Donnerstag, 26. Juli 2012

Dieser Sohn ist Gott – Fest der hll. Anna und Joachim

Eine Amerikanerin hat ihr Befremden über einige der hierzulande verbreiteten Darstellungen der Anna selbdritt etwas drollig ausgedrückt, indem sie sie mit den russischen Babuschkas verglich, in dem sich in der einen Holzpuppe jeweils eine kleinere zweite befindet. Sie zieht daraus aber den richtigen Schluß, es geht um die Blutsverbindung Jesu zu Anna und Joachim und damit um seine Menschennatur. Da Jesus der Sohn Gottes ist, den Maria vom Heiligen Geist empfangen hat, sind die Eltern Marias, die Großeltern Jesu, das Bindeglied zur Menschheit. Sie wiederum haben die reine Jungfrau hervorgebracht[1], die wir als Jungfrau über allen Jungfrauen anrufen.

Der hl. Johannes von Damaskus faßt die Freude, die die Kirche über die Geburt der Jungfrau Maria empfindet, aus der sich wiederum erklärt, daß die Kirche die Eltern Marias ehrt, zusammen wie der Prophet Jesaja: ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Ja, dieser Sohn ist Gott.

Da aus Anna die jungfräuliche Gottesmutter geboren werden sollte, wagte die Natur nicht, der Gnade vorzugreifen, und Anna blieb unfruchtbar, bis die Gnade die Frucht bildete. Sie, die den Erstgeborenen der ganzen Schöpfung, in dem alles Bestand hat, gebären sollte, mußte selber eine Erstgeborene sein.

Joachim und Anna, du glückliches Paar! Die ganze Schöpfung ist euch verpflichtet. Denn durch euch hat die Schöpfung dem Schöpfer das vorzüglichste aller Geschenke zugeführt, die heilige Mutter, die allein ihres Schöpfers würdig war.

Freu dich, Anna, du Unfruchtbare, die nie gebar, du, die nie in Wehen lag, brich in Jubel aus und jauchze. Juble, Joachim, denn aus deiner Tochter wurde uns ein Kind geboren, ein Sohn geschenkt, dessen Name ist: Wunderbarer Ratgeber, Bote des Heils für die ganze Welt. Starker Gott. Ja, dieser Sohn ist Gott.

Joachim und Anna, du glückliches Paar, du makelloses Paar! An der Frucht eueres Leibes erkennen wir euch, wie der Herr sagt: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Ihr hab ein Leben geführt, das Gott gefiel und des Kinds würdig war, das aus euch hervorging. Keusch und heilig habt ihr gelebt. Das Kleinod der Jungfräulichkeit habt ihr hervorgebracht, sie, die Jungfrau war vor der Geburt, bei der Geburt und nach der Geburt, sie, die einzige allzeit Jungfräuliche an Geist, Seele und Leib!
______
[1] Was wohl auch erklärt, wieso man das mit den „Babuschkas“ nicht weitertreibt, also nicht auch noch die Urgroßeltern in die Verehrung einbezieht und immer so weiter. In der Tat hatte ich mich zwischendurch gefragt, warum eigentlich hier haltmachen? Insofern ist es vielleicht nicht schlecht, sich das einmal vor Augen zu führen. Der Geburt Mariens wie der des Erlösers (und auch des Vorläufers, der auf manchen Anna-selbdritt-Bildern mit dargestellt ist) haftet etwas Wunderbares an: es kommt jeweils ein Engel – im Falle Annas und Joachims sogar zwei, zu jedem der beiden einer – und kündet die Geburt eines Kindes an.

Bilder: Anna selbdritt, Meister des Berliner Skizzenbuches, 1525; Illumination aus Speculum humanae salvationis (Spiegel der menschlichen Erlösung), Mitte 15. Jhd.

Kommentare:

. hat gesagt…

Es gibt ja auch noch Emerentia:
http://www.aug.edu/augusta/iconography/december2001/emerantia.html

Braut des Lammes hat gesagt…

Oh. Aus welcher apokryphen Schrift wissen wir von Emerentia?

. hat gesagt…

Leider finde ich dazu erstmal nur http://en.wikipedia.org/wiki/Emerentia

Bei Gelegenheit konsultiere ich die nächstgelegene Theologische Fachbibliothek.

Braut des Lammes hat gesagt…

Das ist die frühchristliche Märtyrin Emerentiana, aber danke.

Dick Stracke hat gesagt…

Die christliche Ikonographie Seite über Emerantia hat eine neue url: www.christianiconography.info/december2001/emerantia.html

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