Montag, 2. Juli 2012

Niemand hat größere Liebe – der Missionsversuch

die etwas ungewöhnlich erscheinende
Verkündigung ist von dem zeitgenössischen
chinesischen Maler He Qi
Gestern hab ich einem einigermaßen leidenschaftlich vorgetragenen islamischen Missionierungsversuch erfolgreich widerstanden[1], ich glaub das war in dieser Form eine Premiere.

Ich hab natürlich schon an Petrus gedacht: Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt; aber antwortet bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen. Andererseits mag ich mir nicht einfach widerspruchslos und unerbeten sagen lassen, daß der Islam die einzig wahre Religion sei, zumal die katholische Auffassung, wenn ich mich recht entsinne, die ist, daß alle Menschen, die ohne ihr Verschulden nicht wissen, daß Jesus Christus der Weg zum Heil ist, gerettet werden können, wenn sie ernsthaft Gott suchen.

Auffällig und vielleicht typisch für heutige Jugendliche war das förmliche Kleben an Äußerlichkeiten: ja aber, ihr dürft Schweinefleisch essen, euch freizügig anziehen etc. (Prompt war auch die erste Frage, die, was bei uns alles verboten sei?)

Zwar bin ich selbst Anhänger einer gewissen Theologie des Leibes, das heißt, ich bin der Ansicht, daß es ungeheuer wichtig ist, auch mit dem Leib bestimmte Dinge zum Ausdruck zu bringen, die mir wichtig sind: Also faste ich, gehe zum Gottesdienst, knie und verneige mich, esse an bestimmten Tagen der Woche kein Fleisch, Alkohol trinke ich eigentlich überhaupt nicht. Und natürlich versuche ich, mich einigermaßen „sittsam“ zu kleiden (was in der Art, wie ich in meinem Wohnumfeld behandelt werde, tatsächlich einen Unterschied ausmacht. Wie ich das finde, weiß ich manchmal auch nicht so recht).

Bei den ganzen „Ihr dürft…“ habe ich durchaus höflich durchblicken lassen, daß das Vorhandensein eines Gebots – von denen wir durchaus auch einige derartige haben, wie etwa das Gebot, die Feiertage zu heiligen, keusch zu leben, je nachdem, wie es dem eigenen Stand entspricht, und keine Drogen zu nehmen – nicht bedeutet, daß alle Gläubigen sich daran halten, man also von der Tatsache, daß es immer einige gibt, die Gebote nicht halten, nicht etwa auf den Glauben selbst schließen dürfe, bzw. darauf, der Glaube erlaube dieses Verhalten. Und: auch Christen fasten zu den gebotenen Zeiten und beten mehrmals am Tage: sie tragen es halt nur nicht so vor sich her, oder sollten es jedenfalls nicht. In der Tat hat der Islam meines Erachtens die Gewohnheit, mehrmals am Tag zu beten, von den Christen übernommen (die es ihrerseits vom Judentum übernahmen).

Ich würde Verbote allerdings nicht als erstes betonen bzw. derart herausstellen, wenn ich über meinen Glauben spreche. Mir ist die Menschwerdung Gottes eingefallen, und über die habe ich dann gesprochen, in der Hoffnung, daß es möglich ist, einem Moslem die Zweinaturenlehre nahezubringen (die Position des Islam hat sich für mich so vermittelt, als wenn das für einen Gott natürlich gar nicht geht, daß er am Kreuz stirbt). Jesus Christus, der Sohn Gottes, ist aus Liebe zu uns Mensch geworden und gestorben, um uns zu erlösen. Etwas Größeres und Besseres gibt es nicht. Niemand hat größere Liebe als der, der sein Leben hingibt für seine Freunde.

Ein Gott, der sich klein macht und „dem Menschen gleich“, mag vielleicht für Moslems nicht leicht zu verstehen sein, aber eben das ist das Anrührende. Er wurde uns gleich, im Leben und im Sterben, nur aus Liebe zu uns.

Etwas holperig bzw. leicht unerfreulich wurde es, als ich demjenigen auf die Frage, ob ich wirklich sicher wäre, daß ich lieber Christin sei, mit „Ganz sicher!“ antwortete und er meinte: „Ihr werdet aber staunen, wenn ihr tot seid und Jesus sagt dann zu euch, ich bin gar nicht der Sohn Gottes“. An dieser Stelle hab ich ihm dann höflich den Koran zitiert: „Ich bete nicht das an, was du anbetest, und du betest nicht das an, was ich anbete“ und ihn einigermaßen nachdenklich zurückgelassen.


_____
[1] Daß das möglich sein würde, daran hatte ich auch vorher keine Zweifel

Kommentare:

ultramontan hat gesagt…

Vor allem ist Christi Tod am Kreuz ja das Opfer, das wohlgefällig ist. Mit dem Blut des Lammes wurde die Erde getränkt und dadurch die Schöpfung versöhnt.

Stefan hat gesagt…

Ich wäre für eine genaue Quellenangabe des Koran-Zitats dankbar.

Stefan hat gesagt…

Der Islam ist ja eigentlich recht simpel aufgebaut. Dort oben Gott, hier unten wir und dazwischen keine Überwindung. Selbst das Paradies ist ja nicht Nähe zum Schöpfer, sondern weltliche Freuden (wenn ich es richtig verstanden habe).

Was ich aber gar nicht verstehe ist, wie ein Moslem sagen kann sein Gott sei allmächtig und gleich danach: Mensch werden, von einer Frau geboren werden, am Kreuz sterben, tot sein - DAS GEHT NICHT. Also kann er es nicht? Da wirkt für mich Allah wie ein Gefangener im Himmel.

Braut des Lammes hat gesagt…

Sure 109, "Die Ungläubigen":
Ich bete nicht an, den du anbetest,
und du betest nicht an, den ich anbete.
Nie werde ich anbeten, den du anbetest,
und nie wirst du anbeten, den ich anbete.
Ihr habt eure Religion und ich die meine.

Alexis hat gesagt…

Diese Sure ist weise. Zumindest sollte sie einem zu denken geben, dass ein Zwang zum Glauben niemals echte Früchte tragen kann. Denn was im Herzen eines Menschen geschieht und was er auf der Zunge hat, da können Welten dazwischen liegen.
Aus meiner Sicht ist der beste Weg anderen das Christentum und die Liebe Gottes zu vermitteln, der dass man es vorlebt und Herzen durch Taten und Geisteshaltungen öffnet. Nicht indem man versucht die Menschen zu überreden.

Kluge Menschen die den Islam leben und eben diesen Weg für sich gewählt haben, müssten das eigentlich wissen. Eine Verehrung die auf Angst basiert, hat in meinen Augen nicht viel mit echter Liebe und Hingabe zutun.

LG
Alexis

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