Samstag, 7. Juli 2012

Menschensohn, können diese Gebeine wieder lebendig werden?


Da legte sich die Hand des Herrn auf mich, und der Herr brachte mich im Geist hinaus und versetzte mich mitten in die Ebene. Sie war voll von Gebeinen. Er führte mich ringsum an ihnen vorüber, und ich sah sehr viele über die Ebene verstreut liegen; sie waren ganz ausgetrocknet. Er fragte mich: Menschensohn, können diese Gebeine wieder lebendig werden? Ich antwortete: Herr und Gott, das weißt nur du. (Ez. 37, 1-3)

Das dürfte auch unter Beinhäusern einer der definitiv seltsamsten Orte sein: das Beinhaus der Zisterzienserkirche von Sedletz (Sedlece) in Tschechien. Als ich davon zum ersten Mal Bilder gesehen habe, war ich schon etwas eigenartig berührt – ob es den Verstorbenen wohl recht gewesen wäre, daß aus ihren Knochen ein Kronleuchter wird? Und was ist mit der Auferstehung des Leibes? Die Geschichte dieses eigenartigen Beinhauses erklärt aber wiederum manches: die Gebeine stammen hauptsächlich von Opfern des Schwarzen Todes; ursprünglich in Massengräbern verscharrt, erwarten über vierzigtausend von ihnen hier die Auferstehung des Fleisches, ihre Knochen sind teils phantastisch angeordnet, sie bilden Leuchter, Girlanden, formen die Umrisse von Monstranzen und Kelchen nach.

Daß die sehr schöne Lesung aus dem Buch Ezechiel über die Wiederbelebung der Totengebeine – die mitnichten ein Stück aus dem Gruselkabinett ist, sondern eine Vision der Auferstehung der Toten am Ende aller Tage – auch als Auswahllesung für Pfingsten genannt wird, ist mir in diesem Jahr erstmals aufgefallen: Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig, und ich bringe euch wieder in euer Land.

Die Frage, wie wird das sein, „holt sich das Bein vom Kronleuchter die Hüfte, die unter der Decke hängt?“, die ein Reiseführer stellt, geht, finde ich, am Thema vorbei, auch fände man eine Antwort bei Ezechiel. Die eigentliche Frage ist aber tatsächlich die, die dem Propheten Ezechiel gestellt wird: Menschensohn, glaubst du, daß diese Gebeine wieder lebendig werden? Ich jedenfalls glaube es, die dieses Beinhaus errichtet haben, glaubten es auch. Dieses Beinhaus ist ein Bekenntnis der Auferstehung der Toten.









Kommentare:

Dorothea hat gesagt…

Auch wenn das ein Bekenntnis zur Auferstehung der Toten ist würde ich da glaube ich nicht hineingehen. Ich bin mal mit knapp 10 Jahren, ohne zu wissen worum es da geht, in das Beinhaus in Oppenheim am Rhein gegangen. Die Gebeine sind dort so angeordnet, daß ich das zunächst für ein Wandmuster hielt - als ich erkannte was es tatsächlich war lief ich panisch hinaus. Das reicht für meinen Geschmack für den Rest meines Lebens. Puuuhhhh.....

Braut des Lammes hat gesagt…

Obwohl ich sonst nicht dafür bin, alles, was mit Tod und Sterben zu tun hat, von Kindern absolut fernzuhalten: für Kinder ist ein Beinhaus vielleicht wirklich nichts. Dieses Beinhaus ist natürlich zudem ein besonderer Fall, zu dem man aufgrund seiner Historie einen Zugang finden kann (oder auch nicht).

An sich ist Gebein ja etwas Natürliches, aus dem wir alle bestehen und das, was vom menschlichen Körper noch ziemlich lange bleibt.

Sursum corda hat gesagt…

Sedlitz ist für mich ein sehr schöner Ort. Ein sehr einprägsames "memento mori", aber zugleich auch ein irgednwie sehr respektvoller Umgang mit den Gebeinen. Es soll übrigens nur zwei Arten von Besuchern geben: Solche, die schon in der Tür keinen Schritt mehr weitergehen können und solche, die stundenlang nicht mehr hinauskommen. Ich gebe es zu, ich gehörte seinerzeit zu letzteren...

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