nimm den Zuspruch des gütigen Vaters willig an und erfülle ihn durch die Tat! So kehrst du durch die Mühe des Gehorsams zu dem zurück, den du durch die Trägheit des Ungehorsams verlassen hast.

An dich also richte ich jetzt mein Wort, wer immer du bist, wenn du nur dem Eigenwillen widersagst, für Christus, den Herrn und wahren König, kämpfen willst und den starken und glänzenden Schild des Gehorsams ergreifst. Vor allem: wenn du etwas Gutes beginnst, bestürme ihn beharrlich im Gebet, er möge es vollenden. Dann muß er, der uns jetzt zu seinen Söhnen zählt, einst nicht über unser böses Tun traurig sein. Weil er Gutes in uns wirkt, müssen wir ihm jederzeit gehorchen; dann wird er uns einst nicht enterben wie ein erzürnter Vater seine Söhne; er wird auch nicht wie ein furchterregender Herr über unsere Bosheit ergrimmt sein und uns wie verkommene Knechte der ewigen Strafe preisgeben, da wir ihm in die Herrlichkeit nicht folgen wollten.

Stehen wir also endlich einmal auf! Die Schrift rüttelt uns wach und ruft: „Die Stunde ist da, vom Schlaf aufzustehen.“ Öffnen wir unsere Augen dem göttlichen Licht, und hören wir mit aufgeschrecktem Ohr, wozu uns die Stimme Gottes täglich mahnt und aufruft. „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht!“ Und wiederum: „Wer Ohren hat zu hören, der höre, was der Geist der Gemeinden sagt!“ Und was sagt er? „Kommt ihr Söhne, hört auf mich! Die Furcht des Herrn will ich euch lehren. Lauft, solange ihr das Licht des Lebens habt, damit die Schatten des Todes euch nicht überwältigen.“

Und der Herr sucht in der Volksmenge, der er dies zuruft, einen Arbeiter für sich und sagt wieder: „Wer ist der Mensch, der das Leben liebt und gute Tage zu sehen wünscht?“ Wenn du hörst und antwortest: „Ich“, dann sagt Gott zu dir: Willst du wahres und unvergängliches Leben, bewahre deine Zunge vor Bösem und deine Lippen vor falscher Rede! Meide das Böse und tue das Gute! Such Frieden und jage ihm nach! Wenn ihr das tut, blicken meine Augen auf euch, und meine Ohren hören auf eure Gebete; und noch bevor ihr zu mir ruft, sage ich euch: Seht, „Ich bin da“.

Liebe Brüder, was kann beglückender für uns sein als dieses Wort des Herrn, der uns einlädt? Seht, in seiner Güte zeigt uns der Herr den Weg des Lebens. (Prolog der RB, 1-20)

____
Bild: Benediktsikone. Unten sieht man den Heiligen in seiner Höhle bei Subiaco, über der sich heute das Kloster San Benedetto erhebt.

Keine Kommentare:

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...