Mittwoch, 18. Juli 2012

Fashionbeitrag: die Schuhe der Unbeschuhten

Da es grad so schön karmelitanisch hergeht auf dem Blog: neulich fragte mich jemand, wieso man die Unbeschuhten eigentlich „die Unbeschuhten“ nenne, wo sie doch Schuhe trügen. Eine berechtigte Frage.[1]

Als Teresa ihre Reform[2] begann, haben die ersten Karmelitinnen des Karmels vom hl. Josef in Avila tatsächlich ihre Schuhe entsorgt, da sie sich dem einfachen Leben nach der ursprünglichen Regel wieder annähern wollten[3]. Als die Gründungen der Klöster der Reform zunahmen, erkannte man vor dem Hintergrund auch des spanischen Klimas (von solchen Bedingungen wie etwa in Nordengland noch gar nicht zu reden), daß man doch Schuhe brauchte, um die Gesundheit der Schwestern zu gewährleisten. In der Folge trugen die Karmelitinnen schon zu Lebzeiten Teresas bis vor nicht gar nicht allzulanger Zeit – und an mindestens einem Ort auch noch heute – sogenannte Alpargatas. Das sind Schuhe, die aus Stroh geflochten und dann eingekocht wurden, so daß sie eine Form hatten, die in etwa paßte.

Begegnung der hll. Teresa, Klara und Catalina
 (hier ist nur die hl. Klara barfuß)
Leider etwas verschwommen, aber ganz echte Alpargatas
 (im Karmel von Kirk Edge)
Handelsübliche Alpargatas heute (ganz hübsch,
wäre leider allenfalls zum Gartenhabit tragbar)

Bernstein zitiert in Nonnen [4] eine walisische Schwester über ihre Freude, als sie zur Einkleidung auch Alpargatas erhielt: „Ich erinnere mich, wie ungeheuer privilegiert ich mir vorkam, als ich meine ersten Alpargatas bekam. Endlich eine echte Karmelitin zu sein, war wunderbar, was immer es auch mit sich brachte.“

Das ist eine Äußerung, die ich sehr gut verstehe. Mit sich gebracht haben jedoch diese Alpargatas, so bequem und pittoresk sie aussehen mögen, wegen des „in etwa“ zuweilen und vor allem im höheren Alter Fußdeformationen. Allerdings war das meines Wissens nicht der alleinige Grund, zum Tragen von Ledersandalen überzugehen: die Anfertigung von Alpargatas war nicht nur mit Zeitaufwand verbunden (das läßt sich in einem Kloster leichter verschmerzen) –, sondern mit mittlerweile einigermaßen hohen Beschaffungskosten: welches Stadtkloster hat mal eben zum Flechten geeignetes Stroh da? Was einstmals das billigste war und deshalb genommen wurde, mutierte nun zum Kostenfaktor und stand daher eigentlich dem Geist der Armut entgegen. Zudem verschleißen Alpargatas einigermaßen schnell. Gut gefertigte Ledersandalen, die ohne weiteres ein Vierteljahrhundert und länger halten können, sind die entsprechende Alternative unserer Zeit. An sich ist gegen Sandalen auch nichts einzuwenden, selbst Jesus Christus ja hat welche getragen.

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[1] Besagte Fragerin könnte sich wegen fortwährend kalter Füße übrigens nicht vorstellen, bei den armen Klarissen einzutreten, die im Haus barfuß gehen bzw. Holzpantinen tragen. Beim Verlassen des Klosters oder zu entsprechenden Gelegenheiten tragen jedoch auch die Klarissen Ledersandalen. Wer gern viel barfuß geht, dürfte sich dort jedenfalls wohlfühlen.

[2] Der Teil des Karmels, der der Reform nicht gefolgt ist, wird übrigens nicht etwa „die Beschuhten“ genannt. Das Ordenskürzel ist OCarm. für Karmeliten. Die Unbeschuhten sind OCD, die Discalceaten, also die „Entschuhten“.

[3] Wiewohl die Regel des hl. Alberts über Schuhe oder auch nur Kleidung nichts aussagt – was nur beweist, daß man um Detailfragen keinen unnötigen Fetisch machen sollte. Allenfalls ist es eine Frage der Tradition und inwieweit es sinnvoll scheint, eine solche jeweils aufrechtzuerhalten.

[4] Marcelle Bernstein, Kindler, 1982

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