Dienstag, 17. Juli 2012

Lobet den Herrn, alle Völker – Gedenktag der sel. Märtyrinnen von Compiègne

Beim Lesen des Zettels, den eine der früheren Priorinnen der Karmelitinnen von Compiègne, Mutter Henriette von Jesus, schrieb, fällt auf, daß es ein Schriftstück von großer Klarheit, fast dichterischer Eleganz und zugleich ein völlig zeitloses Zeugnis ist. Sie reichte diesen Zettel den revolutionären Wachen durchs Klausurgitter und ließ ihn noch dort laut verlesen:
Wie falsch sind die Urteile,
die die Welt über uns fällt!
Ihre abgrundtiefe Ignoranz
mißbilligt unsere Gelübde.
Alles, womit sie sich schmückt,
ist schiere Eitelkeit.
Ihre einzige Wirklichkeit
ist die Sorge, die sie verschlingen wird.

Ich verachte ihren Stolz.
Ich sehe ihre Schmähungen als Ehre an
und gebe meinen Ketten den Vorzug
vor ihrer falschen Freiheit.

O freudenreicher, o stets heiliger Tag,
an dem ich, als ich mich dem Karmel versprach,
das Herz Gottes gewann.

O geliebte und teure Bande,
ich stärke euch an jedem Tag.
Alles, was mir die Welt zu bieten hätte,
erscheint in meinen Augen wertlos.
Euer Sarkasmus, Weltleute,
ist, verglichen mit meiner Glückseligkeit,
ein verräterisches Zeichen:
daß Freude alle Sorgen aufwiegt,
denen eure Seelen zum Opfer fallen.


Mitte Juli 1794, gegen Ende der Schreckensherrschaft der französischen Revolution und nur einen Tag nach dem Hochfest unserer lieben Frau vom Berge Karmel, wurden sechzehn Karmelitinnen in Paris enthauptet, da man sie der Verschwörung gegen den Staat beschuldigte. Diese „Verschwörung“ bestand darin, daß sie heimlich miteinander lebten und beteten, in der Tat hatten sie in einem gemeinschaftlichen Akt ihr Sterben als Opfergabe für den Frieden, für die Kirche und die Rettung Frankreichs dargebracht. Die Priorin, Mutter Therese vom hl. Augustin, nannte das Kreuz die einzige Waffe, die die Karmelitinnen jemals in ihrem Haus gehabt hätten. Wahrscheinlich war das sogar so – wie machtvoll ist das Kreuz!

Eine Handvoll Nonnen, wie tausende anderer Opfer, die im selben Massengrab ruhen – wieso hinterlassen gerade sie einen solch tiefen Eindruck?

Vielfach wurde das Schicksal der Karmelitinnen von Compiègne künstlerisch umgesetzt. Ihr Sterben, das sie wie ihr ganzes Leben nicht zuletzt auch der Kirche geweiht hatten, hatte aber auch Einfluß auf diese selbst: Von der kleinen hl. Therese weiß man, daß sie die Märtyrinnen von Compiègne verehrt hat: sie bewahrte mehrere Bildnisse dieser Märtyrinnen ihres Ordens auf und nahm mit großer innerer Beteiligung an dem Jahrhundertbegängnis des Martyriums teil. Ein Jahr später weihte sie ihr Leben in einem ähnlichen Akt der göttlichen Barmherzigkeit und fügte ihrem Ordensnamen noch das Attribut „vom heiligen Antlitz“ bei. Das Antlitz des Erlösers ist auch das Antlitz des leidenden Christus, etwas das von seiner Menschwerdung Zeugnis gibt, davon, daß er sein Blut für uns vergossen hat.

Eine andere selige Karmelitin, Sr. Elisabeth von der heiligsten Dreifaltigkeit, lebte zu der Zeit, als die Karmelitinnen von Compiègne seliggesprochen wurden und starb nicht lange darauf, am 9. November. 1906 schrieb sie in einem Brief:
Wie wunderschön die Feier unserer Seligen gewesen sein muß und wie sehr du Gott gedankt haben mußt, der mich auf diesen Berg Karmel berufen hat, in den Orden, zu dessen Ruhm so viele Heilige und Märtyrer beigetragen haben. Oh! Wie glücklich wäre ich, wenn mein Herr auch von mir verlangte, mein Blut für ihn zu vergießen! Worum ich ihn jedoch im besonderen bitte, ist das Martyrium der Liebe, in dem die heilige Mutter Teresa sich verzehrt hat, die die Kirche ein Opfer der Liebe nennt.
Zur selben Zeit wie die Karmelitinnen von Compiègne waren im Kerker auch englische Benediktinerinnen in Haft, die in Cambrai in Flandern eine Gründung vorgenommen hatten. Diese waren von den Karmelitinnen tief beeindruckt, sie sahen den Akt der Hingabe der Karmelitinnen und deren Haltung im Kerker als heiligmäßig an, noch bevor sie das Martyrium erlitten. Durch einen glücklichen Zufall – die Gewänder der Karmelitinnen waren gewaschen worden und kamen nicht vor der Hinrichtung in den Kerker zurück (so daß die Karmelitinnen andere Kleidung zur Hinrichtung trugen) –, gelangten die Benediktinerinnen an Besitztümer der Märtyrinnen. Sie nahmen sie später, am 2. Mai 1795, mit nach England, wo die Benediktinerinnen von Cambrai die Abtei von Stanbrook errichteten. Eine dieser Gründerinnen war Dame Gertrude More, die Ur-urenkelin des hl. Thomas More.

Einhundert Jahre später schrieb die damalige Äbtissin von Stanbrook an die Priorin des wiedererrichteten Karmels von Compiègne:
Wir halten diese Dinge in hohen Ehren, als zwiefältige Reliquien: Reliquien der Märtyrinnen und solche unserer eigenen Mütter, die das Martyrium fast erlangt hätten. Wie glücklich wir sind, daß wir diese Sandale so viele Jahre aufgehoben haben! Sie scheint uns einzuladen, den Fußspuren jener zu folgen, die uns in Gestalt unserer karmelitanischen Mütter so sanft Lebwohl sagten, bevor sie den Karren nach Paris und zur Guillotine bestiegen, um jenen Thron der Herrlichkeit zu erlangen.
Mir bedeuten die heiligen Märtyrinnen von Compiègne ebenfalls sehr viel, zum einen, weil ich den Karmel und die Heiligen liebe, die er hervorgebracht hat. Zum anderen: schaut man auf das Sterben dieser Märtyrinnen – ich möchte auch so sterben, mit einem Wort auf den Lippen wie diese: Komm, heiliger Geist, der Leben schafft. Sr. Constance von Jesus, die jüngste Novizin, die den anderen voranging, sang, als sie hinaufstieg, den 117. Psalm:

Lobet den Herrn, alle Völker, preist ihn, alle Nationen! Denn mächtig waltet über uns seine Huld, die Treue des Herrn währt in Ewigkeit.

Keine Kommentare:

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...